Eine Nacht unter der Strohmiete

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Nicht immer sind die Lychener Mandolinenspielerinnen so bequem und komfortabel in ihren Pkws zu den Auftritten gefahren, wie sie es heute tun. Erika Bondzio, Leiterin der Mandolinengruppe, erinnert sich an frühere Zeiten, als die Fahrten nicht selten abenteuerlich waren. Einige Episoden hat sie als eigene Erlebnisse auf dem Historienstammtisch zum Besten gegeben. Eine davon ist diese: 

Vor 60 Jahren, ich war damals 30 Jahre, jung und hübsch, spielte ich im großen Mandolinenorchester des FDGB unter der Leitung des Lychener Musikers und Komponisten Paul Grams mit. Für unsere Einsätze stellten uns örtliche Betriebe Lastkraftwagen zur Verfügung.  

Da saßen wir manchmal bei Wind und Wetter auf den Holzbänken. War der Lkw mit einer Plane überdacht, ging es ganz gut. Saßen wir aber unbedacht dort oben, konnten wir froh sein wenn es nicht regnete.

Eines Nachmittags fuhren wir in das Dorf Haßleben, ca. 30 km von Lychen entfernt, um für die Jugend zum Tanz aufzuspielen. Wir fuhren auf einem Planlastwagen dorthin und wollten morgens um 2.00 Uhr wieder zurück sein. Der Kraftfahrer, Herr Renger, trug eine Augenklappe. Auf der Rückfahrt hatte er plötzlich einen Platten, eine Reifenpanne. Er suchte nach seinem Werkzeugkasten. Er fand ihn nicht. Es war schon Oktober und ziemlich kalt. Weil wir so froren, krochen wir um 3.00 Uhr unter eine Strohmiete auf dem Feld. Na, da hatten wir einigermaßen warm gelegen.

Bei Morgenlicht, um 6.30 Uhr, hatten wir die zweite Reifenpanne. Während der Wartezeit hatten wir am Straßenrand Äpfel geklaut.

Die dritte Reifenpanne geschah in Hardenbeck, vielleicht 10 km vor Lychen. Wieder mussten wir warten. Wir gaben ein Morgenkonzert auf der Kirchenmauer. Gerade dort, in einem Haus, war ein alter Herr an diesem Tag 80 Jahre alt geworden. Er hatte sich so gefreut: 'Sowas ist mir in meinem Leben noch nicht passiert. Ich kriege ein Ständchen!'

Bald kam ein anderer Wagen, der uns nun wirklich nach Hause fahren sollte. Aber der hatte die vierte Reifenpanne bei Schreibermühle, kurz vor Lychen.“

Zur Reifenpanne siehe auch: Eine vernagelte Tour!

 

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Cebulon 11/02/2011 00:15



Schön ist's, sich nachts im Stroh zu aalen, doch, muß man da auch Miete zahlen? ;-)


Dem Cebu ist es nicht ganz klar, wie hoch die Strohmiete wohl war!? ;-)



anais 11/03/2011 17:48



Hallo Cebulon! Ein sehr schönes Wortspiel. Weiß gar nicht, was ich darauf antworten soll. Naja,


früher waren die Strohmieten je nach Bauer höher oder niedriger. Heute gibt es sie kaum noch. so verändern sich die Strohmieten. Mit den Wohnungsmieten verhält es sich umgekehrt.


Liebe Grüße


Joachim



Reinhold.Einloft 10/23/2011 11:23



Dann ist die Dame 90! Alle Achtung. Du hast interessante Leute um dich herum.
Gruß und schönen Sonntag noch


RE 



anais 10/24/2011 19:55



Hallo RE! )o Jahre ist sie alt geworden. Wer weiß, ob wir das erreichen. Wahrscheinlich hält die Musik jung! Vielen
Dank für die netten Sonntagsgrüße!


Liebe Grüße


Joachim



Katharina vom Tanneneck 10/22/2011 23:29



Hallo Joachim, solche Geschichten gab es früher wohl öfter. Aber so oft eine Reifenpanne an einem Tag zu haben, das ist doch etwas besonderes. Ich habe das zum Glück noch nie erlebt. 


Heute sind wir alle verwöhnt und wissen nicht was damals unsere Eltern und Großeltern mitgemacht haben. Für uns ist das heute alles selbstverständlich. 


Meine Hochachtung vor Frau Erika Bondizio, die noch im hohen Alter beim Mandolinenorchester ist. Und Dir, danke für die schöne Geschichte.


Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Katharina



anais 10/24/2011 19:53



Hallo Katharina! Ich danke dir für diese schönen Worte. Das Mandolinenorchester hatte noch andere lustige Erlebnisse, die uns wohl heute kaum widerfahren können. Leider ist unsere alte Dame z.
ZT. krank. Hoffentlich kommt sie wieder auf die Beine!


Liebe Grüße


Joachim