Gute Heimreise?

Veröffentlicht auf von anais

Gute Heimreise?

Dienstag, den 06. 01. und Mittwoch, den 07. 01. 2015.

Heute, am Dienstag, werde ich um 8.00 Uhr mit dem Auto abgeholt zum Transfer nach Puerto Novo, Fährhafen. Um 9.00 Uhr soll die Fähre ablegen. Gegen 10.30 Uhr wird sie in Mindelo anlegen. Es erwartet mich laut Plan wieder ein Pkw, der mich zum Flughafen von Sao Vicente fährt. Dort startet um 13.00 Uhr der Inlandflug zur Insel Sal, mit dem ich mitfliegen werde. Am 07. 01. , frühmorgens um 01.00 Uhr geht's mit der portugiesischen Linie TAP nach Lissabon und anschließend mit wenig Wartezeit nach Berlin-Schönefeld. Ankunft dort gegen 13.00 Uhr.

Auf alle diese Etappen habe ich mich seelisch und moralisch vorbereitet. Auf der Insel Sal, in Santa Maria, werde ich noch den Nachmittag bis zum Abend verbringen und mir den Badeort anschauen.

Aha! Pünktlich erscheint das Auto vor meiner Pension. Ich steige ein. Der Fahrer verstaut meinen Koffer. Zwei Leute, eine junge Frau und ein junger Mann, sitzen bereits drin. Ich nehme vorn neben dem Fahrer Platz, sitze noch gar nicht richtig, da ertönt von hinten eine hämische, weibliche Stimme: "Wieder nicht angeschnallt, was?" Ich sage gar nichts. Wir fahren los. Es ist eine dünne, cholerische Frau, die bis Puerto Novo immer was zu meckern hat. Zum Glück hat sie einen ruhigen Sanguiniker als Mann.

Der Kleinbus nimmt unterwegs immer noch Personen mit, so dass wir am Ende voll sind.

Die Fährüberfahrt verläuft ruhig. Am Hafen von Mindelo empfängt mich eine junge, freundliche Mitarbeiterin der Reiseagentur "vista verde". Sie überreicht mir den Voucher für das Nachmittagshotel in Santa Maria (40 Euro) und verabschiedet mich. Mit dem Fahrer geht's zum Flughafen.

Als wir dort ankommen, und ich die lange Abfertigungshalle betrete, bin ich üerrascht. Die ganze Halle steht voller Leute. Ich erspähe kaum die Schalter. Es bewegt sich nichts. Ich schaue zur Tafel mit den Flügen. Sal - 13.00 Uhr steht dran, aber ohne Blinkzeichen zum Check-in. Weil es keine freien Sitzgelegenheiten gibt, kauere ich mich auf dem Fußboden an eine Wand. So warte ich vielleicht 45 Minuten. Plötzlich - ich traue meinen Augen nicht - macht die Anzeige klick: Alle Flüge nach Sal gecancelt. Und dahin wollen wohl die meisten Passagiere.

Unruhe setzt ein, dann ein Hin-- und Hergelaufe und Gedrängle. Jeder will an den Informationsstand. Eine dürre, ältere Engländerin -- Typ Margaret Thatcher - mit Rucksack drängt sich rücksichtslos durch. Ich warte etwas abseits und frage einen Supervisor (Aufsichtshabenden). Der schickt mich zur Feststellung meines Fluges. Ich werde abgehakt. Dann ertönt eine Stimme: "Busse bringen Sie zurück nach Mindelo ins Mindelhotel". Mindestens vier oder fünf Busse fahren alle Leute zurück zum Mindelhotel, weil keine Flüge mehr wegen angeblicher Stürme stattfinden.

Angekommen im Mindelhotel laufen alle in das Foyer. Es ist überfüllt. Ich finde noch Platz auf einer Couch und warte ab. Das Hotel ist total überfordert. Es gibt kaum freie Zimmer. Im Hotelrestaurant außen über einen Platz soll es Nudeln geben. Da gehe ich hin, weil ich Hunger habe. So warte ich drei Stunden lang gemeinsam mit weinenden oder lachenden Kindern und stillenden Müttern im Foyer, bis mir der Gedanke kommt: "Gehe mal zum Büro von ´vista verde´. Das ist nicht allzu weit von hier und sage denen, was los ist."

Ich warte dort eine Weile. Es erscheint aber eine sehr nette Ungarin, die mir in bestem Deutsch sagt: "Ich habe Ihnen ein Zimmer reservieren lassen im ´O Paco`". "Oh", bedanke ich mich ganz erfreut, denn das ist das beste Haus am Platz.

Im Hotel verbringe ich eine Nacht, soll mich aber bereit halten, falls wieder Flüge möglich sind. Am anderen Morgen kurz nach dem Frühstück, so gegen 9.00 Uhr, erscheint ein Mitarbeiter der Reiseagentur und bittet mich, mein Gepäck herunter zu bringen, weil ein Flugzeug bereit steht. Wir müssten uns beeilen. Das Taxi hätte ich selber zu bezahlen.

Als wir am Flugplatz ankommen, erwartet mich schon Helena von "vista verde" und bedeutet mir, dies sei eine Maschine von "Cabo Verde Express". Ich müsste den Flug bezahlen (70 Euro) und sollte mir die Quittung nach der Ankunft auf Sal geben lassen. Ich tue das, drücke dem Angestellten die 7000 Escudos in die Hand und schnell geht's raus auf's Rollfeld.

Da staune ich nicht schlecht: Ein kleines Propeller--Flugzeug vom Typ "Beach 1900 D Airlines". Wir sind 13 Passagiere und 2 Mann Besatzung. Aber -- der Flug verläuft ruhig. Nach einer Stunde landen wir auf dem Flugplatz von Santa Maria, Sal.

Es ist gegen 11.00 Uhr, als ich mich um die Quittung für den Flug bemühe und nach einer halben Stunde auch bekomme. Ein nettes junges Paar aus Norditalien sagt mir, ich solle unbedingt den gecancelten Flug im Büro von "Cabo Verde Airlines" schriftlich bestätigen lassen wegen späterer Regressforderung. Ich freue mich wieder, dass es nette Leute gibt.

Anschließend muss ich mich um den Weiterflug nach Lissabon kümmern. Im Büro der TAP regelt eine junge, freundliche kapverdianische Angestellte alles in Ruhe. Eine Maschine aus Lissabon sei bereits angefordert, aber noch nicht bestätigt. Der Abflug wäre am kommenden Morgen um 01.00 Uhr. Sie besorgt mir auch eine Unterkunft für den Nachmittag in Santa Maria. Das Geld für das zuvor gebuchte Hotel hatte ich von "vista verde" zurück erhalten.

Also - wieder alles wie geplant - nur einen Tag später. Frank hatte ich schon aus dem Hotel in Mindelo angerufen und mitgeteilt, dass ich einen Tag später in Berlin eintreffe- allerdings auf dem Anrufbeantworter.

Ich hätte eigentlich alles fotografieren und filmen sollen. Aber auf die Idee bin ich bei dem vielen Hin und Her nicht gekommen.

So - und jetzt fahre ich zu dem kleinen Hotel mit der sandfarbenen Fassade und ruhe mich eine Stunde aus, denn es ist jetzt gegen 13.00 Uhr...

Gute Heimreise?
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Veröffentlicht in Kapverdische Inseln

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Katharina vom Tanneneck 02/24/2015 22:33

Hallo Joachim,
seit ich hier lebe verspüre ich keine Reiselust mehr. Natürlich unternehmen wir auch Ausflüge in die nähere Umgebung oder an die Ostsee. Ich mag nicht mehr reisen, Fred schon. Aber wie ich ihn kenne, hält er das ohne mich höchstens 3 Tage aus.
Ich erinnere mich gerne an meine Reisen aber es war auch immer stressig. Zumindest die An- und Abreise. Am liebsten mochte ich immer eine Woche in Bayern, die auch recht angenehm war und meist ohne Stress. Ich liebe halt meine Heimat!
Herzliche Grüße, Katharina

anais 02/25/2015 17:19

Hallo Katharina,
das verstehe ich. Du hast auch schon viel in der Welt gesehen. Ihr habt es bei Euch sehr schön und seid unabhängig. Wenn Ihr arbeiten wollt, arbeitet Ihr, und wenn Ihr Euch erholen wollt, dann tut Ihr eben das. Was gibt es Schöneres?
LG Joachim

Archi 02/24/2015 21:01

Hallo Joachim

Das Video war recht kurz, aber der Eindruck ist klasse. Ein Flugzeug und ich passen nicht zusammen :-)
Mich würde man dort nicht hinein bekommen ^^

liebe Grüße Uli

Katharina vom Tanneneck 02/23/2015 22:30

Ach so, vor lauter Chaos habe ich ganz vergessen, mich bei Dir zu bedanken. Wunderbar hast Du alles geschrieben, dazu tolle Bild und auch das Video ist wieder prima geworden.
Liebe Grüße, Katharina

anais 02/24/2015 17:51

Hi Katharina,
vielen Dank für Deine Einschätzung. Ich freue mich sehr.
LG Joachim

Katharina vom Tanneneck 02/23/2015 22:28

Hallo Joachim,
das waren ja chaotische Stunden, die Du da verbracht hast. Aber damit muss man leben, wenn man verreist. Mir sind auch wieder Dinge eingefallen, die ich schon vergessen hatte. Zum Glück bist Du ja wieder zu Hause gut gelandet und Frank hat sich auch gefreut, Dich wieder zu sehen.
Zu Hause ist es doch am schönsten!
Liebe Grüße, Katharina

anais 02/24/2015 17:50

Hallo atharina,
ja, zu Hause ist es am schönsten, zumindest solange, bis sich wieder Reiselust einstellt. Das wird ber bei mir noch eine Weile dauern.
LG Joachim

BG 02/23/2015 21:46

Hallo Joachim,

bei dem Spruch der Tuse hätte ich gesagt: "T´schuldigung, im habe heute meine SM-Ausrüstung nicht dabei." :)
Dann hätte die was zum Meckern gehabt...:).

Zu dem Rest kann man nur sagen:
Ein solches Urlaubsende ist mehr als ärgerlich.
Permanent aufpassen zu müssen um jederzeit bereit zu sein ist ziemlich heftig. Dazu kommt die Unsicherheit, wie es weiter geht.

Gruß
BG

anais 02/24/2015 17:48

Hllo BG
ja, so etwas hätte ich sagen sollen. Andererseits sagte ich mir, die Leute bedeuten mir nichts, keine Energie verschwenden.
Die Rückreise war unangenehm. Es kommt noch ungemütlicher.
Gruß
Joachim