Wednesday, 19. october 2011 3 19 /10 /Okt. /2011 09:40

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Vor wenigen Tagen erhielt ich einen Anruf aus der Lychener Clara-Zetkin-Straße. Der Nachbar des Grundstücks, in dem der Musiker und Komponist Paul Grams bis in die 1970er Jahre lebte, teilte mir mit, der neue Eigentümer hätte beim Aufräumen ein Buch mit Fotografien und Zeitungsausschnitten von Paul Grams gefunden. Ob das nicht etwas für den "Lychener Historienstammtisch" und für eine zukünftige Heimatstube wäre.

Am Sonntagvormittag besuchte ich die Familie. Sie riefen den Nachbarn. Schnell kam er mit dem kleinen blauen Buch in der Hand herbei. Wir setzten uns in die Veranda und schauten uns die Fotos und die Zeitungsausschnitte an. Sie stammen größtenteils aus den Jahren nach dem Krieg bis in die 1950/1960er Jahre.

Paul Grams hat einen großen Teil der Lychener Musikgeschichte mitgeschrieben. Er komponierte viele Stimmungs-, Kunst-, und Heimatlieder. Bis Anfang 1960 leitete er das große Lychener Mandolinenorchester. !964 wurde es aufgelöst und Jahre später von der Musikerin Erika Bondzio neu belebt.

Ich habe hier drei Fotos ausgewählt: Das Kopffoto zeigt ihn mit einer Kindergruppe vor dem Kinderheim in Hohenlychen, ca. 1950. Aus seiner Berliner Zeit vor dem Krieg datiert dieses Foto mit seinen Bemerkungen: "Mein erstes Debüt als Gitarrist in der 'Femina' mit Juan Llossas" als Dirigent. Er sitzt in der Mitte mit Brille vor dem schwarzen Hintergrund.

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Auf dem dritten Foto ist er mit jungen Mandolinenspielerinnen und einem kleinen Burschen zu sehen.

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Aus dem Nachlass von Paul Grams haben wir in Lychen so gut wie nichts. Deshalb ist dieses Buch für unsere Stadtmusikgeschichte besonders wertvoll.

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von anais - veröffentlicht in: Interessantes über Lychen und Umgebung - Community: Geschichten, Gedanken, Gefühle
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Monday, 17. october 2011 1 17 /10 /Okt. /2011 11:45

Giersch 001

 Blüht er im Juli mit seinen weißen Dolden auf hohen Stengeln, so ist er hübsch anzuschauen. Bunte Falter und Bienen lockt er an, ein emsiges Geflattere und Gesumme. Über die Sommerzeit hinweg breitet er sich nach allen Seiten aus, ein Expansionist in der Pflanzenwelt. Wo zuvor noch Tausendschön und Aurikel ihre Blattrosetten entfaltet hatten und in bunten Farben leuchteten, legt sich in kurzer Zeit ein saftig grünes Blättermeer über alle Andersartigen. Die Zarten, Schwachen unterliegt im Kampf ums Dasein.

Für mich gilt es, mich zu entscheiden: Schlage ich mich als Freund auf die Seite des Gierschs und betrachte ihn als Wildgemüse, Heilpflanze und Blume wegen der weißen Dolden zum Füllen bunter Sträuße? Oder betrachte ich ihn als Unterdrücker, der Artenvielfalt nicht zulässt?  

Für manchen mag die Wahl einfach sein: Ist er doch in letzter Zeit so etwas wie eine Kultpflanze unter den Wildkräutern geworden. Als wohlschmeckend gilt die Giersch-Limonade. Im Wildkräutersalat soll er seine heilkräftige Wirkung gegen Rheuma, Gicht und Arthritis entfalten. Bekomme ich einen Krampf – welcher Art auch immer (vielleicht einen Lachkrampf?) - löst er ihn. Er entgiftet, reinigt das Blut und regt den Stoffwechsel an. Mancher Gartenfreund, der mich besucht, lobt und preist ihn, weil er zumindest schon die Limonade getrunken hat. Außerdem hofft er, der Giersch mache ihm den Rücken wieder elastisch. Das würde mir ebenfalls gut tun.

Andere dagegen schauen auf die grünen Blumenrabatten und bemerken mit Bedauern: „Ach, Sie haben ja auch so viel Giersch im Garten. Der ist so hartnäckig. Den kriegt man niemals raus!“ „Ja“, entgegne ich immer wieder kleinlaut, „mich ärgert er mächtig. Ich weiß schon nicht mehr, was ich tun soll.“ Gleich darauf wird mir das Gierschvernichtungsmittel empfohlen, das jetzt im Handel erhältlich ist. Sogar meine Freundin Jutta war bis vor kurzem in dieser Frage guter Hoffnung. Sie wollte sich bei Berliner Gartenfreunden kundig machen. Nach einer Woche erklärte sie mir kurz und bündig: „Oben ist er weg. Unten wächst er weiter.“ „Siehst Du,“ meinte ich, „der Giersch behauptet sich in allen Krisensituationen. Er ist der Banker in der Pflanzenwelt, gierig und unersättlich. Vielleicht heißt er wegen seiner Gier 'Giersch'. Wer weiß?“

Meine eigen Überlegungen haben mich bekräftigt, ihm wieder den Kampf anzusagen: „Wo Du beginnst, ist egal,“ sagte ich mir, „ob oben oder unten, links oder rechts, spielt keine Rolle. Er ist überall.“ also machte ich mir wie Egon einen Plan: Mit der Wurzel muss der Übeltäter ausgehoben werden. Ich streifte mir meine alten Gartenhosen über, zog die grünen Stiefel an und ergriff den Spaten. Bis zum Anschlag stieß ich ihn an der Wegkante in die Gartenerde der Blumenrabatte. Dann ließ ich mich auf die Knie fallen und schob das Spatenblatt so weit wie möglich unter den Giersch entlang, hob an und schüttelte etwas. Damit war das Untergrundgeflecht ans Tageslicht gebracht. Nun hieß es, Sorgfalt walten zu lassen. Das Wurzelgeflecht musste ohne Reste in die daneben stehende Schubkarre geworfen werden.

Auf einen langen Widerstandskampf hatte ich mich eingelassen. An jenem ersten Vormittag dauerte es wohl zwei Stunden, bis ich etwas mehr als zwei Quadratmeter geschafft und zwei volle Karren an den Ort gebracht hatte, wo zumindest dieser Giersch nichts mehr anrichten kann. Aufgehäuft soll er trocknen und verbrannt werden. Und da liegen sie nun - die vielen Liter verpasster Giersch-Limonade. Der Kampf geht weiter! Venceremos!

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von anais - veröffentlicht in: Lychener Stammtisch-Geschichten
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Friday, 14. october 2011 5 14 /10 /Okt. /2011 11:13

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Am Vormittag bin ich auf das Dach gestiegen, um die Inka-Gurken zu pflücken. Der größte Teil des stark rankenden Kürbisgewächses hat sich dort oben breit gemacht und eine grüne Kuppel gebildet. Eine himmlische Einladung  Ich habe mir einen Korb mit hinauf genommen und glaubte, er würde ausreichen. Oben sah ich die Überraschung: Alle Ranken hingen dicht voll mit den Früchten. Ick pflückte vor allem die kleineren, noch grünen, aber auch größere, hellgelbe ausgereifte Früchte. Verwertet zu Verzehr werden nur die jungen Gurken. Die Ausgereiften  dienen der Samengewinnung. Lange brauchte ich nicht, bis der Korb voll war.

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Schwierig war das Hinabsteigen, denn das Dach war vom Morgentau noch glitschig. Den vollen Korb mit einer Ranke habe ich fotografiert. Anschließend habe ich die jungen Früchte unter den Ausgereiften aussortiert. Ich möchte sie wie Gewürzgurken einlegen. Vor Jahren habe ich das schon einmal gemacht, und sie schmeckten herzhaft. Über die Inka-Gurke habe ich etwas nachgelesen und Interessantes entdeckt:

 

Herkunft und Verwendung

Schon vor 1000 Jahren haben die südamerikanischen Ureinwohner das Gemüse für die Ernährung und zu Heilzwecken angebaut. Die Inkas haben das übernommen. Heute wird sie im Andengebiet vielseitig in der Küche und von Naturheilern mit der Bezeichnung "Caigua" genutzt. In unseren Apotheken ist sie wohl in Kapseln erhältlich.

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Die jungen Caiguas können roh und gekocht gegessen werden. Auch die Blätter und Ranken finden in Salaten Verwendung Empfohlen wird, sie mit Frischkäse, Fisch oder Fleisch zu füllen. Sie lassen sich gut im Wok mit anderem Gemüse zubereiten. Es kann also nach Herzenslust experimentiert werden. Die Variante als eingelegtes Gemüse habe ich nirgens gefunden. Ich habe sie aber selbst schon ausprobiert.

In der Heilkunde werden der Inka-Gurke viele positive Wirkungen zugesprochen: Sie senkt den Cholesterinspiegel, wirkt antidiabetisch, fördert die Gewichtsabnahme und enthält immunstärkende Wirkstoffe. Die Indios trinken sie wohl auch als Tee. Das bedeutet, man müsste sie auch trocknen und aufbewahren können.

Demnächst mache ich mir davon einen "Inka-Gurken-Salat". Mal probieren, wie der schmeckt.

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Thursday, 13. october 2011 4 13 /10 /Okt. /2011 11:26

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                                                                                                                                                                                        In der Nachkriegszeit, nach 1945, fehlte es an Allem. Lebensmittel gab es auf Zuteilung. Das reichte kaum einen Monat. So war auch der Zucker sehr knapp, und die Hausfrauen mussten überlegen, womit sie Speisen und Getränke süßen konnten. In den Lebensmittelgeschäften gab es nur selten Sirup in Gläsern. Wohl aber bauten Bauern auf den Feldern um Lychen Zuckerrüben an. Die Ernte mussten sie für die Verpflichtungen aus dem Soll an die staatlichen Aufkaufbetriebe abliefern. Nachdem die Zuckerrübenfelder im Herbst abgeerntet waren, blieben hin und wieder, hier und dort einige der weißen Rüben liegen, wenn nicht der Bauer gleich an den folgenden Tagen die restlichen Rüben selber aufsammelte.

Die Lychener Hausfrauen, so auch meine Mutter und ihre Freundinnen. nutzten die Herbstzeit zum Zuckerrübenstoppeln. Sie wussten zwar, dass der Bauer sie dabei nicht erwischen durfte, aber aus der Not heraus, wagten sie das Stoppeln doch, denn genau so machten sie es mit Kartoffeln und manchmal auch mit Weizen.

Am späten Nachmittag, wenn sie glaubten, der Bauer wäre nicht mehr auf dem Feld, zogen sie zu Zweit oder zu Dritt mit je einem Sack und dem hölzernen Handwagen los auf die Felder, wo sie wussten, dass dort süße Rüben gestanden haben. Den schweren Handwagen zu ziehen, war schon mühevoll genug. Deshalb wechselten sie sich unterwegs ab, bis sie an den Rand des Feldes gelangten.

Der Wagen wurde hinter ein Gebüsch gestellt. Flott liefen die Frauen mit ihren Körben über den Acker, schauten immer wieder aus, wo die Rüben lagen und – wenn sie Glück hatten, schafften sie mehrere Körbe und füllten damit die Säcke auf dem Wagen. Voll sollten die Säcke schon sein, denn das Sirupkochen musste sich lohnen. Dann zogen sie den vollen Leiterwagen wieder durch sandige Wege und über holpriges Pflaster nach Hause.

Am nächsten Tag wurden die Rüben auf dem Hof gewaschen und anschließend in kleine Stücke geschnitten. Großmutter half mit. Wir Kinder wurden zu dieser lange dauernden Arbeit nicht herangezogen.

Wenn alle Rüben zerkleinert waren, kamen sie in den großen Kessel mit Holzfeuerung in der Waschküche. Jetzt begann erst die wirklich lange Arbeit. Unter ständigem Rühren mit einem langen, stabilen Holzlöffel, mit dem auch die Wäsche zuvor gerührt worden war ( aber wahrscheinlich hatten sie davon mehrere), musste die langsam zerkochende Masse in Bewegung gehalten werden, damit am Boden nichts anbrannte. Das ging dann so bis nach Mitternacht, bis der Sirup dickflüssig und braun war. Erschöpft sanken die Frauen ins Bett, um am nächsten Morgen das kostbare Süß in Gläser abzufüllen und zu verschließen.

Ich weiß nicht mehr, wie lange der Vorrat reichte. Zum Frühstück gab es jedenfalls immer Sirupstullen. Und heute – ich kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal Sirup auf dem Frühstücksbrötchen hatte.

 

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Tuesday, 11. october 2011 2 11 /10 /Okt. /2011 09:51

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Als ich gestern Nachmittag in den trüben Himmel über den Stadtsee schaute und etwas missmutig die regennasse Landschaft betrachtete, taten sich plötzlich die grauen Wolken auf. Ein heller Lichtstrahl fiel herab. Ich stand da wie gebannt. War das die Himmelsleiter hinauf in das Paradies der Ewigkeit? War das ein Wink für mich? Eine Einladung, dem Erdenreich zu entfliehen, um himmlische Freuden zu empfangen?

Schnell lief ich in das Wohnzimmer, um meine Kamera zu holen. Als ich sie vor der Hoftür klar und startbereit hatte, hatten es sich die Himmelsmächte wohl schon anders überlegt, denn langsam ließen sie die Pforte zum Himmel wieder verblassen. Ich hatte die Gelegenheit zum Emporschweben verpasst, vielleicht auch, weil ich zu zögerlich war. So bleibt sie für spätere Zeiten.

Den dunkelgrünen Hügel auf dem alten Stalldach hat die Inka-Gurke über den Sommer geformt und die rotblühende Klettertrompete völlig überwuchert. Sobald das Wetter wieder sonnig wird, bleibt mir nichts weiter übrig, als mit der Leiter auf das Dach zu steigen, um die vielen kleinen gurkenähnlchen Früchte zu ernten. Mal sehen, wie viele das werden. Na, das wird ein Spaß!

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