Montag, 22. februar 2010
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08:16
Ein hoffnungsvoller Blick in die nahe Zukunft. Bald ist es
wieder soweit. Tauwetter hat eingesetzt. Allmählich schrumpfen die Schneemassen. An einigen sonnigen Stellen zeigt sich schon die schwarze Erde. Ich habe auf meiner Wiese am Rande des Sees etwas
nachgeholfen und die Schneedecke abgetragen, damit die Sonne die Erde erwärmt und vielleicht bereits in den nächsten Wochen die Schneeglöckchen blühen. Die Wildkrokusse werden den Rasen in ein
buntes Fleckchen verwandeln. Stiefmütterchen schauen wieder mit lachenden Gesichtern in den hellen Tag. Und bei Mensch, Tier und Pflanze steigen wieder die Säfte!
Mit diesen Vorfrühlingsgedanken wünsche ich all' meinen Freunden eine angenehme und hoffentlich sonnige Woche!
von anais
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Sonntag, 21. februar 2010
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08:58

Future Flowers, Uwe Jähnichen, Zeichnung.
Uns Träumern ins Stammbuch:
GESTERN, HEUTE, MORGEN
Warum dein Leben borgen
aus Träumerei von Morgen?
Willst du nur rosa Tand
für dein Heute als Pfand?
Warum brüten auf Nestern
vom verlorenen Gestern?
Selbst die ältesten Lieder,
die bringen nichts wieder.
Doch schieb deine Sorgen
auf Gestern und Morgen!
An Träumen nicht kleben
lässt wirklich dich leben.
Auf Morgen warten nur törichte Leute;
denn Morgen IST nie – es IST immer Heute.
RoseM
von anais
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Sonntag, 21. februar 2010
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00:08
So vor hundertfünfzig Jahren
kam ein Fuhrwerk vor's Tor gefahren.
Der Torturm* steht nicht mehr;
drum freut heute so sehr,
was der Maler** einst konnte bewahren.
*Stargarder Tor, 14. Jh.
**Ernst Haas, um 1860
Dieses Originalaquarell (14,8 x23,1 cm, Karton) ist eines der ersten Malereien aus früheren Zeiten, das mir meine Coautorin RoseM dieser
Tage übermittelt hat. Der Künstler Ernst Haas hat das Lychener Stargarder Tor wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunders vor den Mauern der Stadt am frühen Abend gemalt. Die linke
Seite ist im Gegensatz zu heute noch fast baumlos, so dass der Blick weit bis über den Oberpfuhl reicht. RoseM hat sogleich dazu einen kleinen Lychenick verfasst. Ich danke ihr dafür, denn das ist
der Beginn unserer angekündigten Sammlung von Gemälden, Grafiken und Zeichnungen mit Motiven unserer Stadt und Landschaft.
von anais
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Samstag, 20. februar 2010
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08:25
Am heutigen Sonnabend gibt es zum Mittagessen einen herzhaften, Kraft und Wärme spendenden Eintopf. Grüner
Bohneneintopf nach Großmutters Art mit gebratenem Speck und Mehlschwitze schmeckt auch sehr gut, aber ich habe mir eine andere Zubereitungsvariante ausgedacht. Und diesen bunten Eintopf bereite ich
folgendermaßen zu:
Meine grünen Bohnen nehme ich frühmorgens aus dem Gefrierschrank und lasse sie auftauen. Ich schneide sie in Stückchen, ebenso eine mittelgroße geschälte Kartoffel und eine nicht allzu
große Möhre. Ich gebe alles in den Kochtopf und füge schwarze Oliven hinzu, denn die sind besonders lecker! Ich würze mit getrocknetem Bergbohnenkraut aus dem Garten, etwas selbst angesetztem
Chilli-Öl und Salz. Alles soll nun schön durchkochen, bis die Gemüsestückchen etwas weich, aber noch bissfest sind. In der Zwischenzeit zerkleinere ich eine mittelgroße Zwiebel und eine
Knoblauchzehe. Zwei bis drei Tomaten werden ebenfalls in Stückchen geschnitten und müssen fast bis zum Schluss auf einem Teller warten. Das Gemüse ist nun gegart. Die Tomatenstückchen kommen hinzu
und ein ordentlicher dicker Schwall Tomatenketchup. Dazu lege ich ich eine fertige Boulette und lasse alles noch einmal schön aufkochen. Mit einem gehäuften (Lach!) Esslöffel Rapsöl brate
ich Zwiebeln und Knoblauch an. Das kommt zum Schluss hinein. Alles dauert eine knappe halbe Stunde. Fertig. Wohl bekomm's!
von anais
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Donnerstag, 18. februar 2010
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15:14
Am Ufer des Großen Lychensees lebten in den goldenen 20ern der vorigen Jahrhunderts bis 1945 zwei emanzipierte
Damen in der Villa Jonas. Die Damen waren sehr begütert und betrieben eine Landwirtschaft. Fräulein Jonas und Fräulein Reichenau beliebten, mit einer noblen Kutsche durch den Ort zu fahren. Und zum
Erstaunen der Lychener Ackerbürger hatten die Damen auch den ersten Pkw. Fräulein Reichenau, vielseitig interessiert, besaß ein Fernrohr, mit dem sie aus der Kuppel der Villa die Konstellation der
Sterne beobachtete. Als die Russen einmarschierten, ließen sie von ihrem Hausmeister noch schnell den wertvollen Schmuck vergraben und flohen auf die Insel Rügen. Als sie zurück
kamen, fanden sie ihre versteckten Wertsachen geplündert und ihre Ländereien enteignet. Nicht weit von der Villa Jonas entfernt, auf der Halbinsel Kuckuckswerder, hatten sich Böttchers, zwei
Schwestern, ein etwas bescheideneres Haus eingerichtet. Sie allerdings verpachteten ihr Land und vermieteten Zimmer an Sommergäste. Und das dritte emanzipierte Paar - die Schwestern Tizius
- lebte ebenfalls auf einer Halbinsel weiter südlich am Großen Lychensee, auf Brennickenswerder. Sie beschäftigten sich ebenfalls mit Ackerbau. Und weil das eigentlich Männerarbeit war, genoss
es eine der zwei, genüsslich ihre lange Pfeife zu rauchen.
Vielleicht schon Jahre zuvor - wohl Anfangs des 20. Jahrhunderts - wurde Agnes Brennicke als "fortschrittlich" bezeichnet, denn sie war die einzige Frau in Lychen und Umgebung mit Bubikopf! Sie
hieß deshalb auch allgemein "Agnes mit den Polkalocken". Oft sah man sie auf der Straße mit einer dicken Zigarre im Mund. Und - auch der Alkohol war ihr nicht fremd. Obwohl sie von ihren
Angehörigen unterstützt wurde, lag ihr das Betteln im Blut. Hatte sie bei ihrer Schnurrerei Glück, wurde sie von ihren Gönnern öfter gefragt, was sie lieber haben möchte, ein Stück Brot oder zwei
Pfennige. Schlagfertig gab sie stets als Antwort: "Geb'ns mi leber twe Penning. Dat Brot wechselt de Budiker nich gern!"
Und wieder viel später - vor allem in der Nachkriegszeit - hatte "Ella vom Bock" lokale Berühmtheit erlangt. In Hohenlychen hatte sie eine Gaststätte und pflegte als Hobby das Kartenlegen. Ihr
kleinerer Mann, von ihr immer "mein Schönerle" genannt, hatte u. a. Säcke verkauft. Deshalb erhielt er von den Lychenern den Spitznamen "Sackbock", so wie die meisten vielen Böcke in unserem
Städtchen ihre Beinamen hatten.
"Ella vom Bock" ist mir selber noch in guter Erinnerung, denn bei ihr gab es im Sommer die grüne Waldmeisterlimonade.
So haben also bis auf den heutigen Tag die Lychener Frauen immer ihren Mann gestanden, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.
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