Abschied von der "Zweitwohnung"

Veröffentlicht auf von anais

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Oft, wenn Freunde und Bekannte bei mir im Garten waren und sich die Salatgurken oder Tomaten im Gewächshaus anschauten, meinte ich spaßig: "Hier habe ich schon Stunden verbracht. Eigentlich ist das meine Zweitwohnung". Zwölf Jahre oder mehr hat mir das alte Gewächshaus gute Dienste geleistet. Aus gebrauchten Fensterteilen hat es mein Nachbar, Herr Kohn, damals zusammengebaut. Die Fenster stammten allesamt aus einem Gebäude in Templin, wo die Lychener Kunstglaserei Schulz-Ehrenburg emsig mit dem Neueinbau beschäftigt war. So sparte die Firma die Entsorgungskosten, und für mich ergab es ein geräumiges Kalthaus für die Pflanzenanzucht und für wärmeliebendes Gemüse.

Fast jedes Frühjahr strich ich sehr zeitig das Holz mit frischer, weißer Farbe - immer abwechselnd mal innen, mal außen. Anschließend wurde die Erde ausgewechselt. Neue Komposterde karrte ich hinein, damit Gurken, Tomaten oder Paprika ausreichend Nährstoffe für ein üppiges Wachstum erhielten.

Danach begann die Aussaat des Gemüse- und Blumensamens in Schalen und Kästen ganz hinten auf der Anzuchtbank an der Ostseite. Das war besonders spannend, wenn nach vierzehn oder sogar weniger Tagen sich die ersten Keimlinge im Morgenlicht zeigten.

Auf der linken Seite breitete sich am Boden im Laufe der Zeit das "Kraut der Unsterblichkeit", Jiaogulan, aus. Naja, dem vor Kälte schützenden Haus hat es nichts gebracht. Zeit und intensive Nutzung haben ihre Spuren hinterlassen.

Der Kitt löste sich an den Innenseiten. Ab und zu zerbrach ein Glas durch herauffallende Früchte, weil ich so unüberlegt war und gleich daneben zwei Pfirsichbäumchen pflanzte, die schnell groß und ausladend wurden.

In den letzten Jahren begann das Vierkantholz in den Fundamenten zu faulen. Ich füllte es mit Zementresten aus. Innen ging die Fäulnis auf zwei schräge Stützpfeiler über. Also - es gab jeden Herbst und jedes Frühjahr etwas Neues auszubessern.

In diesem Sommer war ich anfangs noch optimistisch. Merkte dann aber bald schmerzlich, dass ich mir oft den Kopf an den oberen Querlatten stieß, was früher selten vorkam. Klar, das ganze Gewächshaus sackte langsam nach rechts, zur Südseite ab. Deshalb schloß auch die Tür nicht mehr richtig. An der hinteren Giebelfront war ein Pfeiler total morsch. Die Giebelwand begann sich vom Haus zu lösen. Mur wurde klar: Weiter geht nichts mehr.

Als mein Freund und Stahlkünstler Uwe eines nachmittags die Bescherung sah, runzelte er die Stirn: "Ich habe schon immer befürchtet, dass das nicht mehr lange gut geht. Übrigens - ich habe es Dir auch gesagt, allein schon wegen der Delle im Dachfirst."

Ich machte mir Gedanken. Am meisten fürchtete ich den Abriss und die Entsorgung. Ein neues Haus hätte ich auch gerne gehabt. Und das hätte einiges gekostet.

Beim Abendessen in Juttas Küche kamen wir wieder auf das Thema. Uwe überlegte nicht lange und meinte, ich sollte mir überhaupt keine großen Gedanken deswegen machen. Er würde den Abriss und auch die Entsorgung übernehmen. Außerdem hätte er genügend Material für ein neues Haus auf dem Hof zu liegen. Ich war sprachlos und zugleich voller Freude wegen seiner Hilfsbereitschaft.

Und so sind die Wochen weiter ins Land gegangen. Ich habe alles aus dem Gewächshaus geerntet und herausgenommen. Habe die Fronten an den Außenseiten in der letzten Woche von Strauchwerk und Wurzeln befreit.

Gestern begann ich, das Glas aus den Fenstern herauszunehmen. Im Dach fing ich an, habe auch fast alles geschafft. Aber - ich sage ganz offen - so etwas möchte ich nicht noch einmal machen, denn es ist eine Fummellei und kreuzgefährlich, weil das Glas beim Herauslösen zerbrechen kann. Man sollte wirklich nicht den Kopf drunterhalten. Jetzt sind an den nächsten Tagen, wenn es nicht regnet, die Seiten- und die Türfront dran.

Dann haben wir das Gerüst glasfrei und können es ohne größere Vorsicht auseinandernehmen.

Uwe hat inzwischen ein Fertigteilhaus mit Aluminiumgerüst besorgt. Es hat ungefähr die gleiche Größe.

Jetzt muss ich von ihm erfahren, ob wir vielleicht noch im November/Dezember das Fundament gießen wollen. Das soll er mal nach der Demontage entscheiden.

Fazit: Wer schöne Pflanzen, Früchte und Blumen haben möchte, darf keine Arbeit scheuen.

Aber ich bin ehrlich: Ich scheue die mächtig. Lach!

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Katharina vom Tanneneck 11/07/2013 21:23


Hallo Joachim,


auch tausend Teil kann man verarbeiten, es dauert nur etwas länger. Hinterher freust Du Dich über das schöne, neue Gewächshaus. Wenn der Anfang mal gemacht ist, dann ist es nur noch halb so
schlimm.  


Liebe Grüße, Katharina

anais 11/08/2013 17:04



Hallo Katharina,


Du machst mir mut und Zversicht mit Deinen guten und richtigen Worten.


Liebe Grüße


Joachim



Katharina vom Tanneneck 11/06/2013 19:56


Hallo Joachim,


ich kann Dich sehr gut verstehen und ich weiß auch wieviel Arbeit das ist. Aber wenn es nicht mehr sicher ist und absackt, da bleibt wohl kein anderer Weg. 


Uwe hat schon recht, was erledigt ist hat man hinter sich. Wobei das Fundamant aber die ersten 3 Tage keinen Frost abbekommen sollte.


Wir wollen uns auch ein Gewächshaus anlegen, wenn der Bau der Gemeinde vorbei ist. Fred graut auch schon vor der Arbeit aber bis dahin ist ja noch Zeit.


Wenn Dein neues Gewächshaus steht, dann ist die Arbeit auch schon wieder vergessen. 


Liebe Grüße, Katharina

anais 11/07/2013 19:21



Hallo Katharina,


wenn Uwe das Fundament noch im November setzen will, würde das noch von den Temperaturen her gehen. Ich habe jetzt fast alle Gläser raus. Eine Fummelei wird wohl das Aufbauen. Bei den
Fertighäuseren sind es ja Tausende von Teilen und Schrauben. Ich bin gespannt, wie das wird.


Liebe Grüße


Joachim



Archi 11/06/2013 19:27


Hi Joachim,


nun es sieht ein wenig zu antik aus, dein Noch-Häuschen :-) Fein, dass du bald ein neues bekommst und du so liebe Hilfe hast.


Freu dich auf das nächste Jahr, dann hast du alles wieder in Ordnung.


lg Uli


 

anais 11/07/2013 19:17



Hi Uli,


"antik" ist gut. Jetzt ist fast alles glas raus. Mal sehen, wie Uwe weiter machen will. Er will erst das neue Haus mit Aluminiumfassung auf den "Feld der Träume" aufbauen, um zu sehen ob alles
passt. Ich bin gespannt.


Liebe Grüße


Joachim