Mein jüngster Rentnerstreich

Veröffentlicht auf von anais

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Weshalb nur Kinder- und Jugendstreiche? Spaß am Schabernack zieht sich durch das ganze Leben bis ins Rentenalter. So kam mir und der Enkelin meiner liebsten Freundin Jutta, der hübschen Linde, beim abendlichen Fernsehen eine Blitzidee. Linde hatte mir den ganzen Nachmittag beim Bootstreichen geholfen. Abends schauten wir uns die - wie so oft nicht besonders erfreulichen - Nachrichten an. Wieder war die Aschewolke des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen Thema Nr. 1. Linde meinte plötzlich: "Ach, da kannst Du mit Omi vielleicht gar nicht die geplante Skandinavien-Rundreise machen! Eure Reise wird eventuell umgebucht." Und da blendete das Fernsehen gerade wieder die erdrückenden Afghanistan-Berichte ein. "Ja," frohlockte Linde, "eine Umbuchung nach Afghanistan. Das wäre für Euch das Richtige!"

"Mädel", entgegnete ich erschrocken, "mir macht das nichts aus. Aber da müssen wir Omi erst testen, ob sie mit mir dorthin fährt." Also setzten wir sicherheitshalber ein offizielles Schreiben auf, an mich gerichtet, weil ich die Reise für uns gebucht habe. Den Brief wollten wir am nächsten Abend Omi beim Grillen vorlegen und ihre Meinung dazu hören.

Das Schreiben lautete folgendermaßen:

Änderung Ihrer Reisebuchung...

wegen der anhaltenden seismographischen Aktivitäten im Raum Nordeuropa sehen wir uns veranlasst, Ihre gebuchte Reise nach Skandinavien auf ein anderes Reiseziel umzubuchen.

Wir haben für Sie als vollwertigen Ersatz ohne zusätzliche Kosten die "Erlebnis-Rundreise Afghanistan" für den selben Zeitraum vorgesehen.

Highlights des abwechslungsreichen Programms:

- Zweitägiger Aufenthalt in der Hauptstadt Kabul mit Besichtigung islamischer  Kulturstätten und Möglichkeiten zum Einkauf orientalischer Spezialitäten auf dem Kabuler Basar.

- Rundreise durch die faszinierende Bergwelt des Hindukusch mit Besichtigung historischer Felsmonumente.

-Zweitägiger Erholungsaufenthalt in den berühmten Gärten und Parks von Kundus.

Unterkunft in gutem Hotel mit dem im Land üblichen Standard. Hin- und Rückreise erfolgt mit deutscher Fluggesellschaft. Für Ihre Sicherheit übernehmen wir die Garantie.

Unterschrift

Am Grillabend mit dem loderndem Feuer meines "liebsten Weltbetrachters" ließ ich erst einmal das Essen vorübergehen. Dann zeigte ich meiner lieben Jutta den Brief: "Was sagst Du denn dazu?" "Mit mir nicht!" So lautete kurz ihre Antwort. "Überall würde ich mit Dir hinfahren, aber nicht nach Afghanistan in der jetzigen Situation!" Es gab noch weitere heftige Kommentare. Unser "liebster Weltbetrachter" wollte den Brief am nächsten Tag seinem Rechtanwalt übergeben. Da wurde mir aber die Sache zu heiß bei der Kälte am lodernden Feuer und feurigen Blicken. Kurzerhand bat ich Linde um ihre Meinung und sie klärte alles unter lautem Lachen auf. Omi meinte schließlich zu ihr: "Dich lasse ich nicht mehr allein zu meinem treuen Freund! Wer weiß, was Ihr zusammen noch ausheckt!" 

Der Spaß war gelungen, und wir würden gerne einmal im Frieden nach Afghanistan reisen. Demnächst geht es erst einmal in Richtung Aschewolke, die sich ja dann wohl schon niedergeschlagen haben wird. 

P. S.:Diesen jüngsten Rentnerstreich muss ich aber erst noch auf dem nächsten Historienstammtisch in lockerer Runde erzählen.

Veröffentlicht in Lychener Stammtisch-Geschichten

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Die schöne Linde 05/24/2010 16:02



Mein liebster Joachim!!!!!


Ich zehre durchaus immernoch von unserem Sinn für Humor und lache mich in regelmäßigen Abständen schlapp. Und wie immer is es dir gelungen, den Schabernack in hervorragender Weise nieder
zuschreiben.


Viele Grüße, die lachende Linde



anais 05/24/2010 17:56



Hallo, meine liebe Linde! Ich freue mich, dass Du unseren gemeinsam ausgeheckten Streich gelesen hast. Allein wäre ich nicht auf die Idee gekommen. Ach, diese Jugend!! Hat nur Flausen im
Kopf. Ich habe mal auf WiKiKl geschaut. Das sind ja hübsche, originelle Kindersachen. Ist die ganze Website
Deine oder ist das der Betrieb, in dem du arbeitest? Ich hoffe, Du hattest ein schönes Pfingstfest. Freue mich schon auf den nächsten Streich mit Dir! Lach!


Liebe Grüße


Joachim



Katharina vom Tanneneck 04/24/2010 22:10



Ich würde jetzt auch nicht dorthin reisen. Es ist Krieg in Afghanistan! Und wir Deutschen sind daran beteiligt. Wie kann man einfach in ein Land einfallen und Menschen töten? Das ist keine
Verteidigung Deutschlands, das ist kalter Krieg. Ich bedaure die Menschen dort und wünsche Ihnen Frieden und Freiheit.


Deine Jutta hat sicher einen kleinen Schock bekommen. Ich hätte es auf keinen Fall für voll genommen! So ein Reisebüro hätte da mächtig Ärger. Immerhin kann man sein Reiseziel selbst aussuchen.
Ein bißchen beneide ich Dich um die kommende Reise. Es wird sicher sehr schön! Wie ich Dich kenne wirst Du sicher berichten und so habe ich dann auch etwas davon.


Liebe Grüße, Katharina  



anais 04/25/2010 17:26



Wir haben den Scherz auch schnell aufgeklärt. Klar! Kein Reisebüro bietet so etwas an.


Liebe Grüße


Joachim



xamantao 04/24/2010 20:43



Das war ein gelungener Scherz. Noch haben wir ja April, auch wenn der 1. schon lange vorbei ist.


Wann soll denn die Reise Richtung Aschewolke los gehen? Vielleicht kannst Du ja den Vulkan mit melodischer Stimme was vorsingen und somit "den Drachen" beruhigen? *grins*



anais 04/25/2010 17:14



Wir haben viel gelacht. Die Reise geht vom 28. Juni bis 10. Juli zum Nordkap über Schweden, Finnland und Norwegen.


Liebe Grüße


Joachim



Margot 04/23/2010 20:22



Joachim! Wie kannst du nur die arme Jutta so erschrecken! Aber wahrscheinlich ist sie es schon gewohnt von dir, dass du immer wieder Schabernack ausheckst.


Afghanistan ist ein schönes und schreckliches Land gleichzeitig, sagt der Lieblingsmann, der vor vielen Jahren einmal dort war. Bettelarm, aber die Menschen gastfreundlich und herzlich. Und
gewohnt daran, dass immer wieder alles anders wird. Aber als Frau würde ich dort nicht hinfahren wollen. Jetzt bin ich aber von deinem Thema abgekommen.


Liebe Grüße von Margot



anais 04/23/2010 21:42



Hallo Margot! Jutta ist solche Späße gewohnt. Ihr Sohn ist nicht viel anders. Na und die Enkelin erst!! Wir haben alle gemeinsam viel gelacht. Ich hatte selber einmal einen Dolmetscher-Kollegen,
der Afghane war. Schon deshal ist mir das Schicksal des Landes nicht einerlei. Ob die Europäer und Amerikaner dem Land Frieden bringen, wage ich zu bezweifeln. Das ist ein ähnlicher Fall, wie im
Irak. Traurige Welt!


Wir wollen aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Menschen dort bald in Frieden leben.


Liebe Grüße


Joachim