Melekeok- Hauptstadt ohne Stadt

Veröffentlicht auf von anais

Palau 186

 

Donnerstag, den 16. Februar 2012.

Wir setzen die Fahrt fort in Richtung Ostküste zu den Odalmelech Stone Faces, monolithischen Steingesichtern. Ich nehme das Anlitz von Odalmelech auf, einem palauischen Gott aus der vorkolonialen Zeit. Die Skulptur wird datiert aus der Zeit 895 nach Christus. Wenn ich mir den Namen dieser Gottheit so anschaue und überlege, muss ich an die phönizischen, altbilblischen, heidnischen Götter denken, deren Namen sprachlich ähnlich klingen. Vielleicht sind das noch Relikte aus der vorbabylonischen Zeit, wo die Menschen alle eine Sprache gehabt haben sollen. Das wäre was für Religionsforscher.

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Nach dem kurzen Aufenhalt bei Odalmelech setze ich mich wieder mal ans Lenkrad. Das Fahrzeug fährt sich gut aber etwas schwer. Jetzt geht es zur offiziellen Hauptstadt der Republik Palau, nach Melekeok. Wir haben darüber schon etwas gehört, haben allerdings keine genaue Vorstellung und sind gespannt. Wir wissen aber, dass Melekeok das Ergebnis einer politischen Entscheidung ist: Der Staat besteht aus vielen Inseln, die alle gleiche Behandlung erfahren wollen.  Palau  Das Wirtschafts- und Verwaltungszentrum, die Stadt Koror, liegt auf einer kleinen Insel gleichen Namens vor der Hauptinsel Babeldoab. Repräsentativ für alle Bewohner sollte das politische Zentrum, the Capital, auf der größten Insel errichtet werden. Diese Entscheidung traf das Parlament vor 1999.  Ab Oktober 1999 bis Oktober 2006 wurde Melekeok mit großzügiger finanzieller Unterstützung auf erhabener Stelle im Hochland von Babeldoab aufgebaut.

Noch einige Minuten und schon sehen wir den Wegweiser. Ich biege nach rechts ab. Wenig später taucht vor uns ein weißer Palast mit hoher Kuppel auf. Wir parken am Fuße der weiträumigen Anlage und gehen zuerst zur Gedenktafel, auf der vermerkt ist: Palau National Capital. Erbaut mit Krediten und Subventionen von der Republik China-Taiwan. Datum.

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Ich überlege: Der Begriff "Capital" verlangt ja nicht unbedingt, dass er eine Stadt mit einschließt. Solche Erwartungen werden nur durch unser deutsches Wort "Hauptstadt" geweckt. Wir laufen auf das beeindruckende Bauwerk zu. Es erinnert mich an das Weiße Haus. Wobei mir dieses sympathischer ist als das in Washington. Hier hat nämlich, wie Kent uns erzählt, das Parlament erst kürzlich gegen den Bau eines riesigen Golfplatzes auf Babeldoab gestimmt und damit verhindert, dass irgendwelche Reichhäusler die Natur und Landschaft verschandeln. Wahrscheinlich könnten die großen Industriestaaten von solchen Inselrepubliken wie Palau in Fragen Umweltschutz eine Menge lernen.

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Also hier befindet sich der Regierungssitz und das Parlament. Im rechten Seitengebäude hat wohl - salvo erro - der Oberste Gerichtshof sein Domizil.Die anderen Häuser drumherum sind Verwaltungsgebäude.

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Als wir an den Säulen vor dem Haupteingang verweilen, winkt Kent mir zu. Ich soll doch näher kommen: "Klopfe mal an die Säule!" Ich klopfe. Es klingt hohl. "That's plastic," lacht er. Wir finden das ebenfalls lustig. "Modernes Baumaterial,"meine ich. "Besser, die Plaste steht hier, als dass sie im Meer herumschwimmt." Mr. Cornflakes lsst ein zustimmendes "Yes!" erklingen. Wir bewundern die schöne Ornamentik an den Wänden und kehren zum Fahrzeug zurück. Frank setzt sich ans Steuer, denn nun geht es in den Dschungel ...

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Veröffentlicht in Taipeh Mikronesien und Palau

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xamantao 06/19/2012 19:59


Das sind interessante Sachen: Mir scheint, dieser Gott Odalmelech war ein Raubvogel. Vielleicht hat er seinen Schnabel zu weit aufgerissen und von seinem
Übergott ein drauf gekriegt? Oder er wollte was sagen, das ging nicht mit Krummschnabel, so dass ihm eine Art Mund gegeben wurde... Grübelgrübel... Und dann noch dieses altägyptische Relief eines
Reihers auf neumikronesischem Kunststoff. Aha.

anais 06/22/2012 10:19



So tiefgründig habe ich den Odalmelech und die Reiher gar nicht betrachtet. Ich weiß auch nicht, ob auf den Inseln Raubvögel als Gottheiten verehrt wurden. Wer weiß, von wem er eins drauf
gekriegt hat. Lach!



Katharina vom Tanneneck 06/11/2012 22:56


Hallo Joachim, hier bei uns würden sie sich darum schlagen einen Golfplatz bauen zu dürfen für die Reichen. Da siegt die Gier! Ich bewundere die Menschen dort, dass sie solche vernünftigen
Entscheidungen treffen. Die lieben Ihr Land noch und die Menschen!


Danke für die tollen Bilder den wunderbaren Bericht! 


Liebe Grüße, Katharina

anais 06/12/2012 08:10



Hallo Katharina! Hier bei uns hatten einige Hoteliers nach der Wende auch die Idee, golfplätze zu bauen. Da hat wohl der Naturschutz nicht mitgespielt. Wahrscheinlich fehlte dann auch noch das
Geld. Vielleicht klappt der Stadthafen in der überdimensionalen Größe ebenfalls nicht. Genehmigt ist er nämlich immer noch nicht.


Liebe Grüße


Joachim



Regina 06/11/2012 17:18


Ist ja irre das stimmen sie gegen einen Golfplatz der wahrscheinlich viele Reiche anziehen würde (warum auch immer grübel) zugunsten der Natur und um der Landschaft treu zu bleiben, das
scheint wirklich ein an der Natur interessiertes Völkchen zu sein  das gefällt mir, l G Regina

anais 06/12/2012 08:06



Hallo Regina! Gnau das finde ich auch so gut. Wir haben solche Luxusanlagen nicht gesehen. Ein paar große 5-Sterne-Hotels gibt es, aber nur in der Verwaltungsstadt Koror.


Liebe Grüße


Joachim



Reinhold.Einloft 06/11/2012 11:15


Meine Güte, ich weiß nichts von diesem Staat, stelle ich gerade fest - und hab erst mal in Wikipedia nachgeschaut. Wie bist du auf diese Idee gekommen, da hin zu fahren? Jedenfalls herzlichen
Dank für das illustre Auffrischen meiner Wissenslücke.


Eine schöne Woche wünsche ich dir. Beste Grüße aus dem bewölkten Tal, 


RE

anais 06/11/2012 13:32



Hallo RE! Palau gehörte zu unserer Reise "Taipeh, Guam, Mikronesien, Palau". Ausgesucht hat diese Ziele Frank (Mr. Cornflakes). Ich wusste von all' den Inseln außer Guam früher auch nichts.
Siehst Du, und jetzt kennen wir sie - allerdings noch nicht genug. Ich habe den Link "Palau" hineingesetzt, weil ich die Inseln am Anfang immer vorgestellt habe. Hier im Kommentar kann ich den
Link nicht setzen, weil das wieder mal bei over-blog nicht funktioniert. Danke, dass Du Dir das angeguckt hast. Du hast ja oft auch so viel Neues, was ich nicht weiß.


Herzl. Gruß


Joachim