Guam, das "Mallorca der Amerikaner"

Veröffentlicht auf von anais

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Am Sonnabend, dem 14. Januar 2012 passiert nicht viel. Wir schlafen aus, frühstücken, machen einen Spaziergang und essen zu Mittag in einem kleinen Restaurant. Nachmittags packen wir die Koffer neu und bereiten die Taschen vor für den Tagesaufenthalt auf der Marianen-Insel Guam. Guam ist USA-Territorium mit einem militärischen Stützpunkt. Um 17.00 Uhr werden wir zum Flughafen gefahren und fliegen wenig später ab in Richtung Agana, dem Verwaltungszentrum von Guam.

In aller Herrgottsfrühe, um 5.00 Uhr, landet das Flugzeug. Wir haben kaum geschlafen. Das Gepäck, so hoffen wir, wird gleich durchgecheckt bis nach Pohnpei, unserer ersten Insel in Mikronesien.

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Als wir zur Passkontrolle kommen, erhalten wir einen langen Einreisefragebogen, der auszufüllen ist, wie es in den USA üblich ist. Bereits Wochen zuvor mussten wir in Berlin einen Fragebogen für die amerikanische Security ausfüllen und jeder dafür 12 Dollar bezahlen. Jetzt also die Prozedur noch einmal. Ich fülle das Blatt mit meinen Angaben und denen von Frank als 2. Person aus. Frank beobachtet indessen das Koffer-Laufband und ruft plötzlich entsetzt: "Da kommen unsere Koffer doch raus!" Schnell läuft er hin und holt sie. Jetzt haben wir das schwere Gepäck wieder am Mann. Hurra!

Als wir den Fragebogen vorlegen, erhalten wir Order, Frank müsse ein eigenes Formular ausfüllen. Ich muss mittlerweile dringend zur Toilette. Wir reisen für einen Tag auf die Insel ein. Dementsprechend ist die Passkontrolle: Hände und beide Daumen auf den Sensor legen und Augenkontrolle. Als wir die unangenehme Überprüfung hinter uns haben, suchen wir eine Stelle zum Aufbewahren der Koffer. Ich entdecke einen Schalter, über dem "Baggage-Service" steht. Ohne zu zögern, gehe ich hin. Die Angestellte macht mir aber klar, hier werde kein Gepäck aufbewahrt sondern nur Reklamationen angenommen. Wir sollten den Fahrstuhl nehmen und nach oben fahren. Wieder suchen wir herum und bitten einen Aufsichtshabenden um Hilfe, der sich wirklich sehr bemüht. Er bringt uns zum Schalter von United Airlines. Das ist die Gesellschaft, die Mikronesien befliegt. "Versuchen Sie mal, jetzt schon Ihr Gepäck für den Abflug am späten Nachmittag einzuchecken." Natürlich alles in feinstem Amerikanisch. Die Angestelle schüttelt den Kopf: "Erst ab 12.00 Uhr."

Wir sitzen weiter auf dem schweren Gepäck und wissen nicht, ob wir den ganzen Tag auf dem Flughafen bleiben, oder ob wir in Agana irgendwo ein billiges Hotel finden. Wir sind genervt und reden wenig miteinander. Frank meint: "Ich suche mal den Taxistand. Vielleicht kann mir dort einer sagen, wo ein billiges Hotel ist." Er geht los und kommt nach einer halben Stunde wieder mit einem Stadtplan und markierten Hotels zurück. Den hat er von einem netten Mitarbeiter der Autovermietung Hertz bekommen. Der Mann telefoniert mit einem Hotel, nickt und meint, wir sollten warten, bis ein Kraftfahrer vorbei käme. Der allerdings gibt uns zu verstehen, das Plaza-Hotel sei ausgebucht.

Wieder fragen wir einen Aufsichtshabenden nach preisgünstigen Hotels und zeigen ihm den Plan. Freundlich st er und empfielt uns das "Gala". Er ruft für uns an und versichert uns, dort seien Zimmer frei. Wir danken ihm überschwenglich für seine Hilfe, sind froh und nehmen uns für 18 Dollar und 2 Dollar Trinkgeld ein Taxi zum "Gala". Einladend sieht der Kasten gerade nicht aus. Für mich hat er eher Ähnlichkeit mit einem Knast.

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Am Tresen erledigt Eric Pastor, ein netter Kerl aus den USA, die Formalitäten. Frank ist begeistert. Wir nehmen die Schlüssel, und Frank schleppt schnaufend die Koffer in das 1. Obergeschoss. Ich schließe auf. Wir kommen in ein großes, nach Nichts aussehendes Zimmer. Die Vorhänge sind zugezogen. Es ist erdrückend heiß. uns umwallt ein schwerer, süßer Geruch. "Au", sagt Frank, "hier wurde aber mächtig Crack geraucht. Ich reiße die Fenster auf. Wir legen uns in die großen, spartanischen Betten und schlafen bis 12.00 Uhr.

Frisch geduscht, brechen wir auf und wollen zu Fuß zum Strand laufen, ohne zu ahnen, was uns auf dem Weg erwartet. Der Himmel ist bewölkt, und es ist sehr warm.. Wir kommen auf eine unendlich lange Autostraße, wie man sie nur aus einem amerkanischen Western kennt. Wir marschieren im Gänsemarsch am Rand endlang. Nach einer Weile taucht das Imbiss-Café "Infusion" auf. Wir trinken einen starken Kaffee und essen einen Sandwich.

Wir marschieren weiter die eintönig, endlos lange Straße bergauf. Zwei weit auseinander liegende Ampelkreuzungen haben wir zu überqueren, bis es links ab zur Beach gehen soll. Zweimal überrascht uns heftiger Sprühregen. Ich bin pitschenass. Einmal stellen wir uns an einem Steakhouse unter.

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Als wir links abbiegen, sehen wir wieder eine lange Straße einen Hügel hinauf führen. Links steht das Plaza-Hotel, das wir zuerst avisiert hatten. Von der Beach ist weit und breit nichts zu sehen. Wir marschieren den Hügel hinauf. Oben - aha! - schauen wir auf den weiten, lang gestreckten Strand mit modernen, weißen Hotelanlagen. "Siehst Du", sagt Frank erleichtert, das ist Guam, das Mallorca der Amerikaner oder auch die Putzfrauen-Insel der Amerikaner." Woher er das wohl hat. Von Buddha sicherlich nicht.

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Oberhalb des Strandes finden wir keinen Durchgang zum Meer. Alles Privatgelände, scheint uns. Frank meint: "Wir gehen einfach mal in das Hilton und bestellen uns was zum Trinken." Im Hilton bestellen wir uns jeder eine Büchse Cola, die 4 Dollar kostet. Erfrischt fühlen wir uns wieder besser unfragen, ob wir zum Strand gehen dürfen. Na, das dürfen wir. Der Zugang zum Meer ist abgesperrt. Aber weiter rechts können wir durch das Wasser zu dem öffentlichen Strand kommen. Ich rutsche auf den Steinen fast aus. Eine japanische Familie klettert auch rüber. Angelangt, gehe ich gleich baden. Frank beobachtet die Natur.

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Die Zeit läuft. Wir müssen wieder zurück zum Hotel und zum Flughafen. Jetzt sage ich mal was: "Diesen Weg zurück zum Hotel werde ich niemals mehr gehen!" "Ja", entgegnet Frank,"ich auch nicht. Lass' zum zum Hilton zurück gehen. Wir bitten den Portier, uns ein Taxi zu rufen." Das Taxi kommt mit einem netten, gesprächigen Driver, der aus Südkorea stammt.

Am "Gala" wieder angelangt, lasse ich die neue, wasserdichte Kamera auf dem Sitz liegen. Mächtige Panik: "Ich habe den Fotoapparat vergessen!" Schnell laufe ich zur Straße vor, denn der Taxisfahrer ist schon hinten um das Hotel herum verschwunden. Da kommt das Taxi nach vorn. Der Fahrer zeigt nach hinten um zu bedeuten, Frank habe schon die Kamera. Ich bin froh. Frank schüttelt den Kopf und meint nur: "Schlingel, Schlingel!"

Die diensthabende Hotelangestellte, geboren auf der Insel Yap, bringt uns zum Flugplatz. Wir wollen gleich einchecken. Die Dame am Schalter teilt uns aber mit, ein Flugzeug aus Tokio wäre ausgefallen. Deshalb müsse auf das Nächste gewartet werden, weil dort Passagiere zum Weiterflug nach Mikronesien drin wären. Unser Abflug wäre deshalb erst um 22.40 Uhr. Wir sind entsetzt.

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Gehen dann in die Wartehalle und essen, weil wir Hunger haben, etwas, was wir sonst verschmähen: Ich 10 Chicken Wings und Frank einen Döner mit Pommes frites!

Endlich ist es soweit! Zum ersten Mal sehe ich hübsche, füllige Südseeinsulaner in der Schlange zum Einchecken. Ich sehe aber auch ein junges Pärchen, hellhäutig. Er mit weiß-schwarzen Ringelstrümpfen und einer Gitarre auf dem Rücken. Sie mit einem Vogelfederschmuck im Haar. "Gucke mal," sage ich zu Frank,"die sehen aber ausgeflippt aus." "Na, lass' sie, wie sie sind", gibt er mir zurück. Und - wie es die Vorsehung will, sollen diese Beiden unsere besten Freunde auf Pohnpei werden.

Mit einer kleineren, alten Maschine, wohl eine Boeing 870, kommen wir morgens um 3.35 Uhr auf Pohnpei, in Colonia an. Wir werden abgeholt. und siehe da: die beiden "Ausgeflippten" steigen mit ein in das Auto zum "The Village Hotel". In einer mit Palmblättern bedeckten Holzhütte legen wir uns zum Schlafen nieder. Gute Nacht!

 


Veröffentlicht in Taipeh Mikronesien und Palau

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xamantao 03/22/2012 19:31


Scheint´s war es auch gut, dass es nur ein Tag war, in Guam *lach*.

anais 03/23/2012 19:52



So viel haben wir ja nicht gesehen. sicherlich gibt es auf Guam auch noch andere schöne Dinge.


Liebe Grüße


Joachim



xamantao 03/18/2012 19:38


Hallo Joachim, gerade hole ich nach zu lesen, was Du in dieser Woche über Euren Urlaub berichtet hast. Das langweilige, öde Guam, wo Ihr unfreiwillig lange wart, erinnert mich an einen ebenso
unfreiwilligen Aufenthalt in Singapore auf der Rückreise von Neuseeland nachhause. - Mein Mann und ich waren auch völlig genervt und sagen: "Nie wieder Singapore."

anais 03/19/2012 19:27



Hallo Xammi! In Singapore waren wir noch nicht. Sicherlich auch ein riesiger Konsumtempel. So sehr viel haben wir ja von Guam nicht gesehen. Wir waren z. B. nicht in der Stadt Agana. Wir waren
doch nur einen Tag lang dort.


Liebe Grüße


Joachim



Katharina vom Tanneneck 03/09/2012 23:48


Hallo Joachim, wieder ein sehgr schöner Bericht von Dir und dazu noch mit den passenden Bildern untermalt. Danke sehr!


Liebe Grüße, Katharina 

anais 03/11/2012 08:35



Hallo Katharina! Schön, dass Du alles so gut verfolgst.


Liebe Grüße


Joachim



Pitti 03/08/2012 13:21


Ihr beide seid richtige Abenteurer!


Lg Pitti

anais 03/08/2012 17:33



Hallo Pitti! Guam, obwohl es eine schöne Insel ist, hat uns etwas gestresst. Auf Pohnpei wird es romantischer, aber auch mit tollen Erlebnissen.


Liebe Grüße


Joachim