Schwengelschaukeln

Veröffentlicht auf von anais

Lychener Pumpen 001
Im Vordergrund die Schwengelpumpe in der Nähe der Stargarder Tores.
Foto: Alte Ansichtskarte.

Auf dem Pumpenschwengel schaukeln gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. An heißen Tagen in den langen Sommerferien liefen wir die Straße entlang ein paar Häuser weiter, und dort stand "unsere Schwengelpumpe". Sandalen aus! Einer nahm den eisernen Schwengel, und schon schoß das kalte Nass auf unsere Füße. Köstlich und erfrischend schmeckte das Brunnenwasser. Einer setzte sich über den Griff, und der andere pumpte kräftig auf und ab. Dann wurde gewechselt und dabei laut gejohlt und gelacht. Kam aber ein Erwachsener, um frisches Wasser im Eimer zu holen, gab es erst einmal tüchtige Schelte, denn die Pumpe war nicht zum Spielen da! Na - lachend und erfrischt zogen wir von dannen.
Diese Erinnerung hat mich bewogen, einmal unter den Lychenern nachzufragen, wo wir bis in die 60er Jahre hinein öffentliche Schwengelpumpen hatten. Wir nehmen an, innerhalb und am Rande der Stadt waren es sicherlich 12 an der Zahl. Hinzu kommen noch vier natürliche Quellen im Ort, von denen zumindest eine immer noch aus den Grundmauern eines Hauses fließt. Das Wasser ist stark eisenhaltig und hat den älteren Eimer rostig gefärbt. Pumpen und Quellen waren vor allem in den kalten Wintern der Nachkriegszeit lebenswichtig, wenn die Wasserleitungen in den Häusern zugefroren waren. Männer und Frauen standen dann Schlange vor der Quelle am Wolfschen Haus.Lychener Pumpen 004
Das reine Pumpenwasser nutzte u. a. auch die Lychener Limonadenfabrik. Die Töchter des Herstellers Wilhelm Lubitz mussten täglich die Wassereimer schleppen.Zum Glück stand diese Pumpe direkt vor ihrem Haus. Mit der Einrichtung der modernen zentralen Wasseranlage in der DDR-Zeit und wohl auch aus hygienischen Gründen wurden unsere beliebten Schwengelpumpen demontiert. Schade eigentlich, denn sie waren ein hübscher Anblick und nicht selten Ort eines nachbarschaftlichen Plauschs. Auf meiner Page "Lychen hatte eine Löwenkopfquelle" steht alles geschrieben, was ich über die Geschichte der Schwengelpumpen und Quellen herausgefunden habe.link
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xamantao 02/20/2010 05:38


Ich entdecke solche Schwengelpumpen in vielen Schrebergärten. Da werden sie für die Bewässerung benötigt und sind wohl erlaubt. Viele mögen diese alten Geräte und sie sehen in einer
Kleingartenanlage auch sehr dekorativ aus.


anais 02/20/2010 09:22


In der Stadt stehen diese moderneren, eisernen Pumpen heute auch zur Dekoration. Aber die alten, hölzernen waren schöner.


Margot 02/19/2010 18:32


Diese Pumpen sind mir auch noch in Erinnerung, nicht bei uns in der Stadt, aber auf dem Land gab es die noch lange. Ich glaube, das ist noch gar nicht  so lange her, dass sie verboten wurden
wegen irgendwelcher hygienischer Bedenken. Mitte der 90er vielleicht. Da gab es einmal einen Fall mit verschmutztem Grundwasser, weil irgendein Landwirt seine Gülle nicht in die Güllegrube geleitet
hatte, ein paar Leute bekamen Bauchweh, und das war das Ende der Wasserpumpen. Jetzt kann man sie nur mehr im Museum bewundern.
Liebe Grüße von Margot


anais 02/20/2010 09:04


Die Vermutzung des Grundwassers muss doch wohl erst in der neueren Zeit passiert sein. Eigentlich schade. Hier hatten die alten Pumpen in Straßen und auf Plätzen einen Holzmantel und waren meistens
grün angestrichen.
Liebe Grüße
Joachim


Katharina vom Tanneneck 02/18/2010 23:21


Ich zum Glück nicht! Ich war ein Mädchen! Hmm ... bin ich immer noch! Lach!


anais 02/19/2010 10:57


Ach!!! Da hast Du aber was verpasst! Lach!


Katharina vom Tanneneck 02/18/2010 01:07


Wieder eine schöne Geschichte! Ich kann mich auch noch daran erinnern wie wir früher unser Wasser vom Brunnen geholt haben. Damals war man darüber froh, einen Brunnen in der Nähe zu haben.
Allerdings hatten wir keinen Brunnen mit einem Löwenkopf aber ich glaube, es existieren noch Bilder.
Liebe Grüße,
Katharina


anais 02/18/2010 16:25


Ich musste als Junge oft einen Eimer Wasser von der Pumpe holen, vor allem zum Kaffee- und Teebrühen.