Wednesday, 17. august 2011 3 17 /08 /Aug. /2011 18:29

Stammtischglocke-002.jpg

 

Als ich von den Kinderjahren in das Jugendalter wechselte und mein Interesse für spannende Bücher erwachte, entdeckte ich in einem späten Herbstmonat Gruselgeschichten von Edgar Allan Poe. Bein Stöbern in den Bücherkisten meines Vaters auf dem Dachboden hatte ich sie eines Nachmittags gefunden. Weshalb Vater ausgerechnet Edgar Allan Poe in die Kisten alter Lektüre gelegt hatte, ist mir noch heute ein Rätsel.

Ich nahm die Sammlung seiner schönsten Gruselgeschichten mit nach unten in mein Zimmer, das im rechten Flügel des Hauses lag, weitab vom Schlafzimmer meiner Eltern. Schmal war der Raum mit einem hohen Fenster, von dem aus ich an jenen dunklen Tagen auf den von Wind und Wetter gepeitschten See blicken konnte.

Etwas schräg gestellt zum Fenster befand sich mein dunkelgrünes Sofa, auf dem ich abends vor dem Schlafengehen mein Bett zurecht machte. Ein kleiner Nachttisch stand zur Seite, allerdings ohne Leselampe. Das störte mich aber wenig, denn der große Deckenleuchter spendete genügend Licht.

So nahm ich mir eines Abends das geheimnisvolle Buch vor, an dessen genauen Titel ich mich heute nicht mehr erinnere, weil ich es wohl verborgt und nie wiederbekommen habe. Es sollte mir Eingang in die amerikanische Romantik gewähren. Ich begann mit dem „Untergang des Hauses Usher“, las an den folgenden Abenden den „Goldkäfer“, den „Doppelmord in der Rue Morgue“ und gelangte schließlich auf die phantastische Geschichte über den Toten unter den Dielen des Fußbodens.

Die Story ließ mich nicht mehr los. Ich erschauerte bei dem Gedanken, ich selbst würde über diesen ächzenden und knarrenden Dielen liegen. Eben solche Holzdielen hatte nämlich auch mein Zimmer, und geöffnet hatte sie mein Vater wegen einer Ausbesserung noch nie.

Allerlei phantastische Gedanken geisterten durch meinen Kopf. Ängstlich aber zugleich müde sank ich in den Schlaf.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, als schlüge ich die Augen auf. Ich starrte an das Fußende meines Bettes. Eins tiefschwarz gekleidete alte Frau, in sich zusammengesunken, saß genau dort. Von fahlem Weiß ihr Anlitz, kaum zu erkennen, schaute es nicht auf mich sondern in die Leere des halbdunklen Raumes, der im matten Mondlicht lag. Mir war, als läge ich so eine Ewigkeit, unfähig, mich zu rühren. Mein Blick hob sich über die schaurige Gestalt zur Wand empor. „Oh“, schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf, „da oben ist der Lichtschalter!“

Mit einem Ruck schnellte ich hoch und drückte auf den Knopf. Nun wurde mir bewusst: Ich hatte einen Alp, einen schrecklichen Wachtraum.

Gleich darauf nahm ich Kopfkissen und Zudecke und schlich mich in das Wohnzimmer auf die Couch auf der anderen Seite des Korridors.

Frühmorgens erzählte ich mein nächtliches Erlebnis beim Frühstück.

Edgar Allan Poe aber habe ich für lange Zeit in mein Bücherregal gestellt.

 

 

 

 

von anais - veröffentlicht in: Lychener Stammtisch-Geschichten - Community: Sprechen durch Schreiben
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Tuesday, 16. august 2011 2 16 /08 /Aug. /2011 17:24

Roter Mohn 008

                                        Dahlien

                                                    Ein bunter Strauß Dahlien

                                                            für alle Amalien.

                                                   Dezente – in Form der Anemonen

                                                           für die stolzen Simonen.

                                                   Bizarre wie strahlende Sternchen

                                                           für die molligen Ernchen.

                                                     Die Ball-Dahlie – wie ich ahne -

                                                     schenke ich wohl der Christiane.

                                                       Zart schwebende „Ballerina“

                                                        für die reizende Katharina.

                                                     Leuchtende - gleich den Kakteen

                                                      für die bezaubernde Kathleen.

                                                 Schmuckdalien – rein weiß und apart

                                                           für die treue Edelgard.

                                                        Kleine Pompons als Bukett

                                                           für die fesche Anett.


                                             Doch die Mignons, die ganz Kleinen

                                              behalt' ich für mich, um zu reimen.









 

 



 



 

 

 

 

 

 

 



 



 



 

 

 



 



 



 

von anais - veröffentlicht in: Meine Gedichte - Community: Sprechen durch Schreiben
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Sunday, 14. august 2011 7 14 /08 /Aug. /2011 18:48
Blaue-Orchidee-002.JPG
Am Samstagabend empfing mich mein Freund, der Stahlkünstler, auf seinem Feld der Träume besonders herzlich: „Ich habe eine Überraschung für Dich! Etwas, was Du immer schon gerne haben wolltest.“ „Was soll das denn sein,“ meinte ich mit fragendem Blick. „Komme mal mit vor das Haus,“ forderte er mich auf, „und schaue dann nach links zu den dunklen Tannen.“
Uwe lachte und schob mich sachte nach vorn. Ich blieb stehen. „Jetzt schaue nach links!“ Ich wendete den Kopf zu den Tannen und sah - ich traute meinen Augen kaum - eine leuchtend blaue Orchidee. „Du wolltest doch irgendwann eine blaue Orchidee haben. Na, dort steht sie!“ „Uwe“, sagte ich ganz überrascht, „die ist aus Plastik. Das ist doch keine Echte.“ „Im Gegenteil, erwiderte er, „das ist ein blaues Paphiopedilum. Ich habe sie gestern bei Hornbach auf dem Baumarkt erstanden.“
Wir gingen beide näher heran. Ich guckte und sagte erst einmal gar nichts. Mein Stahlkünster aber erklärte mir, an dieser Orchidee hätten die Spezialisten lange Versuche unternommen. Eine ganz bestimmte, ausgetüftelte Genmanipulation müsste das sein. Heutzutage sei ja so etwas ohne weiteres möglich.
Uwe,“ entgegnete ich, „die ist künstlich eingefärbt. So, wie das z. B. mit weißen Chrysanthemen gemacht wird, die Dich dann giftig blau im Blumengeschäft anlachen!“ 
Ja,“ gestand mein „Orchideenspezialist nun endlich, „ ich habe sie zu Hause in Berlin im Bad geduscht, weil sie ausgetrocknet war. Und da lief unten aus dem Topf eine blaue Brühe heraus.“ „Siehste“, lachte ich, „deshalb ist sie so 'herrlich' blau. So viel, wie ich weiß, gibt es nur eine natürlich blaue Orchidee. Und das ist die Vanda aus Südostasien.“ „Stimmt,“ pflichtete mir der Stahlkünstler bei, „aber die Vanda kostet hier mindestens 45,- Euro.“ „Klar, die sind teuer,“ und ich fragte gleich, wieviel denn diese Blaue gekostet hätte. Uwe zögerte und druckste etwas herum, bis er gestand, er hätte dafür 25,- Euro bezahlt. „Du mein Schreck“, sagte ich entrüstet, „da kann man mal wieder sehen, wie der Handel mit etwas blauem Wasser den Preis so hoch treibt. Normalerweise kostet eine solche Schmetterlingsorchidee in ihrer natürlichen Form ca. 10,- Euro. Und das war nämlich einmal eine Weiße mit gelber Lippe. Das Gelb ist an den Rändern noch zu sehen.“ 
Ach ja“, freute sich mein Freund, „das sollte ein Geck sein, so zum Spaß.“ „Der Spaß ist Dir gelungen,“ bedankte ich mich mit tiefer Verbeugung. „Ich werde abwarten, bis sie verblüht ist, und dann bekommt das Geschöpf von mir neue Erde. Es wird umgetopft. Mal sehen, ob sich an den selben Stengeln noch einmal Knospen bilden. Vielleicht werden sie hellblau und bei späterer Blüte wieder natürlich weiß.“ 
Nach unserem schönen Grillabend nahm ich das „blaue Wunder“ mit zu mir nach Hause, und da steht sie nun und schockt jeden Besucher.
Als Pflanzenfreund frage ich mich allerdings immer wieder, was in unserer übersättigten Konsumgesellschaft so in den Köpfen der Menschen vorgeht. Da reicht natürliche Schönheit nicht mehr für die Vermarktung. Die Blume wird künstlich entstellt, und die Leute zahlen mehr als den doppelten Preis. Ich möchte denjenigen sehen, der eine solche „blaue“ Orchidee ehrlich nach seinem Geschmack kauft. Ich denke mal, bei dem stimmt etwas nicht. Lach!!
 
 
 
 
                                                                    
  
von anais - veröffentlicht in: Freizeitspaß - Community: Natur und Wissenschaft
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Thursday, 11. august 2011 4 11 /08 /Aug. /2011 08:31

Roter-Mohn-001.JPG

Ein exotisches Irisgewächs hat ihre Blüte geöffnet. Es gehört zur Gattung Dietes und ist mit der südafrikanischen Kap-Iris (Morea) verwandt. Im Gegensatz zur Morea mit zwiebelförmigen Wurzelknollen hat aber Dietes fleischige Rhizome. Vor vielen Jahren hatte ich das Gewächs aus Samen gezogen. Es brauchte einige Jahre, bis es zur Blüte kam. Danach setzte es über längere Zeit trotz mehrfachen Umtopfens aus. Erst in diesem Sommer hat die Pflanze wieder einen langen Blütenstengel getrieben. Die Pflanze muss frostfrei, kühl und hell überwintert werden.

Dietes und Morea vertreten in ihrer Heimat Südafrika mit mehr als 60 Arten den Genus Iris, der vor allem auf der Nordhalbkugel im Frühsommer durch seine Farbenpracht erfreut. Wie bei unseren einheimischen Iris ist auch bei meiner Dietes die Blütezeit nicht von langer Dauer. Meistens schiebt sie aber noch ein paar Knospen nach. Hoffentlich auch diesmal bei diesem miesen, verregneten Sommerwetter!

Roter-Mohn-003.JPG 

von anais - veröffentlicht in: Grüße zur Woche - Community: Natur und Wissenschaft
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Sunday, 7. august 2011 7 07 /08 /Aug. /2011 10:15

Judasohr 008

 

Das Judasohr interessierte mich wegen seines Geschmacks und wegen seiner Konsistenz nach der Zubereitung. Deshalb habe ich es zerteilt und sauber gewaschen.In die Bratpfanne tat ich vier Esslöffel Olivenöl und schnitt eine mittelgroße Küchenzwiebel hinein. Danach legte ich die Pilze dazu und würzte mit Pfeffer und Salz. Ca. 20 Minuten lang habe ich das Judasohr gebraten und zum Schluß ein frisches Ei darüber geschlagen und untergemischt. Mit etwas Petersilie garniert, und fertig war das neue Pilzgericht. Dazu habe ich Pellkartoffeln aus dem Garten und ein paar Tomatenstückchen gelegt.

Roter-Mohn-004.JPG

 Ich war gespannt, wie das Judasohr schmeckt. Im rohen Zustand sieht es etwas gallertartig aus. Aber der Pilz ist nach der Zubereitung fest. Er hat allerdings keinen Pilzgeschmack, eher unauffällig. Deshalb sollte er fein gewürzt werden, z. B. Mit etwas Knoblauch und Basilikum. Zweifelllos eignet er sich ausgezeichnet für Gemüsegerichte nach asiatischer Art.

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Anschließend habe ich mich über das Judasohr etwas belesen und fand Näheres in einer Broschüre über positive Erfahrungen mit Heilpilzen. Dort ist er neben Mandelpilz (Brasilien), Shiitake (China und Japan), Reishi (Ostasien), Schopftintling (Europa und Asien), Eichhase (Europa), Klapperschwamm oder auch in Asien Maitake genannt (Asien und Europa). Schmetterlingstramete (u. a. Europa) aufgeführt.

 

In der Naturheilkunde (nicht in der Schulmedizin!) wurde in Versuchsreihen mit Pilzpulver aus dem Judasohr (Auricularia) positive Wirkungen bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten festgestellt. Er soll die Blutgerinnung hemmen und den Blutfettspiegel regulieren. Fördert wirkt er sich – wie mehrere andere Heilpilze – auf das Immunsystem aus sowie auf die Behandlung von Hautkrebs. Wer allerdings eine zu geringe Anzahl an Trombozythen im Blut hat, die für die normale Blutgerinnung verantwortlich sind, sollte das Judasohr vielleicht nicht so häufig essen.

Zum Glück findet man ihn auch nicht so häufig wie Maronen und Butterpilze!

 

 

 

 

 

 

 

von anais - veröffentlicht in: Küchenrezepte - Community: Natur und Wissenschaft
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