Sagenumwobener Wurlsee

Veröffentlicht auf von anais

Einer der schönsten unserer sieben Seen ist der Wurlsee. Erliegt zwischen Lychen und dem Dorf Rutenberg in nordwestlicher Richtung, eingebettet von Hügeln, Feldern und Wäldern. Mit 92 ha Wasserfläche und 28 - 30 m bis zu seinem Grund ist er der tiefste See. Sein Name ist slawischen Ursprungs (Vorel - Adler). Um das saubere, klare Gewässer, das vom Ufer aus von zahlreichen Quellen gespeist wird, ranken sich Sagen und Legenden. Auf der Halbinsel Lindenhof mit ihrem gastlichen Seehotel befand sich in vorchristlicher Zeit eine slawische Burg, wahrscheinlich mit dem Namen Lyniczere. Ein Hügel zeigt heute noch den Standort an.
In alten Zeiten soll an seinen Ufern das Dorf Wurdow gelegen haben - ein verrufener Ort. seine Bewohner lebten nicht nach christlichem Brauch. Sie feierten üppige Feste, waren der Trunksucht, Rauferei und Hurerei erlegen. Die braven Lychener Ackerbürger mieden diesen Ort.
Eines Nachts zog ein schweres Gewitter auf. Blitze zuckten, Donner rollten, und ein mächtiger Regen ging hernieder. Reißende Ströme des himmlischen Wassers ließen das gesamte Dorf mit Mann und Maus auf Nimmerwiedersehen in den See versinken.
Einmal im Jahr - in der Johannis-Nacht zur zwölften Stunde - kann der Besucher, wenn er reinen Herzens ist, aus dem Grunde des Sees die Glocken des Kirchturms leise läuten hören. Es scheint, als riefen sie: "Anna-Susanna, wenn de mit willst, denn kumm!" Immer noch rufen sie nach ihrer Schwester, der versteinerten Glocke, die einstmals am Ufer zurückgeblieben ist. vielleicht liegt sie heute noch an der Ilsen-Quelle, oder - wie andere kundige Männer die Sage erzählen - haben mitfühlende Lychener sie in den Glockenturm der St.-Johannes-Kirche gehängt, wo sie für den gewöhnlichen Sterblichen aber unsichtbar bleibt.
Irgend etwas muss wohl doch an dem versunkenen Ort dran sein. Als ich nämlich als kleiner Junge noch nicht schwimmen konnte, ruderte mein älterer Bruder mit mir an einem heißen Sommertag zum Wurlsee, ließ sich mitten auf dem See in das erfrischende Wasser gleiten, schwamm ein Stückchen, hob plötzlich beide Arme aus dem Wasser und rief mir zu: "Gucke mal! Ich sitze auf der Kirchturmspitze!" Damals habe ich es ihm geglaubt. Und er erzählte mir die schöne Sage von Gustav Metscher: Siehe Seite "Das Gänsemädchen und die Glocke".
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Regina 09/10/2009 20:00

das ist eine schöne Legende, naja und wer weiß, vielleicht ist ja was dran, mhh, vielleicht hat Dein Bruder ja wirklich auf der Spitze gesessen, lieber Gruß Regina

anais 09/10/2009 20:32


Solche alten Sagen lesen sich immer wieder gut. Es gibt ja so viele. Mein Bruder, zehn Jahre älter, hat gerne seine Späßchen mit mir gemacht und bisweilen auch sehr grusilige Gschichten erzählt.
Na, vielleicht hat er damit meine Fantasie angeregt. Lach!
Liebe Grüße
Joachim


MBT 09/10/2009 19:04

Man muss ja auch mal sehen was der andere Blogger schreibt. Hmm, dann  muss ich beim nächsten mal besser acht geben...

anais 09/10/2009 19:38


Du hast mir schon sehr viele gute Kommentare gepostet und darüber freue ich mich sehr. Also, wenn's mal nicht klappt oder die Zeit fehlt - kein Problem.
Liebe Grüße
Joachim


MBT 09/10/2009 17:10

Joachim? Ist mein früherer Kommentar zu diesem Artikel nicht angekommen?

anais 09/10/2009 17:50


Nein. Der letzte Kommentar war für Kiwi, Banane und Feige. Ich frue mich aber und danke Dir, das Du geguckt und diese Nachricht hinterlassen hast.
Liebe Grüße
Joachim


Claudia 09/10/2009 06:14

Eine schöne Sage, die ich halbwegs vergessen hatte. Nun aber fällt mir wieder der Dialog der Glocken ein, so wie ich ihn vorzeiten gelesen habe:Die an Land gebliebene Glocke ruft ihrer Schwester im Teich zu:- Anne Susanne, wi wollen to Lanne!und die antwortet:- Anne Margarete, man immer in't Deepe!

anais 09/10/2009 18:16


Interessant. Das ist eine andere Version. Wahrscheinlich sind diese Sagen mit versunkenen Glocken auf den norddeutschen Raum beschränkt, wo Wasser in Hülle und Fülle vorhanden ist.
Liebe Grüße
Joachim