Adam und Eva in Lychen

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Über den Ursprung des Stadtnamens Lychen gibt es eine lustige Version, die eines unserer neueren Originale, Kurt Buchholz, in der DDR-Zeit Touristen und Gästen mit besonderem Vergnügen vortrug. Als Stadtführer wurde er öfters gefragt, woher die Ortsbezeichnung eigentlich käme. Weil sehr viele Urlauber aus Sachsen kamen, erzählte er ihnen folgende Geschichte:
Das Paradies lag in Sachsen. Adam und Eva wurden nach dem Sündenfall aus dieser göttlichen Idylle verwiesen und zogen gen Norden. Als sie in unsere seenreiche Gegend kamen, wollten sie sich auf der Insel niederlassen, denn hier war es genau so pradiesisch schön. Plötzlich fand Adam wieder einen leuchtend roten Apfel. Er wollte ihn aufheben und Eva reichen. Diese aber rief ihm vor Angst im besten Sächsisch zu: "Lass'n liechen, lass'n liechen!" Und daher - so Kurt Buchholz - rühre der Name Lychen.
Auch heute noch kommen viele Sachsen hierher, um sich zu vergewissern, ob hier noch der Apfel liegt.
Kurtchen Buchholz, wie Erika Bondzio berichtete, hatte aber noch andere Dinger drauf. Bis 1964 war er Conférencier des großen Lychener Mandolinenorchesters. In jenen Jahren ist das Ensemble oft auf Lastwagen zu den Auftritten gefahren. Da saßen alle immer sehr beengt. Und so nahm Kurt Buchholz einmal ein junges Mädchen auf seinen Schoß. Nach einer Weile wurde es ihr wohl zu gefährlich, und sie wollte lieber von seinem Schoß runtergehen. Er aber sagte besänftigend zu ihr: "Wenn oben auf dem Berg auch Schnee liegt, so ist unten im Tal doch Frühling."
Berühmt war sein Gedicht über den Schlüpfer, das er auf den Estradenprogrammen vortrug. Dazu trug er einen roten Schlüpfer als Kavalierstaschentuch im Sakko. Im Berufsleben ging er einer angesehenen Beschäftigung nach. Er war nämlich Leiter der Lychener Sparkassenfiliale.
Und - nicht zu vergessen! Er besaß die größte Zigarrenbauchbindensammlung im Ort.

Anmerkung: Der Ursprung des Stadtnamens ist wohl slawisch nach den Worten "Lych nin", zu deutsch "fischarmer See". Was ich allerdings nie verstehen werde, denn Fische gab es hier immer genug.

Veröffentlicht in Lychener Stammtisch-Geschichten

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Katharina vom Tanneneck 02/14/2010 19:02


Das stimmt! Im Sommer brauchen wir keine Wäsche! Lach!
Liebe Grüße,
Katharina


anais 02/15/2010 11:18





Katharina vom Tanneneck 02/14/2010 01:36


Irgendwo muß es doch noch ein Paradies geben! Klar, alt werden wir alle mal ... hoffentlich! Und die Wäsche hält auch nicht mehr so lange wie früher! Aber Äpfel, die gibt es immer wieder!
Liebe Grüße,
Katharina


anais 02/14/2010 09:28


Ein bischen Paradies schaffen wir uns zu Hause selber, und im Sommer können wir auch mal ohne Wäsche auskommen. Lach!
Liebe Grüße
Joachim


stefanie 02/13/2010 18:34



Gott schuf den Mensch und ließ ihn wachsen, dann kam der Teufel und schuf die Sachsen.................... fast können einem die Sachsen manchmal Leid tun ;-) :-) ............. die Geschichte ist
mal wieder herrlich!


Schönen Sonntag und liebe Grüße in den Ort des Fallobstes! ;-)


LG steffi



anais 02/14/2010 09:22


Den Spruch kenne ich auch! Lach! Aber die Sachsen sind auch liebenswert und fleißige Leute.
Hübscher Kommentar!! Wünsche Dir auch einen schönen Valentinstag!
Liebe Grüße
Joachim


xamantao 02/12/2010 18:52


Das ist mal wieder eine famose Geschichte. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Paradies nicht weit weg von Lychen noch immer ist - man muss es nur finden. Der Herr mit dem Mädel auf dem Schoß war
für sich der Sache wohl näher gekommen, aber die böse Schlange... seine gute Erklärung, die war aber wenig beruhigend für sein "Opfer".


anais 02/13/2010 09:54


Das Paradies hat hier Frau Holle mit einer dicken Decke eingehüllt, der rote Apfel ist erfroren, das junge Mädchen ist jetzt eine ältere Dame, und der rote Schlüpfer zerschlissen.
Liebe Grüße
Joachim


Margot 02/12/2010 17:04


Schade, die Geschichte von Adam und Eva hat mir besser gefallen als diese nüchterne Erklärung.
Liebe Grüße von Margot


anais 02/13/2010 09:46


Ja, ja! Legenden und Geschichten sind immer spannender als die nackte Wirklichkeit. Lach!
Liebe Grüße
Joachim


Katharina vom Tanneneck 02/12/2010 12:02


Ja, das ist wirklich traurig. Mein Vater ist letztes Jahr verstorben und ich bin froh, dass ich noch viele Bilder von ihm habe. Auch meine Geschwister haben viele Bilder von ihm und das ist gut so.
Sehr viele Sachen sind leider verschwunden die ich gerne gehabt hätte. Leider hatten wir Kinder keinen Einfluß darauf. Zum Glück bleibt die Erinnerung.
Liebe Grüße,
Katharina


anais 02/13/2010 09:45


Ich verstehe auch nicht, weshalb manche solchen Nachlass nicht aufbewahren. Wer weiß?
Liebe Grüße
Joachim


Katharina vom Tanneneck 02/11/2010 21:53


Wieder einmal eine schöne Geschichte über Lychen. Ich weiß nun schon soviel darüber und da muß ich mir im Sommer diesen Ort doch wirklich einmal ansehen. Ich denke auch, der Name ist slawischer
Herkunft. Wir leben in einem Ort mit slawischem Namen. Bis Anklam gibt es mehrere Orte deren Namen slawischer Herkunft sind.
Liebe Grüße,
Katharina


anais 02/12/2010 08:36


Das mache mal! Ich wollte über den Kurt Buchholz auch ein Portrait für unsere Zeitung schreiben. Aber leider meinte der Sohn, er habe nichts mehr an Fotos und Dokumenten von seinem Vater. Traurig,
was?
Liebe Grüße
Joachim