Mit Emma und Britton auf Entdeckungstour, Teil II

Veröffentlicht auf von anais

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An diesem Dienstag, dem 17. 01. 2012 geht unsere Tour nach dem ersten Wasserfall weiter nach Süden. Wir fahren auf der östlichen Seite die Insel hinunter durch eine fantastische Landschaft mit Hügeln, Bergen, schroffen Felsen und dichten Wäldern. Uralte Bäume hängen voller Lianen, Epiphyten in den Ästen.

Es ist früher Nachmittag. Die Kinder kommen aus den Schulen. Wir fahren an mehreren vorbei. Hier und dort stehen neue Kirchen mit dem christlichen Kreuz am Giebel. An einem kleinen Verkaufskiosk halten wir an, weil wir Durst haben und gerne Cola trinken möchten. In einem der Regale sehen wir Plastikdosen mit der Aufschrift "Mr. Noodles". "Oh," rufe ich ganz begeistert, "Mr. Noodles, der Name passt zu mir!" Frank hat ja seinen Spitznamen seit heute morgen beim Frühstück schon weg. Er hatte nämlich mit Bedauern festgestellt, dass es im Hotel keine Cornflakes gibt, die er doch so leidenschaftlich gerne isst. So gaben Emma, Britton und ich ihm den feinen Namen "Mr. Cornflakes". Die Kanadier nennen ihn von da ab nur so. Vor allem Emma ruft ihn immer wieder mit starker Betonung: "Mr. Cornflakks". Zum Glück sollte ich nicht allzu oft mit "Mr. Noodles" tituliert werden. Vielleicht mit Respekt vor dem Alter. Lach!

Erfrischt gehen wir jetzt auf die Suche nach den Petroglyphen. Wir bezahlen wieder unsere Eintrittsgebühr in das Privatland. Von einem Mädchen und einem Jungen lassen wir uns über steinige Wege und starke Wurzeln zu den in Fels geritzten Zeichen führen. Wir entdecken sie auf einem Granitplateau. Es sind Symbole aus prähistorischer Zeit und Beweis dafür, dass die Inseln schon vor tausenden von Jahren besiedelt waren.

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Vorsichtig treten wir wieder den Rückweg an. Ich laufe als Letzter. Plötzlich stolpere ich über eine Wurzel, falle und schlage voll mit dem Hinterkopf auf einen Stein. Mein Schädel dröht. Er blutet aber nicht. Frank und meine zwei Kanadier sind erschrocken und besorgt. Ich winke und sage: "Ist nichts. Alles o.k." Was ja wohl in Wirklichkeit nicht ganz stimmt. Es geht weiter. Die beiden Kleinen bekommen noch jeder einen Dollar.

Dann setzen wir unsere Erkundungsfahrt fort noch weiter nach Süden, zum Sahwartik-Wasserfall. Die Wege werden immer beschwerlicher. Der Asphalt endet. Wir kommen auf einen lehmigen Waldweg. Auf und ab gehts! Britton muss seine ganze Fahrkunst unter Beweis stellen. Wir kommen an eine moderne Schule vorbei. Der holperige Weg führt immer weiter ins Innere. Uns kommt eine Kindergruppe entgegen. Emma lässt halten und fragt auf Englisch nach dem Wasserfall. Alle süße Fratze.

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Unter den Kindern beginnt eine heftige Diskussion in der Inselsprache, die für uns sehr melodisch klingt. Schließlich meint einer, wir sollten zurück zur Schule fahren. Nur dort könne uns jemand den Weg zum Wasserfall zeigen.

Wieder zurück. Vor der Schule treffen wir eine blonde Lehrerin. Es ist Natascha aus Kasachstan, die dort für zwei Jahre unterrichtet. Wir sprechen Englich und Russisch. Wahrscheinlich ist es die Direktorin, die uns einen Schüler mitgibt, der uns den Weg zeigen soll. Der Kleine ist schüchtern und redet nicht viel. Wir sind also viel zu weit gefahren. Hinter der Hütte, wo seine beleibte Mutter mit mehreren Kindern lebt, ist der Abstieg zum Wasserfall. Sein Bruder, der dreizehnjährige Zigarrettenraucher, kassiert 5 Dollar pro Person. Das scheint uns zuerst ein bischen zu viel. Später aber sollte sich zeigen, dass sich die Jungen ihr Geld redlich verdient hatten.

Jetzt beginnt der Abstieg. Das kennen wir ja schon. Aber was wir hier vor und unter uns zu liegen haben, ist der absolute Hammer! Der Berghang ist viel höher. Das Tal liegt viel tiefer, und der Pfad verläuft fast steil nach unten. Vom Wasserfall weit und breit nichts zu sehen. Nur 20 bis 30 cm ist der Pfad breit. Wir müssen höllisch aufpassen, um nicht zu stürzen. Unter uns der tiefe, grüne Abgrund. Ohne auszugleiten geht es wohl nicht. Der Erste, der fällt, ist Frank. Mich ereilt ein ähnliches Schicksal später in einem weitaus schlimmeren Zustand. Wir brauchen noch fast eine Stunde für diese Kletterei. Die Jungs sind das gewöhnt und sputen voran. Ich denke nicht mehr im Entferntesten daran, zu fotografieren.

Unten im Tal angelangt, ist alles voller Geröll. Zwischen großen Steinen fließt glasklares Wasser. Wir müssen durch den Fluss über Steine, Wurzeln, Stämme und Äste steigen. Fast sind wir am Ziel. Vielleicht sind wir noch 10 Minuten entfernt, sehe ich den Wasserfall immer noch nicht. Ich bin am Ende!!! Alle Knochen schmerzen. Frank sieht das und sagt: "Wenn Du nicht mehr weiter kannst, gehe zurück, lege Dich in das kühle Wasser und warte, bis wir wiederkommen." Ich nicke nur und versuche umzukehren.

Wieder klettere ich über Steine und Äste, dann durch höhes Gestrüpp. Ich finde den Pfad nicht mehr. Beklemmung lähmt mich. An einer tiefen Wasserstelle ziehe ich mich aus und lege mich, total überhitzt, in das kühle Gebirgswasser. Vorsichthalber spanne ich mein buntes Badehandtuch über trockene Äste. Damit die Anderen mich sehen und mich nicht einsam hier zurücklassen. Das erfrischende Nass, einfach herrlich! Ich weiß nicht, wie lange ich da gelegen habe. Über eine halbe Stunde wenigstens. Endlich kommen sie zurück und sammeln mich auf. Emma meint: "Back, it's easier. Come on!" Erneut erschöpft, komme ich an der Hütte des dreizehnjärigen Rauchers als Letzter oben an. Emma macht zum Abschluss ein Gruppenfoto. Wir reden nicht viel miteinander. Britton fährt zurück, denn es wird bald dunkel. Zurück geht's an der Westküste entlang in Richtung Colonia zum "Village Hotel".

Den Sahwartik-Wasserfall habe ich nicht gesehen.

Es ist Dinner-Zeit. Ich bestelle mir eine Mangrovenkrabbe für 12 Dollar, sehe aber nicht, das es der Preis für ein Pfund ist. Die Krabbe hat zwei Pfund, also 24 Dollar. Mit einem Holzhammer muss ich das knallrote Riesending knacken, eine schöne Überraschung. Der Tag voller Abenteuer klingt sehr fein aus: Britton spielt auf seiner Gitarre und singt. Der junge einheimische Kellner Mc Keen singt in seiner Sprache und in Englisch mit wunderbarer Stimme.

P.S.: Vom Abstieg zum letzten Wasserfall habe ich keine fotos reingestellt, weil ich keine gemacht habe. Ich hoffe, Frank hat welche oder Emma, Wenn ich sie bekomme, setze ich sie nachträglich rein.

 

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Und hier die Bilder, die mir unsere kanadische Freundin Emma auf Facebook gepostet hat:

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Veröffentlicht in Taipeh Mikronesien und Palau

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xamantao 03/28/2012 19:54


Wem sagst Du das *seuftz*. Du kennst mich ja. Man könnte mich auch "Mrs. Noodles" nennen, auch "Frau Kartoffelchips" - alle Sorten durchgetestet. *lach*


 

anais 03/30/2012 19:33



Hallo Xammi! Ein guter Appetit ist ein Zeichen guter Gesundheit. Und die wollen wir uns doch erhalten. Also-Bon Appetit.


Liebe Grüße


Joachim



xamantao 03/26/2012 03:24


Ei, da war ich etwas verwirrt - sorry.

anais 03/28/2012 16:03



Macht nichts! Alles Dickmacher. Lach!



xamantao 03/22/2012 19:29


Also, ich bin froh, lieber Mr. Cornfläkks, dass Du heile wieder daheim bist. Das war ja sehr strapaziös. So kannst Du wieder in deinem Reich der sieben Seen schalten und walten.


Liebe Grüße!

anais 03/23/2012 19:50



Hallo Xammi! Oh, oh, Mr.Cornflakks ist doch Frank. Ich bin Mr. Noodles. Lach! Ich schalte und walte schon wieder an einem der sieben Seen. Ich danke Dir für die guten Gedanken.


Liebe Grüße


Joachim



xamantao 03/18/2012 20:01


Hallo Joachim, Du bist schon ein As, solche Anstrengungen auf Dich zu nehmen! Ich denke, Du hast bestimmt danach noch genug gesehen, was Dich für den unbekannt bleibenden Wasserfall entschädigt
hat.

anais 03/19/2012 19:29



Hallo Xammi! Natürlich habe ich viel fast unberührte Natur gesehen, denn dorthin gehen nur wenige Touristen. Aber vor allem habe ich Steine, Steine...gesehen. Lach!


Liebe Grüße


Joachim



Mr.Cornflacks 03/14/2012 18:50


Ich ziehe Meinen Hut vor Dir +muss sagen, nicht jeder in deinem Alter ist so Abenteuerlustig wie Du,das mag ich so an Dir+es war wirklich ein sehr anstrengender Weg. Es war der reinste Dschungel
in dem wir waren +es war traumhaftschön+göttlich.


Liebe grüsse Mr.Cornflacks

anais 03/14/2012 20:01



Hallo Mr. Cornflacks! Das sind sehr nette Worte. Es ist der Wissensdurst, der mich fast alle Hindernisse überwinden lässt, falls ich nicht schlapp mache. Schlipp,schlapp!


Liebe Grüße


Mr. Noodles