Mit Wendel zur Apotheke

Veröffentlicht auf von anais

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Montag, den 30. Januar 2012.

Heute soll ich meine Antibiotika von der Apotheke abholen. Gleich nach dem Frühstück frage ich an der Rezeption nach einem Fahrzeug. Ich müsse mich gedulden, der Fahrer sei mit einer Touristengruppe unterwegs. Schwer zu sagen, wann er zurück kommt, erhalte ich zur Antwort. Also warte ich bis zum Nachmittag.

Frank besucht am Vormittag die Adventisten-Schule. Um 14.00 Uhr frage ich noch einmal wegen des Autos nach. Es ist immer noch kein Pkw da. Ich erzähle die Misere unserer Freundin Reidun am Strand. "Gehe zur Schule! Ich schreibe eine Mitteilung, dass sie Dich mit dem Schulbus mitnehmen in die Stadt." Reidun schreibt einen Zettel an Hatti, eine Angestellte der Schule.

Kurz vor halb Drei mache ich mich auf den Weg. Die Seventh-Day Adventist School liegt vor unserem Hotel an der Straße.

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Hatti sitzt neben dem Büro des Principals (Direktor). Sie versteht sofort,worum es geht, ist sehr nett und bedeutet mir, der Schulbus sei defekt. Aber gegen 15.00 Uhr könne ich mit einem Pkw mitfahren.

Die Lehrer Rose und Alfredo steigen zusammen mit drei Schulkindern ein. Nun kommt der Fahrer, ein Filippino. Es ist Wendel, ebenfalls Lehrer. Ich setze mich zu ihm auf den Beifahrersitz. Wir erzählen ein bischen über uns.

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Über den holperigen Damm steuern wir zuerst verschiedene Stellen an, u. a. auch ein Büro der Sozialversicherung. Unterwegs steigen die Schulkinder aus und gehen nach Hause. Alfredo, ein kluger, humorvoller Kopf, zeigt mir den Supreme Court,  den Obersten Gerichtshof von Chuuk:  "Nacional delicts will be treated here, local delicts at the hospital". (Nationale Vergehen werden hier behandelt, lokale Vergehen im Hospital). Das scheint ziemlich hintergründig zu sein, weil er kräftig dazu lacht.

Jetzt wird der Weg zum Krankenhaus eingeschlagen. Alfredo und Rose haben einen Termin bei der Schwangeren-Vorsorge. Ich gehe indessen zum Schalter der Apotheke. Die Angestellte verweist mich zum nächsten Schalter, weil ich dort erst einmal meine 10 Dollar zu entrichten habe. Mit Quittung und Rezeptschein gehe ich wieder zurück im guten Glauben,jetzt bekäme ich meine Pillen. Es geht aber streng der Reihe nach. So habe ich 20 Minuten zu warten, bis ich meine Antibiotika erhalte.

Schnell laufe ich raus und suche unser Auto. Wendel hat es etwas abseits geparkt. Er winkt mir zu, und unsere vergnügliche Fahrt geht weiter zu einem Mann, der Major genannt wird. Alfredo läuft auf den beleibten Herrn zu und begrüßt ihn freundlich mit "Hi, Major!" Der geht mit ihm und Rose in den Innenhof des Gebäudes, das zum Department of Agriculture gehört. Das steht nämlich außen dran. Ich folge ihnen neugierig nach.

Und was sehen meine Gärtneraugen? Zahllose Gemüsejungpflanzen stehen auf langen Tischen aufgereiht: Tomaten, Auberginen, Okra, Maniok und vieles mehr. "Alles frei," meint Alfredo zu mir. "Wie kann der Major denn leben,wenn er alles frei abgibt," frage ich. "Das ist eine Werbeaktion des Landwirtschaftsdepartements, damit die Bewohner der Insel zu Hause Gemüse anbauen. Aber es wird wenig genutzt. Die Leute essen lieber Chicken und Porc. Schlechtes Ernährungsverhalten," erklärt mir Alfredo.

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Wendel nimmt sich Tomatenpflanzen mit, Alfredo und Rose Tomaten, Auberginen und eine Kohlart. Alles in allem eine gute Aktion , aber zu wenig Zuspruch.

Wir setzen die Fahrt fort zur Telecom-Niederlassung, der einzigen Stelle, an der man Geld mit der Visa-Card abheben kann.

Es geht weiter zum College, das hier den Rang einer Universität hat. Hier wollen wir zwei Lehrerinnen abholen. Ich schieße ein paar Fotos.

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Alfredo zeigt auf die japanischen Schiffswracks, die in Sichtweite vor dem Ufer liegen. Sie liegen immer noch so da, wie sie versunken sind.

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Unsere letzte Station ist ein Supermarkt. Alle kaufen ein. Ich nehme Milch, Brot und Getränke mit. Als wir wieder zurück sind, fährt mich Wendel bis vor unser Haus. Ich bedanke mich bei ihm und stecke ihm 5 Dollar zu. Die hat er am folgenden Tag in der Schule abgegeben.

Ich komme an unsere Appartement. Es ist abgeschlossen. Mr. cornflakes ist ausgeflogen. So stehe und warte ich eine halbe Stunde. Jetzt taucht er auf. Er hat den Sonnenuntergang mit dem Camcorder aufgenommen. Wie schön!

Was sagt man dazu auf chuukisch? Kilisou chapur! Vielen Dank!

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Katharina vom Tanneneck 04/12/2012 23:13


Hallo Joachim, recht abenteuerlich aber Du hast wenigstens Dein Antibiotika bekommen. Das mit den Pflanzen finde ich toll. Warum die Leute es so wenig nutzen ist mir schleierhaft. Na ja, wir
wissen wie gut selbst angebautes Gemüse schmeckt. 


Liebe Grüße, Katharina

anais 04/13/2012 18:58


Hallo Katharina! Die Fahrt zur Apotheke mit den Lehrern hat mir gut getan, weil ich Einiges mehr gesehen habe. Zu den Pflanzen des Landwirtschaftsdepartement wäre ich allein nich hingekommen. Auch
die Wracks sind uns von der Straße aus vorher nicht aufgefallen. Die Leute aus der Schule waren sehr gut zu mir. Eigenes Gemüse bauen wir wieder an. Habe schon meinen Paprika und Auberginen ins
Gewächshaus gepflanzt. Hoffentlich vertragen sie die Kühle. Liebe Grüße Joachim