Monday, 3. november 2008
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17:28
Vor ein paar Tagen klingelte es. Ich öffnete die Haustür und wurde von zwei netten, adrett gekleideten jungen Herrn begrüsst. Der Größere, ca 16 Jahre alt, trug unter
dem Jackett ein weißes Hemd mit Krawatte. Der Kleinere war etwas salopper angezogen. Beide wünschten mir einen schönen Tag. Der Ältere empfahl mir die Bibel, als das bedeutendste Schriftwerk des
christlichen Abendlandes. Da gab ich ihm Recht und hörte ihm aufmerksam zu. Wir diskutierten angeregt über die jetzige Endzeitstimmung in der akut gefährdeten Welt. Der junge blonde Mann meinte,
das Ende der Tage würde kommen. Diese Welt des Bösen werde in die Apokalypse stürzen und vernichtet werden. Nur wer nach den Regeln der Heiligen Schrift lebe, könne gerettet werden und in das
zukünftige Königreich Gottes ewiges Leben erlangen. Ich erwiderte ihm, ich halte viele ethische und moralische Prinzipien der Bibel für gut und lebenswichtig. Allerdings hätte ich mit dem
zukünftigen Königreich so meine Probleme. Eine langjährige aktive Zeugin hätte mir nämlich gesagt, neue Babys würden nicht mehr gezeugt. Das fand ich nicht so gut, weil wir Königskinder dann wohl
ohne Sex leben müssten. Die beiden Jünglinge waren sprachlos. Der Blonde meinte nur noch: "Das habe ich ja noch gar nicht gehört!" Wir verabschiedeten uns freundlich. Der hübsche Adrette bedauerte:
"Wir werden wohl bei Ihnen nicht mehr klingeln." Ich aber wünschte Ihnen ein glückliches, erfülltes Leben und dachte so bei mir: Ach Gott, Ihr armen Jungs!"
von anais
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Thursday, 30. october 2008
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16:42
Notdurft bei der Deutschen Bahn AG
Nach Stralsund, ins Ozeaneum ging vor ein paar Tagen unser Ausflug mit der Eisenbahn. Morgens, gegen 8.00 Uhr stiegen wir auf dem Berliner Hauptbahnhof in den
Regionalzug von Falkenberg nach Stralsund. Der Zug war übervoll. Aber, fix wie wir nun mal sind, ergatterten wir noch Plätze in der Nähe der Toilette. Das störte uns aber nicht. wir plauderten,
aßen Weintrauben aus dem Garten, die sogar einem verwöhnten Baden-Würthemberger mundeten, und musterten die vielen hin und her laufenden Mitreisenden. Zuerst einmal mussten viele auf`s Klo. Es
bildete sich eine beständige Warteschleife. Oh, oh, dachte ich bei mir. Hoffentlich reichen Wasser und Papier. Kurz vor Stralsund meinte ich zu meinem Freund Frank mit vorgehaltener Hand: "Da sind
doch wohl an die 60 Leute raufgegangen." "Was Du auch alles registrierst," entgegnete er spöttisch. Na, und in Stralsund atmeten wir herrliche, frische Meeresluft. Der Besuch des Ozeaneum war ein
tolles Erlebnis, aber auch traurig zugleich. Fazit: Durch die Profitgier der Menschen sind die Meere in 40 Jahren leer gefischt, wenn so weiter gefischt wird. Der Tag war wunderschön, und am späten
Nachmittag fuhren wir mit der Linie Stralsund - Falkenberg wieder nach Berlin. Jetzt musste ich aber mal. Ich machte die Toilettentür auf und erstarrte bei dem Anblick. Hier überlasse ich den Leser
seiner eigenen Fantasie. Ein weibliches Wesen hatte auf dem Klo keine Chance mehr.
"Nun stell`Dir mal vor", sagte ich entrüstet zu Frank: "Der Zug ist doch bestimmt heute schon dreimal hin und her gefahren, und er wurde nicht geleert." "Ja", erwiderte Frank. "Die Deutsche Bahn AG
will an die Börse. Da muss sparsam gewirtschaftet werden, sogar bei der Toilettenreinigung, wie Du siehst."
von anais
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Friday, 24. october 2008
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21:00
Am vergangenen Wochenende wollten meine Berliner Freunde mit mir Pilze suchen. Davon gibt es ja in den Lychener Wäldern mehr als genug. Also fuhren wir gleich nach einem
Käffchen zur Bredereicher Landstraße an der Tangersdorfer Heide. Den Ford Fiesta parkte ich an der öffentlichen Waldstraße nach Tangersdorf. Um uns nicht gegenseitig ins Gehege zu kommen, liefen
Maria, Martin und Mutti und ich jeder in eine andere Richtung. Ich wusste ja, dort gab es viele Maronen. Und plötzlich erlebe ich eine Überraschung.
Ein junger Hund kommt angewedelt, bellt mich an, freut sich und will mit mir spielen. Mir ist das gar nicht so recht, denn er springt immer vor meinen Füßen auf und ab. "Lauf mal zu
Deinem Herrchen, los!" Der Schlingel geht mir nicht von der Pelle. Mal ist er für einen Moment weg, aber da ist er schon wieder da. Das geht mittlerweile schon eine halbe Stunde so. Da
ruft mir Maria zu: "Ein Mann ist hier mit dem Auto vorbeigefahren. Du sollst sofort den Ford Fiesta da wegfahren!" "Und weshalb", rufe ich zurück. "Weiß ich nicht, habe ich nicht verstanden!"
Stand da vielleicht doch ein Verbotsschild, zweifele ich mit mir. Und der Hund, dieser Quirl, tanzt immer noch um mich herum. Da erscheint auf einmal ein grün gekleideter, älterer Herr in
ca. 50 Metern Entfernung in seinem schwarzen VW, steigt aus und ruft mit kräftiger Stimme: "Ist das Ihr Hund?" Und schon führen wir beide einen heftigen Dialog. "Nein, das ist nicht mein Hund."
"Warum jagen Sie ihn dann nicht weg?" "Ich hab´s versucht. Er läuft nicht weg." "Na, wem gehört denn dann der Hund?" "Weiß ich doch nicht." "Wenn Sie ihn wegjagen wollen, dann müssen Sie ihn
schlagen." "Was", erwidere ich schon ziemlich wütend. "Ich schlage doch den Hund nicht. Ich schlage überhaupt keine Tiere, und schon gar nicht fremde!" "Doch", eskalierte der stattliche
grüne Herr. "Der ist noch jung. Der muss geschlagen werden, wenn er sich an Fremde heranmacht."
Da lässt der kleine Schlingel auf einmal von mir ab und flitzt zum grünen Herrn. Der nimmt ihn auf den Arm und verfrachtet ihn in den Gepäckraum. Dann meint er belehrend zu mir:
"Sie hätten mich bei der Erziehung meines jungen Hundes unterstützen und ihm mit einem Stock eins überziehen sollen." Mir fiel nichts anderes ein als: "Das kann doch wohl nicht wahr
sein!"
Beim Vorbeifahren meint er noch: "Dann ist das wohl auch Ihr Ford Fiesta!" Und schon war er weg mit dem kleinen Schlingel. "Seht Ihr", bekenne ich ironisch zu Martin und Maria: "Immer mache ich
etwas in der Erziehung falsch." In Gedanken tröste ich mich jedoch: Zum Glück sind nicht alle Menschen so schrecklich anmaßend. Und - wir haben wirklich kein Verbotsschild gefunden. Aber die
Pilze waren lecker. Eine Pfanne mit saurer Sahne und die andere mit Ei.
von anais
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