Fontainhas - das Dorf auf dem schmalen Felsgrad

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Fontainhas - das Dorf auf dem schmalen Felsgrad

Wir beginnen die letzte Etappe unserer Fahrt durch das Gebirge im Norden der Insel Santo Antao. Direkt vorbei an meiner Pension führt uns die ungepflasterte Straße oberhalb von Ponta do Sol an den Berghängen auf eine sehr schmale, hoch über den Klippen gelegene Pflastertraße. Mit vielen Windungen gelangen wir nach ungefähr einer halben Stunde in die Nähe des kleinen Ortes Fontainhas. Das Dorf steht auf einer schmalen Felsspitze. Ich schaue wie gebannt, denn der Anblick ist einmalig.

Fontainhas wurde vor Jahrhunderten von Franzosen erbaut. Die Siedler genossen hohes Ansehen. Als Menschen aus dem Norden hatten sie europäisches Aussehen. So auch drei blonde Damen, die von einem kapverdianischen Grafen wegen ihrer Schönheit verehrt und geliebt wurden. Eigens zu dem Zweck, mit Ross und Kutsche dorthin zu kommen, soll der Marques bereits im 18. Jhd. den Bau der schwindelerregenden Pflasterstraße veranlasst haben.

Aus jener Zeit stammt ein französischer Tanz, der heute noch zu Festen auf dem winzigen Dorfplatz vorgeführt wird. Ailton ezählt mir diese Geschichte.

Im Namen des Ortes sind zwei Bezeichnungen zusammengeführt: "Fonte" - Quelle und "Tainhas" - eine Fischart, die sowohl im Quellbach des Tales als auch im Meer lebt. Der Bach mündet in einer Bucht mit einem Strand, an dem früher Seeräuber Zuflucht suchten und sich versteckten.

Ich fotografiere das malerische Panorama, habe aber leider Gegenlicht. Die Sonne steht bereits im Westen, denn es ist später Nachmittag. Ailton erklärt mir eine Pflanze, aus deren Samen ein Öl gewonnen wird für kosmetische Zwecke und zum Einreiben gegen Schmerzen.Das Öl wurde schon zu Kolonialzeiten gewonnen und exportiert. Er nennt sie "Purgueira". Würde man die Samen essen, erginge es einem sehr schlecht, meint er. Ich habe dieses Gewächs schon auf der Insel Fogo gesehen. dort hatte mir Josinho erklärt, die Deutschen hätten Versuche unternommen, aus dem Öl Bio-Treibstoff zu gewinnen. Meine Gedanken damals: "Na, hoffentlich klappt das nicht."

Wir fahren zurück zu meinem Hotel, und ich habe einen schönen Blick auf Ponta do Sol.

Damit sind die organisierten Exkursionen zu Ende, und für die restlichen Tage muss ich mir selber etwas einfallen lassen.

Fontainhas - das Dorf auf dem schmalen Felsgrad
Fontainhas - das Dorf auf dem schmalen Felsgrad
Fontainhas - das Dorf auf dem schmalen Felsgrad
Fontainhas - das Dorf auf dem schmalen Felsgrad

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REinloft 02/21/2015 14:36

Ist ja irre, sieht aus wie Cinqueterre in Italien. Und dann die Geschichte dazu! Die mit dem Grafen und den schönen Damen. So was liebe ich. Das ist bewundernswerte Historie. Wer baut heute schon eine Straße zu seinen Damen?
Gruß RE
PS: Ich leg Dir Fotos von Ciqueterre auf meinen Blog

anais 02/21/2015 16:38

Danke für den Bericht über Cinqueterre. Ich habe mir ihn schon angeschaut und die Fotos bewundert. Ja, es gibt herrliche Orte auf unserer Welt. Hoffentlich bleiben sie uns erhalten.
Gruß Joachim

Katharina vom Tanneneck 02/18/2015 20:59

Hallo Joachim,
der Ort hat ja ein ausgezeichnete Lage und die Ansicht ist fantastisch. Wie eine Festung auf steiler Höhe liegt der Ort und der Ausblick dort, muss grandios sein.
Die Geschichten von den Reisbegleiter haben auch immer ihren eigenen Reiz. Da wird man meist an alte Zeiten zurück erinnert und kann sich lebhaft vorstellen, wie es damals war.
Danke für diesen interessanten Bericht und die schönen Bilder. Natürlich auch das tolle Video ist Spitze!
Liebe Grüße, Katharina

anais 02/19/2015 16:33

Hallo Katharina,
ich danke Dir sehr. Die Reiseführer haben sich sehr große Mühe gegeben. Schließlich ging das fast einen ganzen Tag. Sie wissen oft mehr, als in den Buch-Reiseführern steht. Über Fontainhas habe ich vorher schon gelesen. Deshalb war ich darauf besonders gespannt.
LG Joachim

Archi 02/18/2015 19:50

Guten Abend Joachim

Gerade Gegenlichtaufnamen sind phantastisch, leider nicht gesund für die Cam.
Ab und an wird es aber wohl nicht stören ( auch wenn BG schimpft ^^ )
Bei meinem Video hat er so einiges dazu gesagt *hihi

Nach Purgeira habe ich gegoogelt, nichts gefunden. Man sieht sie aber gut in deinem Video.
Eine tolle Seite, die dir vielleicht auch gefallen könnte habe ich dadurch gefunden.
http://www.capeverde.com/flora.html

Die Bilder sind ein Traum.
Mich erinnern diese Aufnahmen an die Azteken. Diese Terrassen-Gärtnen sind ein einmalig.
Schade, dass es die letzte Etappe ist.
Das war ein wundervoller Reisebericht.
Viel spannender als ein Buch.

liebe Abendgrüße Uli

anais 02/19/2015 16:30

Hallo Uli,
Purgueira werden wir nicht finden. Es kommt von dem portugiesischen Verb "purgar" - "reinigen". Wahrscheinlich reinigt das Öl die Haut und lindert Schmerzen. Von innen soll es auch reinigen aber wie Rhizinus. Wahrscheinlich ist die Pflanze damit auch verwandt.
Stimmt. solche Terassenfelder findet man überall in Gebirgen, wo seit jeher Ackerbau betrieben wird. So ganz ist es noch nicht die letzte Etappe gewesen. Es wird für mich noch aufregend. Das aber ohne Bilder...
LG Joachim

BG 02/18/2015 19:09

Hallo Joachim,
solche Fahrten mit einem Auto auf ungepflasterten Straßen finde ich spannend.
Und immer schön am Abhang entlang....
Das erste Bild mit dem gegenlicht ist genial.
Das setzt die Reisterassen in einen herrlichen Kontrast und erzeugt einen Super 3D-Efekt.
Da war doch was mit dem Licht und dem Scheffel...

Gruß

BG

anais 02/19/2015 16:23

Hallo BG,
diese Straße war so schmal dass beim Gegenverkehr einer zurückfahren muss, bis er eine Ausweichnische gefunden hat. Ich könnte das nicht. Danke für die Bemerkungen zum Gegenlicht. Freut mich.
Ja,, man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ich habe keinen Scheffel, und hier geht alles elektrisch. Lach.
Gruß
Joachim