Templins 1735 Meter lange Stadtmauer

Veröffentlicht auf von anais

Die uckermärkische Stadt Templin, mindestens dreimal so groß wie Lychen, hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Beeindruckendstes Wahrzeichen ist wohl die bis in die heutige Zeit völlig intakte mitteralterliche Wehranlage. Mit 1735 Metern Länge zählt sie zweifellos zu den besterhaltenen Stadtmauern in Deutschland.. Ich werde versuchen, in einer neuen Kategorie "Interessantes aus Templin und Umgebung", diese schöne Stadt mit ihrem vielseitigen Leben in lockerer Folge darzustellen. Deshalb beginne ich heute mit der von vielen Besuchern immer wieder bestaunten gewaltigen Stadtmauer. Ab 1314 bauten die Templiner ihre Wehranlage und brauchten 100 Jahre bis zu ihrer Fertigstellung. Unterbrochen wurde der Mauerring ursprünglich nur durch drei Stadttore, die ebenfalls erhalten sind, und 54 Wiekhäusern, von denen noch 50 - teilweise verändert - zu sehen sind. Als Baumaterial wurden die damals zahlreich vorhandenen eiszeitlichen Findlinge benutzt. An einer Stelle ist sogar ein bronzezeitlicher Mahltrog sichtbar eingemauert. Wahrscheinlich aus der Zeit ab 2000 vor Christi. Heute eine Attraktion. Auf dem ohne Mörtel geschichtetem 1,80 Meter tiefem Fundament erhebt sich die bis zu 7 Metern hohe mit Mörtel verfugte Mauer. Sie misst am Grunde bis 1,40 Meter und ist an der oberen Kante 80 cm breit. Die Mauer hatte weder Zinnen noch einen Wehrgang. Diese Funktion übernahmen die Wieckhäuser (frühneuhochdeutsch: wiecken - ausweichen. Wiecken ist heute noch im Plattdeutschen ein gebräuchliches Wort. Die Wieckhäuser, von innen ersteigbar, dienten zur Abwehr der Feinde mit den im Mittelalter üblichen Kampfmethoden. Ein Wieckhaus wurde wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert umgebaut zum städtischen Gefängnis und trug deshalb die Bezeichnung "Hungerturm". Heute heißt er Eulenturm und diente sicherlich auch zur Beobachtung des an dieser Stelle früher unübersichtlichen Außengeländes.
Besonders interessant ist der Pulverturm. Sein gemauertes Kegeldach war nicht entflammbar und brandsicher. In diesem Turm wurde das Schießpulver sicher gegen Funkenflug der offenen Herndstellen gelagert. Also damals schon ein Beispiel für hohen Sicherheitsstandard. Die mit Schindeln und Stroh gedeckten Häuser der Stadt wurden jedoch öfter mal ein Opfer der Flammen. Also - ein Rundgang innerhalb der Stadtmauer gerade in der düsteren Dezemberzeit, lässt schon ein bischen Mittelalter live erleben.
Die schönen Stadttore brauchen allerdings einen Artikel für sich allein.
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Katharina 12/06/2009 22:57


Sehr beeindruckend und wunderschön! Ich werde mir das im Sommer einmal anschauen. Danke Joachim!
Liebe Grüße,
Katharina


anais 12/07/2009 10:08


Ja, wenn Du Dir die Yacon-Pflanzen holst, kannst Du mit Deinem Schatz gleich einen Abstecher nach Templin machen.
Liebe Grüße
Joachim


xamantao 12/06/2009 06:21


Moin Joachim, das sind wiedermal schöne Fotos und man merkt am Text, wie gern Du Deine Heimat hast. Ja, was ist schon die Chinesische Mauer gegen so was Feines!
LG Xammi


anais 12/06/2009 16:03


Danke für den Morgengruß! Klar, vor allem haben die Chinesen keine Feldsteine aus der Eiszeit!
Ich wünsche Dir eine schöne Woche!
Liebe Grüße
Joachim


Margot 12/05/2009 12:23


Das Bild ganz oben sieht aus wie bei uns der Weg zur Festung hinauf. Da sind auch noch Reste der alten Stadtmauern, mit denen sich die herrschenden Erzbischöfe unter anderem auch gegen die eigene
Bevölkerung geschützt haben. Ich sehe solche Bilder sehr gerne, sie lassen ein Stück Geschichte lebendig werden. Und dass das alles noch so gut erhalten ist, ist sehr beeindruckend.
Liebe Grüße von Margot


anais 12/06/2009 16:10


In der ehemaligen Kreisstadt Templin, 18 km von Lychen entfernt, gibt es noch andere eindrucksvolle, gut erhaltene mitteralterliche Bauten.
Liebe Grüße
Joachim