Der Engel von Hohenlychen

Veröffentlicht auf von anais

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Margarete Hennig, 1928.

Eine wahre Lichtgestalt in der Lychener Geschichte ist Margarete Hennig. Im DRK-Krankenhaus leistete sie eine aufopferungsvolle Arbeit bei der Pflege schwerstverwundeter Soldaten in den letzten Jahren des II. Weltkrieges. Sie kümmerte sich um die amputierten Soldaten, wenn sie aus der Narkose aufwachten und ersetzte ihnen die Mutter. Liebevoll wurde sie deshalb der "Engel von Hohenlychen genannt. Geleitet von ihrer humanistischen Gesinnung half sie während des Krieges KZ-Häftlingen aus dem Lager Ravensbrück, die täglich von der SS zur Zwangsarbeit in das 9 Kilometer entfernte Hohenlychen gefahren wurden. Heimlich steckte sie ihnen Medikamente, Lebensmittel und Textilien zu. Sie und ihr Mann, Werner Hennig, verhalfen französischen Kriegsgefangenen zur Flucht, die im Sägewerk Barnewitz arbeiten mussten. Gemeinsam mit der nach Hohenlychen aus Berlin zwangsverpflichteten Antifaschistin Else Quast und der Lychener Kindergärtnerin Charlotte Brennicke organisierte sie als leitende Krankenschwester im Lazarett hinter dem Rücken der SS Hilfe für  Berliner Juden, die im Strickereibetrieb von Max Isidor Schwarz arbeiten mussten. Else Quast brachte Medikamente und Lebensmittel per Bahn bis zur U-Bahn-Station Bernauer Straße und übergab sie dort anderen Helfern.
In der Nähe von Lychen abgeschossenen US-Luftwaffensoldaten ließ Margarete Hennig aus eigener Entscheidung mit einem Sankra Hilfe zukommen.
In schwierigen Situationen wurden diese tapferen Frauen von Werner Hennig mehrfach gedeckt, der selber hochrangiger Offizier in Hohenlychen war.
Bilder aus dieser schweren Zeit sind verständlicherweise nicht vorhanden. Es gibt jedoch Fotos aus früheren Jahren, als Margarete Hennig kurz nach dem I. Weltkrieg eine Haushaltsschule für die Berliner Kriegswaisenanstalten auf ihrem Anwesen, "Haus Sonnenblick", eingerichtet hatte.
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Als damals noch unverheiratete Pietschmann leitete sie die Kriegswaisen-Haushaltsschule, Abt. C in ihrem eigenen Privathaus. Meine Mutter war mit 17 oder 18 Jahren dort in Stellung. Auf dem einen Foto steht sie in der letzten Reihe der Mädchengruppe im weißen Kleid auf dem Feld. Zweite von rechts mit Haube ist Margarete Pietschmann.
Ab 1928 arbeitete sie als Oberschwester in den Heilanstalten. Zugleich führte sie "Haus Sonnenblick" weiter als privates Kinderheim für erholungsbedürftige und lungenschwache Kinder.
Kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee in Hohenlychen wurde Margarete Hennig in ihrem Wohnhaus erschossen.
Das Altenpflegeheim des DRK  in Templin trägt als Ehrung ihren Namen. Der Lychener Historienstammtisch hatte vor einiger Zeit vorgeschlagen, eine neue Straße am ehemaligen Heilstättengelände in Hohenlychen nach ihr zu benennen. Allerdings -ohne Erfolg.
Else Quast wurde im Oktober 1997 mit dem "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" geehrt. Tapfere und mutige Frauen!
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Margot 02/24/2010 22:37


Eine bemerkenswerte Geschichte, die es verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten. Großartige Frau, die imponiert mir.
Liebe Grüße von Margot


anais 02/25/2010 10:04


Das stimmt. Aber in unserer Stadt, wo sie lebte, müsste etwas mehr für ihr Andenken getan werden.
Liebe Grüße
Joachim