Freitag, 26. februar 2010
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09:41
Prall warten die Knospen der Kornelkirsche auf weitere sonnige Tage, um aufzubrechen. Dann strahlt der
ganze Baum in leuchtendem Gelb. Die Kornelkirsche (Cornus mas), ein Hartriegelgewächs, ist in Mittel- und Südeuropa bis zum Kaukasus verbreitet. Sie wächst als dichter Strauch und entwickelt sich
mit zunehmendem Alter zu einem bis zu 6 Metern hohen Baum. Im zeitigen Frühjahr entfaltet sie ihre 15 bis 25 kleinen gelben Blüten, die in Doldenbüscheln zusammen sitzen. Erst nach der Blüte
erscheinen die glänzend hellgrünen, elliptischen Blätter.
Seit Jahrhunderten ist die Kornelkirsche in Kultur, denn sie ist vor allem eine wertvolle Bienenweide und für den Menschen eine Freude für's Auge.
Im Sommer reifen die kleinen zylinderförmigen roten Steinfrüchte, aus denen der Bio-Feinschmecker mit etwas Mühe eine vorzügliche Marmelade herstellen kann. Mühevoll ist vor allem das Aufsammeln,
denn die Früchte reifen unregelmäßig.
Ich habe meinen schon ziemlich hohen Baum vor ca. 40 Jahren als Sämling aus Weimar mit nach Hause gebracht. Jedes Jahr verkündet er den Frühlingsbeginn am Ufer des Sees.
von anais
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Donnerstag, 25. februar 2010
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18:35
Als noch Petroleum für die Straßenlaternen benutzt wurde, war der Lampenanzünder im alten Lychen der Herr
Vermum. Bei Eintritt der Dunkelheit musste er Laterne für Laterne anzünden. Wenn Vermum auf der Straße erschien, warteten schon versteckt in seiner Nähe junge Burschen, um ihm einen Streich zu
spielen.
Nachdem er die erste Laterne geputzt und angezündet hatte und zur zweiten Lampe ging, kletterte einer der Jungen den schmiedeeisernen Pfahl nach oben und drehte den Docht ganz hoch. Im Nu
war die Glocke vollkommen schwarz verrußt. Vermum fiel sofort auf, dass die eben angezündete Lampe nicht mehr zu sehen war. Kopfschüttelnd ging er zurück, reinigte sie erneut und schimpfte auf
die verflixten Bengel. Die aber hatten ihren Spaß und lachten sich im Dunkeln eins ins Fäustchen.
Donnerstag, 25. februar 2010
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18:06
G. Adolf, "Der Malerwinkel", Aquarell, ca. 1948.
Das ist das auf der letzten Stammtischrunde vorgestellte Bild von dem Lychener Maler G. Adolf. Wahrscheinlich
hat er seine Bilder als Laienkünstler gemalt. In jenen Nachkriegsjahren verdienten sich geschickte Hobbymaler etwas Geld durch den Verkauf ihrer Arbeiten hinzu. G. Adolf hatte ein
Kolonialwarengeschäft in der Nähe der Kirche. Von ihm soll es mehrere Bilder in Lychen geben. Der Malerwinkel am Oberpfuhlsee war bereits in den Vorkriegsjahren ein beliebtes Motiv wegen des
mitteralterlichen Färberhäuschens mit der Holzbrücke am Eingang des Mühlenbachs.
von anais
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Mittwoch, 24. februar 2010
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18:07
Viel gezeigt, begutachtet und diskutiert wurde am Dienstagnachmittag auf dem Lychener Historienstammtisch.
Ursula Kresak (Bild) hat sogar zu Hause ein Aquarell des Malers G. Adolf von der Wand des Wohnzimmers abgehängt und zur wieder gut besuchten Runde mitgebracht. Beschreibungen und Fotos anderer
Gemälde sowie Biografien von in Lychen gebürtigen Malern gingen von Hand zu Hand und wurden verlesen.
Interessant waren die Ausführungen von Hans Waltrich über ein
Gemälde, das sich in der Berliner Nationalgalerie befinden soll, gemalt von Lilien Jacob Salingré, ein aus Lychen stammender Maler des 19. Jahrhunderts. Völlig neu für uns war auch, dass
der Chefmaler des Berliner Zoos vor dem II. Weltkrieg, Wilhelm Schröder, aus unserem Ort stammte. Hans Waltrich zeigte zwei Fotos, Wildeberzeichnungen und wahrscheinlich ein Aquarell "Gänse mit
Lychen-Panorama im Hintergrund. Helmut Schulz, unser "kleiner Naturwächter mit den langen Gummistiefeln" präsentierte voller Stolz zwei schmale Bildchen - Birkenmotive -, die er vor langer Zeit von
seinen Eltern geerbt hatte.
Mir scheint, da werden wir noch manche schöne Überraschung erleben.
Mittwoch, 24. februar 2010
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17:10
Erste Scheeglöckchenknospen im Schnee.
Während wir heutzutage argwöhnisch und voller Bangen darauf warten, dass der Winter das Feld räumt und auch mal
nachhelfen, damit die ersten Frühlingsblüher leichter durch die Schneedecke kommen, gingen unsere Vorfahren im guten Glauben tatkräftiger und spektakulärer ans Werk. Der Winter wurde mit viel Lärm
und Hallotria ausgetrieben.
Ein solcher Brauch - er stammt eigentlich aus der Lausitz - war auch weiter nördlich in der Mark üblich.
Die Frauen banden eine mächtige Strohpuppe zusammen, bekleideten sie mit einem Sterbehemd und hüllten sie in einen Brautschleier. In die linke Hand gaben sie ihr eine Sense und in die rechte einen
Besen. Die Strohpuppe stellte den Winter dar.
Unter Rufen, Kreischen und Johlen trug man sie aus dem Dorf heraus. An einigen Orten schleppte man die Strohpuppe hinaus aufs Feld, um sie in einem Tümpel zu ertränken. Anderorts wiederum wurde die
Puppe auf Hügeln verbrannt. Es soll auch boshafte Leute gegeben haben, die die Strohpuppe hinaustrugen und auf den Acker des Nachbarn warfen. Da kam es zu ernsthaften Streitigkeiten, dass sogar die
Polizei einschreiten musste. In anderen Gegenden hängte man das Sterbehemd des Winters in einen einsamen Feldbaum und rief dazu: "Der Winter ist tot! Es lebe der Frühling!
Die Prozedur endete schließlich lustig und fröhlich. Die Frauen und Mädchen steckten sich Kätzchen ans Mieder, erste Frühlingsblumen ins Haar und sangen die schönsten Frühlingslieder. Anschließend
ging es zu einem Tänzchen in den Dorfkrug.
(Frei wiedergegeben nach einer Erzählung des Heimatdichters Gustav Metscher)
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