Interessantes über Lychen und Umgebung

Sunday, 2. august 2009 7 02 /08 /Aug. /2009 11:35
Am vergangenen Wochenende erlebte Lychen wieder sein großes jährliches Flößerfest. Zahlreiche Urlauber und Besucher strömten in das uckermärkische Städtchen, um an den verschiedensten Veranstaltungen wie Sport, Tanz, Chorgesang Floß- und Kutschfahrten teilzunehmen, oder einfach, um nur mal so herumzuschauen oder die Biermarken auszuprobieren. Wegen der alten gewerblichen Tradition - der Flößerei - trägt Lychen seit Oktober 2008 den Titel "Flößerstadt". Organisator ist der Lychener Flößerverein e. V.
Entlang der Promenade am Oberpfuhlsee erstreckte sich die Vergügungsmeile mit Verkaufsständen, Imbiss und Spielvergnügen für die Kleinen. Typische Produkte aus der Region gab's zu probieren und zu kaufen, wie z. B. "Boitzenburger Früchtezauber" oder Eisvogel-Keramik. Fleischerei Mull grillte leckere Flößernägel und Flößerbratwürste.
Sportliche Hauptattraktion war das Drachenboot-Rennen mit 6 Mannschaften. Eine Lychener Mannschaft kam mit 1 Sekunde Rückstand nur auf den 2. Platz. Das Rennen machten die Prenzlauer aus der Kreismetropole
Am Seeufer unterhalb des Flößermuseums zeigten die Fachmänner, wie ein Floß zusammengebaut wird. Die Wassertourismus-Firma "Treibholz" hatte Hochkonjunktur mit ihren Floßfahrten. Durch das Städtchen trabte derweil die elegante doppelstöckige Postkutsche des Reiterhofes Rensch.
Was mich besonders freute - und beinahe wäre ich dran vorbei gelaufen - war ein Stand zur Unterschriftensammlung für eine Petition an den Bundestag gegen den Verkauf uckermärkischer Seen an Privathand. Natürlich habe ich meinen Namen sofort auf die Liste gesetzt, denn - Seen und Gewässer und eigentlich auch der Wald sollten Gemeingut für alle sein.
Den Samstagabend krönte schließlich ein prächtiges Feuerwerk am nächtlichen Himmel. Leider lassen sich mit der Digitalkamera nur bescheidene Aufnahmen machen.
Auf meinem Heimweg um Mitternacht - wie jedesmal - das übliche Bild: Alle Straßen und Plätze voller Pkws. So hatte auch die Polizei mal wieder ihr Vergnügen und konnte jede Menge Knöllchen verteilen. Mein Auto habe ich am Markt auf einen Behinderten-Parkplatz abgestellt. Das muss ich jetzt schnell holen. Hoffentlich hängt kein Zettel dran.
von anais - veröffentlicht in: Interessantes über Lychen und Umgebung - Community: Sprechen durch Schreiben
Kommentar hinzufügen - Kommentare (3)ansehen
Saturday, 11. july 2009 6 11 /07 /Juli /2009 16:16

Farbenprächtig ist der Eisvogel (Alcedo atthis). Kopf, Rücken und Schwanz leuchten türkisblau und grün. Orangerot seine Bäckchen, Brust und Bauch. Wenn Du ihn in natura beobachten möchtest, besuche doch mal das Revier des "kleinen Naturwächters mit den langen Gummistiefeln" am Küstriner Bach in der Nähe von Lychen. Dort nisten zur Zeit drei Paare an steilen Hängen. Mit seinen roten Beinen scharrt der bunte Vogel den Gang zur Bruthöhle bis über einen Meter tief in die Hangwand hinein. Naturwächter sorgen mit Abstichen dafür, dass die Wand unterhalb des Eingangs zur Brutstätte senkrecht abfällt, damit Fuchs und Marder das Nest nicht plündern können. Im April besetzt er sein Revier. die kalte Jahreszeit verbringt er am Rhein und in Frankreich bis zur Camarque. Er ernährt sich von kleinen Fischen, die er im Sturzflug aus dem Wasser fängt.
In früheren, ruhigeren Zeiten war der Eisvogel häufiger bei uns anzutreffen, sogar in Stadtnähe in den Gärten. Nach und nach - so die Idee unserer Naturwächter - soll der hübsche Juwel wieder an jedem der Lychener Seen angesiedelt werden. Er nistet mittlerweile auch am Oberpfuhlmoor und am Zenssee. Sogar am Mühlenbach, inmitten der Stadt, wurde er schon beobachtet. In der weiteren Umgebung betreuen Naturfreunde 35 Nistplätze.
Also - in Lychen braucht der Papagai nicht im Käfig gehalten zu werden.

 

P.S: Der Eisvogel wünscht Dir eine gute Woche und freut sich auf Deinen Besuch!

von anais - veröffentlicht in: Interessantes über Lychen und Umgebung - Community: Sprechen durch Schreiben
Kommentar hinzufügen - Kommentare (4)ansehen
Monday, 29. june 2009 1 29 /06 /Juni /2009 20:33
Zwar ist Lychen nur ein kleines verträumtes, malerisches Städtchen, aber von uns aus hat eine Erfindung einmal die ganze Welt erobert. Bei uns wurde nämlich die Pinne, die Reißzwecke, erfunden. Und damit begann auch die Karriere der verzwickten Zwecke. Um 1902 entwickelte der Uhrmacher Johann Kirsten, ein Tüftler, in der Fürstenberger Straße 124 - heute Nr. 13 - die Pinne zuerst für sich selbst und produzierte sie mit zwei Gehilfinnen in kleinen Mengen. Er verkaufte die Rechte an den Klempnermeister Otto Lindstedt, Inhaber der Lychener Metallwarenfabrik. 1904 ließ Lindstedt die Erfindung als "Heftzwecke" patentieren. Zuvor hatten seine talentierten Schlosser die Pinne verbessert. Der Stift wurde nicht mehr einfach in die Deckplatte gestanzt, weil er schnell abbrach, sondern aus der Metallplatte wurden zusätzlich Zungen für seine Befestigung herausgestanzt und umgebogen. Dafür bekamen die Schlosser vom Chef als Belohnung eine dicke Zigarre spendiert. Unternehmer sind ja immer schon spendabel gewesen. Lindstedt produzierte nun im großen Stil. Dafür beschäftigte er zahlreiche Frauen in seinem Betrieb oder auch in Heimarbeit an der Stanze. Während der Nazi-Zeit arbeiteten auch Häftlinge aus dem Frauen-KZ Ravensbrück unter Aufsicht mit Hundebewachung in der Fabrik. Lindstedt wurde 1945 enteignet. Die Reißzwecke wurde dann bis 1964 in dem verstaatlichten Betrieb unter der Marke "Lymefa" (Lychener Metallwarenfabrik) weiter  produziert.
Auf diese Erfindung sind natürlich alle Lychener stolz. Aber unter den Touristen gibt es doch so manchen kritischen Betrachter. Als ich eines Tages für eine Reisegruppe eine Stadtführung machte, meinte ein Besucher mit fragendem Blick: "Haben eigentlich nicht die Reiss-Werke in Bad Liebenwerder darauf das Patent?" Diese Frage stiftete bei mir Unsicherheit und zugleich auch Furcht, Lychen könnte um ein Logo ärmer werden. Deshalb sind wir dem verzwickten Weg der Zwecke noch einmal nachgegangen. (Lies bitte dazu die Page "Die verzwickte Zwecke")
von anais - veröffentlicht in: Interessantes über Lychen und Umgebung - Community: Sprechen durch Schreiben
Kommentar hinzufügen - Kommentare (4)ansehen
Friday, 9. january 2009 5 09 /01 /Jan. /2009 17:51
Das 20. Jahrhundert bis zur Wende haben heute noch rüstige Lychener in ihrer Heimatstadt miterlebt und mitgestaltet. Seit Februar 2004 trafen sich sich die Teilnehmer des "Lychener Historienstammtisches" regelmäßig einmal am Monatsende im Fürstenberger Tor, um ihre Meinungen, Fotos, Dokumente und Erlebnisse zu ausgewählten Themen unserer Stadtgeschichte auszutauschen. Jetzt haben wir im Eigenverlag von Eberhard Kaulich die ca. 150 Seiten umfassenden Protokolle in einem illustrierten Band veröffentlicht. Teil 1, "Themenstaffel von 2004 bis 2005", behandelt die Zeit von 1900 bis zum Zweiten Weltkrieg. Teil 2, "Themenstaffel von 2006 bis 2008", umfasst die Nachkriegsperiode und die DDR-Zeit bis zur Bürgerrechtsbewegung vor und nach der Wende.
Spannend und bewegend sind die persönlichen Erlebnisse nach Kriegsende und das Engagement beim Wiederaufbau. Dazu gehören u. a. die Themen: "Flucht aus der Stadt aus Angst vor den Russen","Das Lazarett der Roten Armee in den ehemaligen Heilstätten Hohenlychen als Arbeitgeber für die Stadt", "Die Enttrümmerung", "Die Bildung von Parteien und Massenorganisationen" und "Die Versorgungswirtschaft in der DDR-Zeit". Oft waren die Meinungen kontrovers und emotionsgeladen.
Schön zu lesen sind im 1. Teil z. B. "Lychener Sagen, Erzählungen, Gedichte und Anekdoten" oder "Lychener Originale - ihr Leben, ihr Witz und Humor".
 Die Berichte von Zeitzeugen aus der sozialistischen Zeit rufen so manche Erinnerung wach. Sie sind aber oftmals auch Zeugnis vom starken Gemeinsinn unserer Menschen für die Entwicklung der Stadt. Das wird sicherlich auch Jüngere interessieren, oder?
Über die Aktivitäten des Stammtisches berichtete mehrfach ausführlich die regionale Presse. Anlass zur Freude waren immer die Besuche von auswärtigen gebürtigen Lychenern oder ortsfremden Interessenten, die hier ihren Urlaub verbrachten und den Historienstammtisch kennenlernen wollten.
Am 27. Januar 2009 haben wir den schön gestalteten, interessanten Band dem Bürgermeister unserer Stadt feierlich auf einer festlichen Veranstaltung überreicht.
Und - selbstvertändlich - der Stammtisch wird mit anderem Inhalt weitergeführt.
Der Band ist für jeden Interessenten aus nah und fern für 12.50 Euro (Herstellungspreis) erhältlich. Einfach hier anklicken und Kommentar hinzufügen. Ich antworte per E-Mail zurück.
von anais - veröffentlicht in: Interessantes über Lychen und Umgebung
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Thursday, 27. november 2008 4 27 /11 /Nov. /2008 15:36

Als erste Stadt Brandenburgs trägt Lychen seit Oktober 2008 den schönen Beinamen "Flößerstadt". 1995 gründete sich der Flößerverein. Er kann auf eine Jahrhunderte alteTradition zurückblicken. Seit 1570 ist dieses Gewerbe durch einen Schuldschein eines Lychener Flößers über 1000 Mark bei Hamburger Kaufleuten belegt. 6 Tage bis Berlin-Spandau und 10 bis 12 Tage bis in die Hansestadt dauerte die Fahrt der Pläätzen in langen Verbänden durch unsere Seen, die Havel und die Elbe. Das war ein sauberer, umweltfreundlicher Transport im Gegensatz zu heute. Die Flößer pflegten ihre eigenen Sitten und Bräuche und sangen ihre Lieder. Die Flößerei ist jetzt wieder zu einer beliebten Touristenattraktion auferlebt. Reiselustige mieten Floßfahrten auf dem Oberpfuhlsee. Sogar Hochzeitspaare lassen sich auf einer Pläätz trauen. Besonderer Höhepunkt ist jedes Jahr das Lychener Flößerfest Ende Juli/Anfang August mit einem brillianten Feuerwerk um Mitternacht.Der Flößerverein hat ein gut gestaltetes Museum in der alten Feuerwehr eröffnet. Mittelpunkt bildet ein großes Landschaftsrelief, auf dem der Besucher den Weg des Holzes über Seen, Kanäle und Flüsse nachvollziehen kann. Sehr hübsch und originell die bizarren holzgeschnitzten Wassergeister eines Himmelpforter Bildhauers, die auch zum Sitzen, Kaffee trinken und zu Informationsgesprächen einladen. Sollten Sie einmal durch Lychen fahren, dann schauen Sie unbedingt ins Flößermuseum rein. Es ist auch im Winter geöffnet,und genießen Sie unsere Gastlichkeit.

von anais - veröffentlicht in: Interessantes über Lychen und Umgebung
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen

Über diesen Blog

Profile

Blog erstellen

Neueste Kommentare

Awards

[Award.jpg]
Ein Award von Margotlink


Ein Geschenk der Meeresbuchtlink



Ein Award von Xammilink und der Meeresbuchtlink



Kalender

June 2012
M T W T F S S
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30  
<< < > >>
 
Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden - Impressum - Artikel mit den meisten Kommentaren