"Man stirbt doch nicht im dritten Akt"

Veröffentlicht auf von anais

So lautet der Titel der Autobiografie des bekannten Berliner Schauspielers Peter Bause. Am vergangenen Sonntag gastierte er in Lychen. Am Nachmittag stellte er sein Buch im Sportbistro "easy" vor. Gespannt warteten wir auf seinen Auftritt.

Peter Bause las nicht vor, so wie man es bei einer üblichen Buchlesung gewohnt ist. Er saß nicht, sondern er stand am Pult vor einem großen Publikum. Nicht nur Lychener hatten sich eingefunden sondern auch Templiner und Fürstenberger aus den Nachbarstädten. Der 70jährige, immer noch rotblonde, markige Schauspieler erzählte im Non-Stop Erlebnisse aus seinem Schauspielerleben. Davon gibt er in seinem Buch sicherlich eine Menge.

Er liebt das Theater. Hat auch immer wieder in Fernsehfilmen herausragende Rollen gespielt. Seine wahre Welt aber ist immer die Theaterbühne gewesen - bis  heute. Bauses ganze Liebe gilt  - das spürte man bei jedem Wort - dem Bühnenschaffen in der DDR, weil Theater damals in der Gesellschaft geachtet und gefördert wurde. Theater wurde für das Volk gespielt und war für jedermann erschwinglich.

Peter Bause lernte als junger Mann zuerst bei der Post. Und er meinte von sich, er wäre ein guter Postlehrling gewesen. Seine Schauspielerkarriere reichte von Bezirkstheatern bis zu den weltbekannten Berliner Bühnen. Im Deutschen Theater, im Brecht-Ensemble spielte er gemeinsam mit Grosse, Weigel, Schall, Piontek u. a. Größen. In klassischen Dramen wie "Richard III." trat er in Hauptrollen auf. Mit dem Schriftsteller Gerhard Hauptmann verbrachte er Tage auf Hiddensee.

Amüsant sind seine Berichte über Auftritte im damaligen Westen und nach der Wende, z. b. über die Gemächlichkeit der Würthemberger am Theater.

Peter Bause gastierte auf Bühnen im Osten, die zuvor Namen großer Schriftsteller trugen und nach der Wende einfach, schlicht und blass in Landestheater umbenannt wurden, wie z. B. das frühere Friedrich-Wolf-Theater in Neustrelitz. Weshalb? Weil Friedrich Wolfs Sohn Chef der Auslandsabwehr zur DDR-Zeit war. In Eisenhüttenstadt, einmal gegründet als Stalinstadt, sind sie dem Namen des hervorragenden DDR-Schriftstellers treu geblieben. Dort ist das Haus Friedrich-Wolf-Theater geblieben. Peter Bause nahm noch weitere Umbenennungskunststücke satirisch auseinander. Er erntete immer wieder Beifall und Lachen.

Bause liebt das Direkte, Kräftige, Aufrichtige, Flotte und Spritzige. Und so wurden die guten anderthalb Stunden mit ihm ein herrliches Erlebnis für mich. Anderthalb Stunden lang ein einziges Feuerwerk brillianter Rhetorik.

Und fast zum Schluss meinte er, falls er doch noch einmal in den Westen ziehen müsste, was er eigentlich nicht wollte, zöge er nach Nordrhein-Wesfalen: 17 Millionen Einwohner, hohe Verschuldung und an jeder Ecke ein Theater.

Peter Bause war übrigens das erste Mal in Lychen. Vielleicht hat ihm auch hier das Publikum gefallen, und er kommt wieder, wenn er eingeladen wird.

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Katharina vom Tanneneck 11/07/2012 00:10


Hallo Joachim,


bei Euch in Lychen ist ja immer was los! Ich kenne den Schauspieler leider nicht so gut wie Du aber in einem muß ich ihm recht geben. Was Euch, eure Brüder angetan haben, das ist nicht zu
verzeihen. Wahrscheinlich sind es weniger die Menschen als die Politiker. Sie haben hier im Osten recht lieblos gewirkt. Da hilft es auch nicht mehr, dass sie den Gauck zum Bundespräsidenten
gemacht haben.


Warum mußten Straßen und Plätze und sogar Städte umbenannt werden? Manches ist ja verständlich aber nicht alles. Einfach ein Landestheater daraus zu machen, das finde ich unwürdig. 


Es gäbe vieles, dass man ändern könnte aber das wollen sie nicht. Ich schäme mich manchmal dafür, was in der Politik abgeht. Obwohl, ich kann ja auch nichts dafür und hätte es gerne anders.


Wenigstens hattet Ihr einen schönen Tag und Peter Bause fühlte sich bestimmt wohl in Lychen.


Liebe Grüße, Katharina

anais 11/07/2012 21:17



Hallo Katharina! Vielen Dank für Deinen guten Kommentar. Was die dümmlich-radikale Abrechnung mit der DDR-Vergangenheit und die Umbenennungen betrifft, so waren es hier meistens die besonders
Eifrigen, die hier selbst gelebt haben, und sich in der neuen Kommunalpolitik profilieren wollten. Bei uns haben sie vom Lenin-Denkmal sogar den Granitstein beerdigt. Bei den Fehlern, die von
Politikern heute begangen werden, machen sie eifrig mit.


Liebe Grüße


Joachim