Die Geschichte von der Franzoseneiche

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Im März des Jahres 1807 trafen in Lychen durch das Stargarder Tor kommend drei französische Ärzte ein. Ein Aquarell, um 1860 . Sie kamen von einer Armee aus Polen und waren zu einem anderen Corps versetzt.

Der am Stargarder Tor wachhabende Einwohner Köppen - ein berüchtigter Wilddieb - brachte die Ankommenden zum Bürgermeister. Bei dieser Gelegenheit bemerkte er das schwere Felleisen, das jene bei sich hatten. Er glaubte, dass sich Geld und Wertsachen darin befänden. Sofort eilte Köppen noch am selben Tage nach Himmelpfort und beredete die Gebrüder Glamann - auch berüchtigte Wilddiebe - die drei Ärzte in der Heide hinterrücks zu ermorden und zu berauben. Der Knecht des Mühlenmeisters Hoffschild, der die Ärzte nach Zehdenick bringen sollte, wurde in den Plan eingeweiht.

Der Augenblick nahte! Sobald er in den Wald kam, bog er von der Landstraße ab und fuhr in das Dickicht, wo Köppen und Glamann standen. Hier erst erfuhr der jüngste Glamann, worauf es abgesehen war. Ehe er es hindern konnte, schossen die beiden anderen zwei Ärzte tot.

Nun sollte es auch über den Dritten hergehen. Allein der jüngste Glamann erklärte: "Wer diesen dritten Arzt auch totschießt, dem werde ich selbst die Kugel durch den Kopf jagen. So wurde dieser Arzt gerettet.

Statt des Geldes und der Wertsachen aber fanden die Räuber nur chirurgische Instrumente in dem Kasten.

Der Müllerknecht kehrte mit dem Blut besudelten Wagen nach Lychen zurück und sagte aus, dass er vom Schillschen Corps angefallen und die Franzosen erschossen wären.

Dieser Aussage maßen die Franzosen keinen Glauben bei. Der Knecht sollte darauf festgenomen werden.. Er entfloh aber.

Bürgermeister Loos fürchtete, dass, wenn diese Angelegenheit nicht aufgeklärt würde, die Stadt es schwer werde büßen müssen. Er beschloss, alles zu tun, um die Schuldigen ausfindig zu machen.

Da Köppen geäußert hatte, dass er schnell zu Glamann nach Himmelpfort gehen müsse, kam man auf die Spur der Mörder. Der Bürgermeister fuhr mit dem Gendarmen Herm nach Bredereiche, wo inzwischen der gerettete Franzose auch angekommen war. Sofort wurden die Täter Glamann verhaftet. Aber der älteste Glamann entsprang und entkam.

Auf dem Rathaus in Lychen fand alsdann das Standgericht statt. Dem Stadtrichter Schulze wurde die Verteidigung der Verbrecher übertragen. Das Urteil lautete auf Todesstrafe.

Der jüngste Glamann sowie Köppen wurden standrechtlich erschossen auf dem Angelberg. Es soll an der Stelle gewesen sein, wo die Franzoseneiche heute noch steht.

 

(Aufgeschrieben vom Lychener Stadtchronisten Eberhard Kaulich).

Veröffentlicht in Lychener Stammtisch-Geschichten

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Katharina vomTanneneck 11/12/2010 00:14



Hallo Joachim,


die Franzoseneiche, darüber habe ich ja schon mal etwas gelesen. Es muß damals eine schlimme Zeit gewesen sein und ich hätte da nicht leben wollen. Aber wer kann sich schon aussuchen wann er
leben will? Zumindest gab es Gerechtigkeit und sie haben die Verbrecher gefunden.


Liebe Grüße, Katharina



anais 11/12/2010 11:29



Hallo Katharina! Du bist eine sehr aufmerksame Leserin! Alle Achtung! Ich hatte diese Episode schon einmal im Januar veröffentlicht. Habe es aber vergessen. Den alten Beitrag habe ich gelöscht
und habe heute etwas genauer über die sehr alten Giganten am Rande der Stadt geschrieben. Ich denke, sie sind es wert. Ich danke Dir herzlich für den Gedankenanstoß!


Liebe Grüße


Joachim