Brennesseln am Po, oh!

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Stammtischglocke-002.jpgAls Richard Ambellans Gärtnerei am Fürstenberger Tor in den 6oer Jahren in voller Blüte stand und der fleißige Gärtner in warmen, regenreichen Sommermonaten Mühe hatte, über das schnell wachsende Unkraut Herr zu werden, kam ihm ganz gelegen, dass die zwei älteren Schwestern Stein aus der Vogelgesangstraße öfters mal mit ihrem kleinen Handwagen und einem Sack zum Futtersuchen für ihre Ziegen bei ihm auftauchten. Sie schnitten Melde, Löwenzahn, Knopfkraut - bei uns Franzosenkraut genannt - und Gras solange, bis der Sack gestopft voll war. Das war Richard Ambellan ganz recht so. Allerdings ärgerte er sich jedesmal, wenn die beiden Schwestern - manchmal kam auch nur eine allein - vor der Futtersuche erst einmal auf das hölzerne Plumsklo gingen, um sich von drückender Last zu befreien. Immer wieder überlegte er, ob er sie mal darauf ansprechen sollte. Aber so richtig traute er sich nicht. Eine Unterhaltung über dieses Thema schien ihm doch zu fatal. So überlegte er hin und her. An originellen Einfällen mangelte es ihm eigentlich nie. Und dann kam ihm die rettende Idee: Er suchte sehr zeitig am frühen Morgen, als er wusste: "heute kommen sie wieder!" eine lange Holzstange und genügend festes Band. Dann lief er an den Rand der Gärtnerei, wo am Hang üppig kräftige Brennesseln wuchsen. Davon schnitt er ein ordentliches Bündel und befestigte es mit kräftiger Hand an der Stangenspitze gleich hinter dem hölzernen Plumsklo. Er öffnete schon ein wenig die Entleerungsklappe unten an der Hinterfront des Häuschens. Nun wartete er ab. Und bald erschien eine Schwester allein mit ihrem Handwagen, stellte ihn schnell ab und lief schnurstracks auf das stille Örtchen zu, öffnete die unverriegelte Tür und schloss sie wieder. Zwei Minuten reichten Richard Ambellan, um die Entleerungsklappe ganz leise herunter zu klappen. Dann schob er die Stange mit dem Brennesselbüschel hinein und wedelte ordentlich damit hin und her. Aus dem Klo ertönte ein schmerzhaftes "Au!", "Huch!" und "Oh!" Die Brennesseln waren wohl von bester Güte, denn es war ein warmer, trockener Vormittag. Hätte es zuvor geregnet, hätte er weniger Erfolg gehabt. Richard Ambellan lief schnell weg und ließ sich nicht sehen. Beide Seiten bewahrten diskretes Stillschweigen.
Siehe auch die Seite "Richard Ambellan - Gärtner mit Witz und Humor".

Veröffentlicht in Lychener Stammtisch-Geschichten

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Mack Sonja 01/29/2010 13:48


Hihihi


anais 01/29/2010 18:31


Lach!


Margot 01/29/2010 11:16


Was für eine schöne Geschichte! Die wärmt das Herz an einem kalten Wintertag.
Liebe Grüße von Margot


anais 01/29/2010 18:31


Und vielleicht auch den Po, liebe Margot.
Liebe Grüße
Joachim


Katharina 01/29/2010 01:44


Danke, ich habe herzhaft gelacht und lache immer noch. Eine schöne und lustige Geschichte.
Liebe Grüße,
Katharina


anais 01/29/2010 18:26


Das war wohl der prickelndste Spaß, den er sich geleistet hat.
Liebe Grüße
Joachim


xamantao 01/28/2010 20:16


Das muss ein Verwandter von Till Eulenspiegel sein!


anais 01/29/2010 18:19


So ähnlich war er wohl. Lach!