Der Königsstein

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Stammtischglocke-002.jpg"Der Königsstein" ist eine der vielen lustigen Anekdoten, die ab und an auf dem "Lychener Historienstammtisch" erzählt werden. Die Versionen sind bisweilen unterschiedlich. Der eine stellt die Geschichte so dar, der andere wieder anders. Dies ist die "Königsstein-Anekdote", wie sie unser Ortschronist Eberhard Kaulich aufgeschrieben hat.
Feldsteine spielten in Lychen schon immer eine große Rolle. Die Generationen aus der Stadtgründerzeit bauten mächtige Stadttore und eine Stadtmauer aus Feldsteinen zur Abwehr ihrer Gegner. Lychener der jüngeren Geschichte nutzten sie anders, manchmal aber ebenfalls zur Abwehr.
In der ersten Hälfte der DDR-Zeit war die Maschinenausleihstation (MAS) einer der größten Arbeitgeber in der Stadt. Dort arbeitete sehr tatkräftig der Oberbuchhalter Collin. Weil es in Lychen viele Collins gibt, trug dieser den Spitznamen "Tschako".
In jenen Zeiten der Mangelwirtschaft hatte sich die MAS einen neuen LKW der Marke H3A angeschafft. Diesen nagelneuen LKW durfte der Fahrer König lenken. Das Fahrzeug war erst wenige Tage im Dienst, da kollodierte der Pechvogel König mit dem LKW beim Abbiegen von der Feldberger Chaussee in Richtung Rutenberg mit einem großen Feldstein, der bei Arbeiten auf dem Feld ans Tageslicht gefördert und wie üblich am Feldrand abgelegt worden war.
Ein kleiner Schaden, aber ein herrliches Gesprächsthema im Betrieb.
Kurz nach diesem Ereignis musste Tschako zur Inventarisierung in die Außenstelle der MAS, nach Stabeshorst fahren. Dazu brauchte er auch ein Töpfchen mit roter Farbe.. Auf der Rückfahrt ließ er den Fahrer des Pkws am Havariestein halten, nahm sein Farbtöpfchen und malte auf den Feldstein in schön geschwungener Schrift "Königsstein". Der kleine Schabernack sorgte für viel Gesprächsstoff in Lychen.
Der Pechvogel und Unglücksfahrer König fand das allerdings nicht komisch und wollte den Oberbuchhalter Tschako vor Gericht zerren. Tschako versuchte, das zu verhindern und fragte den Eigentümer des Feldes, die LPG Beenz, ob er, wenn er Eigentümer des Steines wäre, alles mit diesem machen könnte. Der LPG-Vorsitzende sagte "ja", und Tschako kaufte die Parzelle von einem Quadratmeter, auf der der Stein lag, mit dem Granit für eine DDR-Mark.
Es kam zu keinem Gerichtsverfahren. Mit ähnlichen Abwehrhandlungen könnte heutzutage die Überbelastung der Gerichte vermieden werden.
Wo aber nun der "Königsstein" abgeblieben ist, weiß keiner so recht. Siehe dazu auch das Gedicht "Der Granit " .

Veröffentlicht in Lychener Stammtisch-Geschichten

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xamantao 12/16/2009 16:34


Prima, so ein Kieswerk hätte gewiss die Gegend verschandelt - und die vielen LKWs!


anais 12/17/2009 17:50


Die vielen LKWs wären alle durch Lychen gedonnert! Es reichen schon die vielen Langholzfahrer.


xamantao 12/15/2009 10:24


Ich kann mir schon vorstellen, wohin dieser Stein verschwunden ist. Nachdem die DDR aufgelöst und die Besitzverhältnisse neu geregelt worden sind, hat sich der Fahrer König heimlich auf dieser
Parzelle zu schaffen gemacht. Den Stein hat er in ein Kieswerk gebracht und dafür gesorgt, dass er zun Millonen Sandkörnchen vernichtet wurde. - Könnt sein, oder auch nicht.


anais 12/16/2009 08:56


Ich glaube nicht, dass der König das gemacht hat- Es könnten Eigenheimbauer gewesen sein. Der Bau eines Kieswerkes hier bei uns beim Dorf Rutenberg hat die Bevölkerung durch eine
Unterschriftensammlung abgewehrt.


Katharina 12/11/2009 23:18


Ich höre gerne solche Geschichten und die Findlinge hier gefallen mir auch. Wir haben selbst Einige und beim Bauen haben wir auch noch ein paar gefunden. Die bekommen alle einen Ehrenplatz. Ich
würde keinen davon hergeben. 

Liebe Grüße,
Katharina
 


anais 12/12/2009 15:42


Ich kann mir gut vorstellen, dass die Findlinge auf dem Tanneneck sehr gut wirken.
Liebe Grüße
Joachim


MBT 12/11/2009 23:15


Stimmt, in dem Granitgedicht hast du die Sache mit dem König ja schon angedeutet, dir ein feines Wochendende!


anais 12/12/2009 15:40


Ich danke Dir herzlich und wünsche ebenfalls ein schönes Wochenende!


Margot 12/11/2009 20:17


Du hast so viel geschrieben hier in den letzten Tagen, dass ich kaum mit dem Lesen nachkomme. Das Mühlentor habe ich schon bewundert und das Aquarell vom eingestürzten Tor sehr beeindruckend
gefunden (muss ja ein gewaltiges Bauwerk gewesen sein), und über diese Geschichte hier musste ich jetzt leise lächeln. Wie klein oft der Anlass ist, dass die Gemüter so erregt werden und jemand vor
Gericht ziehen will. Ich hoffe, die beiden Herren haben sich später wieder vertragen.
Liebe Grüße von Margot


anais 12/12/2009 15:39


Das Lychener Stargarder Tor hatte früher obendrauf ein Storchennest. Ob sich die beiden wieder vertragen haben, weiß ich nicht. Da müsste ich mal nachfragen.
Liebe Grüße
Joachim