Auf der Suche nach dem Steingeld

Veröffentlicht auf von anais

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Montag, den 6. Februar 2012.

Heute soll es für uns ein wunderschöner Tag werden. Vormittags wissen wir das noch nicht.

Früh gehen wir ins benachbarte Manta Rey Ressort. Frank setzt sich am Ufer zur Kontemplation nieder. Ich schwimme einige Runden im Pool des Hotels. Erfrischt frühstücken wir im kleinen Oasis-Restaurant. Was wir ausgewählt haben ist reichlich und gut.

Wir sind etwas unschlüssig. Was wollen wir machen? Mr. Cornflakes, schnell im Entschluss, lässt ein Moped von der Ausleihstation kommen. Der junge Bursche erklärt Frank, auf Yap brauche er eine Fahrerlaubnis, falls wirklich einmal kontrolliert werde.

Los geht's in Richtung Polizeistation. Wir finden sie schnell im Gebäude der zentralen Feuerwache. Dort trennen sich unsere Wege. Ein deutscher Mediziner, Hobbytaucher, zufällig auf dem Weg getroffen, begleitet Frank zur Ordnungsbehörde.

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Ich suche das Visitors Office eine Straße hinter der Polizeistation. Von Yap gibt es keine guten Landkarten. Aber für 5 Dollar nehme ich Info-Material mit. Ein älterer, hellhäutiger Herr, vielleicht der Chef, erklärt mir, wie wir zum Steingeld an der Südspitze von Yap Proper kommen können. Er empfielt mir, unbedingt eine Tour zur Insel Gagil-Tomil zu unternehmen und zur Ostküste an einen Traumstrand zu fahren. Das merke ich mir.

Ich kehre zu unserem Hotel zurück. Frank ist noch nicht da. Die Rezeption ist nicht besetzt. Ich könnte den Telefonhörer abnehmen und eine Nummer wählen, so steht es auf dem Zettel. Dann würde jemand kommen. Ich brauche nämlich den Schlüssel. Mache ich aber nicht. Ich setze mich draußen auf das Korbsofa und warte eine ganze Weile, bis ich den Schlüssel erhalte. Im Zimmer lege ich mich auf's Bett, weil es draußen wieder über 30 Grad Celsius sind.

Nach langer Zeit kommt Mr. Cornflakes echauffiert rein: "Schlingel," ruft er, "mich haben sie verhaftet!" "Nein," lacht er und berichtet, warum es so lange gedauert hat: "Ich musste einen langen Fragebogen auf Englich zur Fahrtauglichkeit ausfüllen. Zum Glück hatte ich Hilfe an meiner Seite. Danach wurde ich zum Polizeipräsidenten von Yap vorgelassen. Der erkundigte sich, woher ich käme, und weshalb ich auf Yap Moped fahren wollte. Er war sehr nett und gab mir die Fahrerlaubnis. Ich solte aber gleich zum Supreme Court gehen und die Gebühr, 10 Dollar, bezahlen. Zum Abschluss wünschte er mir einen schönen Urlaub. Und hier ist sie, die Fahrerlaubnis, für 10 Jahre." Frank hält sie hoch und freut sich.

Wir lassen gleich das Moped kommen bis Mittwoch mittag. Am Nachmittag brechen wir auf zur Südspitze der Insel nach Gilmaan, um das Steingeld zu finden. Die Asphaltstraße ist herrlich - ganz im Gegensatz zu Chuuk! Wenig Verkehr. An der katholischen Kirche biegen wir in einen unbefestigten Weg ein, der sich fast genau so gut fährt.

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Vor uns tut sich ein Märchenwald auf in einer einzigartigen Landschaft.

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Der Sandweg liegt etwas erhöht, weil der Dschungel an beiden Seiten an vielen Stellen sumpfig ist. Wir sind erstaunt über die verschiedenen Palmenarten, von denen wir einige noch nie zuvor gesehen haben. Zu einer mit langen hohen Wedeln ohne Stamm schaue ich genauer hin. An ihrem Fuß ragt ein größes, rotbraunes Büschel hervor. Im ersten Augenblick, glaube ich, es seinen Blüten. Später allerdings, als solch' ein Gewächs nahe am Weg steht, stellen wir fest, dass es steinharte Nüsse sind.

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Im Palmendickicht liegen vereinzelt Hütten mit Pkws davor. Weit und breit aber keine Menschenseele. Wir gelangen an eine etwas lichtere Stelle mit einem kleinen Fließ und einem Haus. "Oh," rufe ich begeistert, "gucke mal! Eine lange, lange Reihe Steingeld in allen Größen."

Schon greife ich zur Kamera. Mr. Cornflakes aber mahnt mich: "Bevor wir Aufnahmen machen, müssen wir den Eigentümer fragen." Es ist aber keiner da. Wir setzen lieber erst einmal unsere Tour fort. Auf einer Insel findet sich kurz über lang immer mal ein Ende. Bei der Rückfahrt - so hoffen wir - werden wir dort jemanden antreffen.

Nach einigen Minuten tut sich das Dickicht auf. Wir sehen eine Frau und bitten sie, uns den Strand ansehen zu dürfen. Sie nickt und winkt uns freundlich zu.

Ich steige gleich ins Wasser. Es ist sehr flach. Frank schaut sich das Ufer an, macht sich einen Spaß, mich im warmen Nass zu fotografieren und setzt sich auf eine Bank, wo wir unser Picknick halten.

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Nach der erquicklichen Pause lenken wir unser Fahrzeug noch ein Stückchen weiter und kommen an eine zauberhafte Mangrovenlandschaft.

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Jetzt ist viel Zeit vergangen. Deshalb kehren wir zurück zum Steingeld mit der Hoffnung, dass wir dort eine Menschenseele antreffen. Im Moment wissen wir es noch nicht, Aber dann...! 

Veröffentlicht in Taipeh Mikronesien und Palau

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xamantao 05/02/2012 14:41


Ist das auf dem untersten Bild Dein Kopf oder eine Ente?


Ohja, lieber Joachim, da wirst Du Mr. Cornflaccs noch 9 Jahre lang in die Südsee begleiten dürfen, bis die Fahrerlaubnis abgelaufen ist. Vielleicht noch länger, wer weiss, wozu er sich bis dann
nochmal eine Erlaubnis besorgt! *lach*

anais 05/04/2012 12:15



Wir haben dort keine enten gesehen, nur Hühner. Sicherlich ist es mein Hahnenkopf. Mr. Cornflakes recherchiert schon wieder. Jetzt interessiert er sich für die Marschall-Inseln. Er wird aber
damit noch eine Weile warten. Die Fahrerlaubnis ist ja noch lange gültig, ob für diese Inseln? Glaube ich nicht.


Liebe Grüße


Joachim



Regina 04/27/2012 20:24


Wunderschöne Landschaft Joachim, das mit der Fahrerlaubnis hört sich etwas kompliziert an, habe ich auch so noch nicht aus anderen Ländern gehört  und um Erlaubnis fragen um ein Bild zu machen, da gehe ich davon aus das alles auf den Bildern in Privatbesitz ist,
oder, ich wünsche Dir einen schönen Abend, l G Regina

anais 04/28/2012 18:24



Hallo Regina! Die Fahrerlaubnis hat Frank ohne praktische Prüfung bekommen. Das ging ziemlich schnell. Auf den Inseln ist fast alles Land in Privatbesitz. Das haben früher die Deutschen mit der
Landreform so eingerichtet. Jeder gestattet aber zu fotografieren.


Liebe Grüße


Joachim



Reinhold.Einloft 04/27/2012 16:31


Glückwunsch! Heute Top-Artikel

anais 04/28/2012 18:18



Danke! Wahrscheinlich wegen des Buketts.



Reinhold.Einloft 04/27/2012 13:49


Jetzt brat mir einen: was ist Steingeld? Ach, was für schöne Erinnerungen. Besonders gefällt mir der Märchenwald, ich liebe Urwald (wenn ich nicht zu tief hinein muss). Ihr hatte eine schöne Zeit
und könnt wunderbar jedes Jahr zurückkommen und Moped fahren. Prima.


Schönes Wochenende wünscht RE

anais 04/28/2012 18:17



Hallo RE! Ich danke Dir vielmals für die schönen Worte. Diese Landschaft war wirklich wie ein Märchenwald. Jedes Jahr werden wir dorthin wohl nicht zurückkehren. Da fehlt uns die notwendige harte
Währung. Hätten wir Steingeld, könnten wir uns dort vielleicht im Tausch genügend Finanzen beschaffen durch Tausch, denn in Geldautomaten gehen diese Scheiben nicht rein.


LG Joachim



Katharina vom Tanneneck 04/26/2012 22:11


Hallo Joachim, das sind sehr schöne Bilder und man gewinnt einen guten Eindruck. Die vielen Palmenarten sind schon etwas besonderes. Da hätte man ja gerne Samen oder einen kleinen
Ableger. 


Ihr hattet mal wieder einen wunderbaren Tag und ich bin schon gespannt wie es weiter geht!


Liebe Grüße, Katharina

anais 04/27/2012 20:23



Hallo Katharina! Die Sumpfpalme hat solche harten Nüsse, Wir haben probiert, eine herauszubrechen. Es war unmöglich. Einen Betelnusskern habe ich gefunden.Ich werde ihn mal einpflazen. Mal sehen,
ob er keimt.


Liebe Grüße


Joachim