Weiter geht's zum Lighthouse

Veröffentlicht auf von anais

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Sonnabend, den 28. Januar 2012.

Wir fahren jetzt raus auf die Uferstraße und sind heilfroh, dass wir sie gefunden haben. Ein ganzes Stück Weg liegt noch vor uns bis zum alten jananischen Leuchtturm. Auf den Inseln hier heißen sie Lighthouses,Lichthäuser.

Die Straße wird besser, vielleicht, weil nach Norden weniger gefahren wird. Wir schauen uns die Katholische Kirche an, die wir vorher lange gesucht haben.

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Nur einige Meter weiter leuchten gleich zwei neue, weiße Kirchen. Kirchen der verschiedensten christlichen Glaubensrichtungen allerorten. 60 an der Zahl sollen allein auf Weno stehen. An den bedeutendsten Gotteshäusern sind Missionsschulen angeschlossen mit gutem Bildungsniveau. Frank lenkt das Moped über eine Brücke, die den Wishon-River überquert. Die Straßenränder sind nicht mehr so dicht besiedelt. Wir können kaum einschätzen, wie lange wir noch fahren müssen. Das beunruhigt uns um so mehr, weil die Wegverhältnisse wieder schlechter werden. Mr.Cornflakes kreist in Schlangenlinien um die Löcher und den Sand.

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Bisher war kaum eine Menschenseele zu sehen. Vielleicht haben die Leute den Schatten gesucht weil es nachmittags immer sehr heiß ist. Wir haben unsere Getränkeflaschen bereits ausgetrunken. Durstig sind wir noch nicht, aber das wird schon kommen.

Endlich ist mal jemand zu sehen. Am Hang sitzt ein beleibter Mann vor seiner Hütte. Er läuft uns auf Krücken entgegen und meint, bis zum Leuchtturm wären es noch 30 Minuten. Mit dem Stock zeigt er hoch nach dem Berg im Hintergrund. "Na, wenn das mal reicht," zweifele ich, "der liegt doch noch ziemlich weit weg." Wir kämfen uns weiter voran. Schließlich hat Frank genug. Das Moped schlingert im Sand, und er hat Mühe, es zu halten.Ich sitze schon gar nicht mehr drauf. An einer Häusergruppe stellt er das Fahrzeug ab. "Wir lassen es hier stehen. Fahren kann damit niemand, weil er dazu keinen Schlüssel hat," sagt Frank.

Wir marschieren zu Fuß weiter. Ein junger Amerikaner und ein Insulaner kommen uns entgegen. Wahrscheinlich ist der Ami ein Lehrer am japanischen Gymnasium, das der Karte nach hier liegen muss. Er macht uns Mut, es sei schon ziemlich nahe. Drei japanische Mädchen erzählen uns allerhand, was ich kaum verstehe. Sie schicken uns zu einem Mann, der sich bereit erklärt, uns den Berg zum Lighthouse hinaufzuführen. Ein kleiner Junge mit einem Hahn im Arm kommt mit.

Der Pfad ist steil, steinig und schmal. Weiter oben haben wir an den Landbesitzer 10 Dollar zu zahlen. Jetzt beginnt erst die richtige Kletterpartie. Ich gehe als Letzter. Zwischen dem Grün schimmert eine helle Steintreppe. "Aha, da muss es zum Turm hoch gehen",atme ich erleichtert auf.

Mit Mühe oben angelangt, kommen wir in den unteren, runden Innenraum. Die Wände sind voll mit Graffitti-Inschriften bemalt. Der Turm ist aus Beton gebaut und in einem heruntergekommenen Zustand. Seit die Japaner die Insel verlassen haben, wurde hier nichts mehr getan. Wir steigen auf die zweite und dritte Plattform. Oben steht mittendrin die verrostete Blinkanlage. Außen läuft ein Rundgang entlang.

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Welch' fantastischer Ausblick! Über ganz Weno können wir schauen. Frank macht Panorama-Aufnahmen. Ich möchte den Jungen mit dem Hahn fotografieren. Der aber rückt immer wieder zur Seite und möchte das nicht. Schade! 

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Der Abstieg ist leichter bis zum Gehöft des Landbesitzers. Dort sagt uns der Guide bye, bye und lässt uns mit unserem Schicksal allein.

Wir laufen einen bewachsenen breiten Weg hinunter. Plötzlich sagt Frank: "Hier sind wir nicht hochgelaufen. Wir sind zu weit! Wir hätten links den steilen Pfad nehmen müssen."

"Frank," sage ich, "den Pfad finden wir nicht mehr. Lass' uns weiter gehen in Richtung Küste. Dort finden wir uns wieder zurecht, denn da müssen wir die Uferstraße nach links laufen."

Wir schweigen und laufen und laufen. Der Tropenwald tut sich auf, und wir gelangen auf eine Lichtung mit alten Hütten und vielen Kindern unter Palmen.

Ein etwas unheimlich aussehender Typ will uns zur Uferstraße führen. Zwei andere Jungen, ein schwarzer mit Irokesenschnitt, kommen mit.Uns ist in dieser Gesellschaft nicht ganz wohl zumute. Dazu noch der ewig lange, steinige Weg.

Endlich kommen wir auf die Uferstraße, sehen aber, dass wir noch sehr weit vom Moped sein müssen. Wir beschleunigen den Schritt.Die drei Jungs bleiben zurück, weil sie Bier getrunken hatten und mal müssen. Darüber sind wir froh.

Frank und ich, wir gehen hintereinander im Gänsemarsch und reden kaum ein Wort. An Fotos machen denkt keiner. Jetzt ist der alte knorrige Baum in Sicht! "Hoffentlich finden wir das Moped wieder", sagt Frank und läuft schneller. Ich hinterher über einen Hügel. Vor uns liegt die lange, schnurgrade Sandstraße. "Das Moped ist nicht da! siehst Du es? Ich sehe es nicht," ruft Frank. Ich sehe es auch nicht, wenn er es nicht sieht. Angst kommt in uns hoch. Wie wollen wir nach Hause kommen. Und wenn das Moped weg ist, müssen wir es schließlich noch bezahlen. Das hat uns noch gefehlt!

Schnaufend nach Luft kommen wir an die Stelle, wo wir es abgestellt hatten. Frank geht sofort zwischen die Häuser und -siehe da - auf dem Rasen steht unser Mopedsche! Die Frauen, die dort wohnen, haben es vorsorglich von der Straße hierher geschoben. Wir sind erleichter und bedanken uns herzlich. Ich glaube auch, Mr. Cornflakes hat sich erkenntlich gezeigt. Schnell steigen wir auf und fahren zurück in Richtung Blue Lagoon Resort ohne abzusteigen.

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Durstig und erschöpft halten wir am ersten Supermarkt, kaufen uns 4 Flaschen Eistee und zwei Büchsen Mango- und Orangensaft.Wir setzen uns auf eine Mauer und trinken den Eistee aus. Als wir wieder zu Hause sind, sind wir einer Meinung: "Das war ein Tag, den wir nie vergessen werden!"

 

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Veröffentlicht in Taipeh Mikronesien und Palau

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xamantao 04/15/2012 19:20


Auf Palau hat Amors Pfeil vor vielen Jahren Günter getroffen. Er ist ein netter Arbeitskollege. Die dazugehörende Dame, eine Philipinnin, hat ihm ihr Herz geschenkt und kam mit nach Deutschland.
So lange her, dass ihr Sohn nächstes Jahr Abi macht. Günter bekommt immer noch träumerische Augen, wenn er an Palau denkt.

anais 04/16/2012 21:34



Hallo Xammi! Ich kann mir gut vorstellen, dass Günter dort den Traum seines Lebens gefunden hat. Dort leben und arbeiten sehr viele Filippinos. Der Sohn wird sicherlich gut und exotisch aussehen.
Mal sehen, wo er seine Liebste finden wird.


Liebe Grüße


Joachim



xamantao 04/11/2012 21:09


Jetzt habe ich nochmal in aller Ruhe Deine letzten Reiseberichte gelesen, was ich bisher nur überflogen habe. Stelle gerade fest, dass es auch schöner ist, mehrere Episoden "am Stück" zu
schmökern. So kann man richtig mitleiden und sich mitfreuen.


Das was Du bis jetzt erzählt hast, ist sehr spannend und lebendig geschrieben. Es wird Euch immer ein unvergesslicher Abendteuerurlaub bleiben.


Liebe Grüße, Xammi

anais 04/12/2012 22:07



Hallo Xammi! Das glaube ich Dir gerne,dass Du beim Lesen mehrerer Folgen alles besser mitverfolgen kannst und den Zusammenhang behältst. Die Folgen werden noch eine Weile weitergehen. Es kommen
ja noch Yap, Palau und Carp Island.


Liebe Grüße


Joachim



Katharina vom Tanneneck 04/06/2012 00:14


Hallo Joachim,


da habt Ihr ja wieder ein nettes Abenteuer hinter Euch! Der Leuchtturm sieht ja ganz schön verkommen aus. Und die Preise, die Ihr überall bezahlen müßt sind auch ganz schön. Na ja, so ist es eben
und wenn man schon da ist, will man auch etwas sehen. 


Mit dem Moped habt Ihr aber richtig Glück gehabt! Klar hätte keiner damit fahren können aber so ein Moded kann man auch wegschieben, wie Ihr wohl gemerkt habt. 


Zumindest war die Aussicht vom Leutturm fantastisch! Solche Abenteuer wird man sein Leben lang nicht vergessen und wenn man sich daran erinnert, kann man sich freuen. Es ist ja alles
gutgegangen! 


Ich wünsche Euch ein frohes und erholsames Osterfest!


Liebe Grüße, Katharina

anais 04/06/2012 21:20



Hallo Katharina! Vielen Dank für die schönen Ostergrüße. Wir werden an den Feiertagen bei Jutta und Uwe abends ein Osterfeuer anzünden und gemütlich zusammen sitzen. Hoffentlich wird es trotz des
Feuers nicht zu kalt sein. Die Fahrt zum Leuchtturm steckt mir heute noch in den Glieder. Lach!


Liebe Grüße


Joachim