Sonntagsbesuch im Hospital

Veröffentlicht auf von anais

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Sonntag, den 29. Januar 2012.

Nach der gestrigen abenteuerlichen Mopedfahrt soll uns der heutige Sonntag zu Entspannung dienen. Wir verbringen den Vormittag am Palmenstrand beim Sonnen und Schwimmen. Zu Mittag speisen wir von unseren eigenen Vorräten. Ich möchte mich im mit Air-Condition temperierten Zimmer ein wenig aufs Ohr legen und danach noch ein bischen lesen. Frank will wieder zurück zu seiner Liege laufen, denn er ist ein absoluter Sonnenanbeter.

Als ich mich auf's Bett lege, schaue ich mir wieder meine Fußsohle an und sehe, das sie stark gerötet ist.  Frank ist noch nicht draußen. Ich zeige ich ihm die Wunde: "Gucke mal, das sieht doch nicht gut aus. Mir scheint, das hat sich entzündet. Sieht auch geschwollen aus." Mr. Cornflakes, gelernter Krankenpfleger, runzelt die Stirn: "Jetzt haben wir eine Sepsis! Das muss behandelt werden. Draußen ist Reidun mit jungen Leuten von der Schule. Wir wollen zu ihnen gehen und sie um Rat fragen." "Ja,das wird das Beste sein," entschließe ich mich, und wir laufen um das Haus herum zum Palmenstrand.

Ich zeige unserer norwegischen Freundin den Fuß. Eine junge chuukische Krankenschwester ist dabei und gibt mir den Rat, damit zum Hospital zu fahren. Dort hätten sie auch sonntags Sprechstunde für dringende Fälle. Frank meint, wir sollten gleich zur Rezeption gehen und um ein Auto bitten, das uns zum Krankenhaus hoch fährt. Reidun bietet die Hilfe von Mitarbeitern der Schule an: "Wenn das Hotel kein Auto hat, geht zur Schule. Sie fahren Euch auch zum Hospital." Dieses erste Mal war es nicht nötig, aber in den nächsten Tagen sollte ich mich über Hilfsbereitschaft der Lehrer aus der Adventisten-Schule sehr freuen.

Jimmy, der Hotelrezeptionist, hat Zeit,der Wagen steht auch startbereit vor dem Hotel. Gegen 15.00 Uhr fahren wir los. Mr. Cornflakes begleitet mich. Schließlich ist er vom Fach und sieht schon harten Pflegezeiten entgegen.

Es geht die stuckerige Hauptstraße entlang. Im Zentrum biegen wir rechts ab einen Hang hinauf. Auf dem Plateau steht das große Flachgebäude, das wahrscheinlich schon dreißig Jahre auf dem Buckel hat und - wer weiß, wie viele Patienten schon gesehen hat.

Durch einen langen Seiteneingang kommen wir zur Ambulanz. Voller Spannung, was mich gleich erwartet, schiebe ich den zweiflügeligen Gummivorhang auf, und wir gelangen ins Sprechzimmer. Ein fensterloser Raum, von Leuchtröhren erhellt. Drei fahrbare Betten stehen in der Mitte. Auf dem an der rechten Wand sitzt ein Chuukese, ein Mitleidender, und wartet, bis er abgefertigt wird. Arzthelfer oder Pfleger sind beschäftigt.

Ein junger Mitarbeiter mit blankem Haupt, Filippino, nimmt meine Personalien auf, wickelt den Verband ab und säubert den Schnitt. Jetzt geht der Gummivorhang auf. Eine stattliche Ärztin und ein noch stattlicherer Mann stellen sich vor. Die hübsche junge Frau ist Samoanerin, ihr Mann stammt aus Chuuk, ebenfalls Mediziner.

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Freudlich fragt sie mich, woher wir kämen, und weshalb wir hier auf Weno sind. Frank antwortet genau,sagt auch, dass er gelernter Krankenpfleger ist. "Oh, that's good," lacht sie, so können Sie täglich morgens und abends die Wunde säubern und neu verbinden. Mr. Cornflakes ist einverstanden.

Die Ärztin gibt Anweisung zu einem Abstrich. Ich werde wieder verbunden. Wir erhalten die notwendigen Zutaten für die häusliche Weiterbehandlung und zwei Antibiotika-Tabletten.Eine für heute,eine für morgen. Am Montag soll ich mir die Restlichen für eine Woche hier in der Apotheke mit dem Rezept abholen.

Ich bedanke mich bei der Ärztin, frage, was die Behandlung kostet und habe schon meine Reiskrankenversicherung in der Hand. Da fällt mir ein, hier habe ich zu zahlen, und in Deutschland muss ich mir von der Versicherung den Betrag erstatten lassen.

Die Ärztin überrascht mich, denn sie sagt: "Die Behandlung ist bei uns kostenlos. Sie zahlen nur 10 Dollar in der Apotheke." Am Donnerstag möchte ich mich noch einmal zur Vorstellung einfinden: "Die Wunde wird in den nächsten Tagen heilen. Verbringen Sie die Tage etwas ruhiger. Nach einer Woche können sie wieder marschieren.

Wir verabschieden uns und ziehen beruhigt von dannen.

Mr.Cornflakes hat von nun an eine verantwortungsvolle Aufgabe.

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xamantao 04/11/2012 21:20


Ein Glück, dass Du in guten Händen warst - sowohl im Hospital, als auch bei Frank (ihm sei Dank)!

anais 04/12/2012 22:11



Ja,liebe Xammi, sie haben dafür gesorgt, dass ich später wieder gut zu Fuß war. Lach!


Liebe Grüße


Joachim



Katharina vom Tanneneck 04/10/2012 23:08


Hallo Joachim,


Du hast aber wirklich ein Pech gehabt in diesem Urlaub. Aber auch wieder Glück, so nette Helfer zu finden. Es war auf jeden Fall gut, zum Arzt zu gehen! Na ja, Du hattest ja fachliche Hilfe, die
aufgepasst hat, zum Glück.


Es ist doch erstaunlich, dass die Arztkosten dort vom Staat finanziert werden. So sollte es hier in unserem Land auch sein. Aber hier wird nur geschaut, wieviel Geld man einnehmen kann und manche
Operationen sind überflüssig. Das war früher mal anders! Da waren die Krankenhäuser staatlich und man mußte keinen Gewinn machen.


Bin schon gespannt wie es weiter geht. Aber da Du ja gesund und munter wieder in Lychen bist, muß ich mir keine Sorgen machen. Das ist gut! 


Liebe Grüße, Katharina

anais 04/12/2012 22:02



Hallo Katharina! Das hat mich auf Chuuk wirklich beeindruckt, das für den Arztbesuch keine Kosten erhoben wurden. Bei uns machen die Krankenkassen hohe Gewinne, senken aber nicht die Beitrage und
schaffen auch nicht die Quartalsgebühr ab. Bei uns wird abgezockt.


Liebe Grüße


Joachim