Noni - die widerliche "Wunderfrucht"

Veröffentlicht auf von anais

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Noni (Morinda citrifolia, L.), auch "Indische Maulbeere" genannt. Foto: J. Hantke.

 

Als wir an einem Tag zur Mittagszeit von Fisher"s Finn die lange Asphaltstraße entlang in das Zentrum von Koror wanderten, ließen wir uns Zeit und schauten uns die wild wachsenden Bäume und Kräuter am Wegesrand an.

Violett blühende Winde, winzige weiße Blüten und nesselartige Gewächse wechselten mit dem überall blühenden roten Hibiscus ab. Kleine schwarze Vögel flogen auf und hinein in weiter entfernt stehende Frangipani-Bäume.

Ich wechselte hinüber zur rechten Seite, die sich an einer Meeresbucht entlang zog. Auf einer Geröllhalde am Ufer erblicke ich einen dunkelgrünen, strauchigen Baum. Zuerst glaubte ich, es wäre eine Zitrusart. Aber die hühnereiergroßen, grünweißen Früchte passten nicht dazu. Am Wasserfall hatte uns unser Guide schon einmal diese Frucht erklärt, als ich ihn danach fragte. Allerdings war sie noch nicht ausgewachsen und daher unscheinbar. Es war die Noni-Frucht. Ich wusste daher Bescheid und freute mich über diese große Entdeckung hier.

"Gucke mal hier, Mr. Cornflakes", rief ich Frank zu. "Noni - die Wunder tuende Frucht aus der Südsee!" Ich erzählte ihm kurz, was ich wusste: Kurz nach der Wende bekam ich einen Brief von einem mir unbekannten Absender. In dem Schreiben mit farbigem Werbematerial wurde Noni als heilbringendes Mittel angepriesen. Mich interessierte das, denn man kann ja nie genug gesund leben. Im Reformhaus war der Saft - nicht gerade billig - pur oder mit Himbeergeschmack erhältlich. Ich kaufte mir eine kleine Flasche pur und eine größere mit Geschmack. Pur schmeckte der Saft nicht. Naja, ein Naturheilmittel. Mit Geschmack wie Himbeersaft.

Zu Hause las ich noch einmal im Werbematerial, wofür das alles gut ist: Kräftigung des Immunsystems, gegen verschiedene Leiden und Knochen stärkend.

Außerdem war eine kurze Darstellung der Entdeckung dieser Frucht zu lesen. Amerikaner, die ja überall im Auftrage von Konzernen bei den Naturvölkern nach Heilkräutern suchen, kamen nach Tahiti und Bora Bora und wunderten sich, welch' sagenhaftes Alter Männer und Frauen dort erreichen. Vor allem die 100jährigen Männer erfreuten sich rundum bester Gesundheit und Manneskraft. Das Geheimnis war die Noni-Frucht, ihr Saft, die Blätter und die Rinde des Baumes. Bald darauf erfolgte die weltweite Vermarktung.

Nun sei aber empfohlen, dass sich jeder, der daran interessiert ist, erst einmal bei Wikipedia kundig macht. Ich konnte das damals nicht, weil ich noch keinen PC hatte.

Kurz und gut. Frank erzählte ich das nicht alles in der drückenden Hitze. Wir schritten zur Tat!

Ich pflückte für jeden eine große, reife Frucht ab. Wir mussten sie einfach mal probieren. Fast gleichzeitig bissen wir kräftig rein in das saftige Fruchtfleisch. Ich stoppte sofort. Frank spuckte alles wieder in hohem Bogen aus: Iii, wie scheußlich! Mir wird schlecht!" "Grauenhaft", spuckte auch ich.

Dieser Geschmack war so widerlich, dass er kaum zu beschreiben ist. Eine Mischund aus sauer, ranzig und faulem Käse!

Frank warf den Rest in hohem Bogen ins Wasser. Ich zögerte und sagte dann: "Den Rest stecke ich in diese Plastetüte hier, weil ich den Samen haben möchte. Zu Hause können wir doch Pflanzen anziehen wegen der heilkräftigen Blätter." Frank fand das nicht besonders gut.

Und wirklich. Er hatte Recht. Die frischen Samen mussten immer draußen liegen in einer Muschel, denn sie verbreiteten noch lange einen aufdringlichen Gestank. Jetzt liegen sie hier, in Lychen. Soll ich sie denn aussäen und als Jungpflanzen an den "Tagen der Offenen Gärten" meinen Gästen anbieten?

 

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Veröffentlicht in Taipeh Mikronesien und Palau

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Archi 07/10/2012 09:11


Guten Morgen Xamantao


Danke schön. Das ist lieb von dir.


lg Uli

Archi 07/10/2012 09:10


Guten Morgen Joachim,


Ich denke oft nicht daran, dass andere Spaß haben könnten weg zu gehen


Nun, danke für deine Erklärung.


lg Uli

anais 07/10/2012 16:31



Hallo Uli! Wir waren mit dem Pkw in der Kreishauptstadt Prenzlau und haben das alte Dominikanerkloster besucht mit historischen Ausstellungen. einen Maler aus dem 19. Jhd. aus unserer Region
haben wir dort entdeckt. Zeit der Romantik. Die Wochenendtage waren hier heiß.


Liebe Grüße


Joachim 



xamantao 07/10/2012 04:41


@ archi. Liebe Uli, habe mit großem Interesse die Ausführungen bezüglich Vitamin A gelesen. Danke. Gruß, Xamantao

anais 07/10/2012 16:21



Ich freue mich, dass mein Blog für euren Gedankenaustausch nützlich ist. Hatte ich vorher noch nicht so direkt.



xamantao 07/10/2012 04:20


Ich würde es mal versuchen mit dem Samen. "Manneskraft", damit kannst Du Deine Kasse füllen. Es gibt jede Menge widerliche Sachen, die Männer zur Stärkung zu sich nehmen, und wofür Tiere sterben
müssen. Nashorn, Tiger, Haie. Hier muss kein Tier leiden.

anais 07/10/2012 16:19



"Manneskraft" zieht natürlich immer. Aber es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen, und nichts ist richtig bewiesen. Mich halten die Leute vielleicht eines Tages für einen Scharlatan, wenn ich
die Nonipflanzen für Manneskraft verkaufe. Wer weiß, was sie dann mit mir anstellen?! Stimmt, viele Tiere werden vor allem in China für einen solchen Unsinn getötet. Aber die Leute glauben daran,
leider.



Archi 07/09/2012 20:19


Hallo Joachim


Schade, ich hätte eine Resonanz erwartet. Macht nichts, bin lernfähig.

anais 07/09/2012 21:12



Hallo Uli! Ich bitte dich um Nachsicht mit mir, weil ich auf Deinen vorigen ausführlichen Kommentar zur schädlichen Wirkung von zu vielem Vitamin A noch nicht geantwortet habe. Ich war am
Wochenende nicht längere Zeit am PC, weil ich Besuch hatte. Wir waren unterwegs. Erst heute ist wieder etwas Ruhe eingekehrt.


LG Joachim