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Friday, 23. december 2011 5 23 /12 /Dez. /2011 16:30

 

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                            Meine kleine, wahre Weihnachtsgeschichte

 

Schon in den ersten Dezembertagen wurde ich ganz kribblig. Als Erstes, wenn ich aus der Schule nach Hause kam, fragte ich meine Mutter: „Ist heute schon das Paket gekommen?“Meine Mama schüttelte den Kopf: „Noch nicht.“ So setzte sich die Fragerei fort, bis ich eines schönen Tages im Adventsmonat das lang ersehnte Paket auf dem Küchenstuhl stehen sah. Mutter hatte es noch nicht geöffnet, denn diese Freude sollte mir vorbehalten sein.

Na, da ist es ja endlich,“ lachte ich, warf die Schulmappe in mein Zimmer und kehrte in die Küche zurück, um das Paket zu öffnen. Es kam jedes Jahr einmal vor Weihnachten von Tante Friedel von weither, aus München. Also machte ich es auf und nahm nach und nach, eines nach dem anderen heraus. Das meiste interessierte mich nicht so sehr, denn das waren Lebens- und Genussmittel, die in der Küche zur Vorweihnachtszeit vonnöten waren, die es aber bei uns im Osten nicht gab. Zwei Päckchen Rosengries, ein Päckchen Mondamin, jede Menge Backpulver von Dr. Oetker, feiner Bohnenkaffee, Kakao, Puderzucker, Rosinen und Zitronat. Als ich die Rosinen herausnahm, dachte ich sogleich daran, wann ich davon heimlich naschen könnte.Meistens lag noch ein Pullover drin, der mir nicht gefiel.

Ein, manchmal auch zwei bunte Beutel sollten auf alle Fälle mir gehören. Ich fragte vorsichtshalber mit bittenden Blick: „Mama, die darf ich doch haben, ja?“ Mutter schaute hin: „ Aber nicht gleich alle auf einmal essen!“ Es waren meine geliebten Waffeleier mit der leckeren Kremfüllung – Schoko und Vanille. Ich war glücklich. Das Paket hatte seinen Zweck für mich erfüllt.

Mutter machte sich die nächsten Tage ans Kuchenbacken. Hefe gab es hier beim Bäcker in der Stadt. So bereitete sie mit den Rosinen, dem Zitronat und dem Puderzucker den Weihnachtsstollen vor. Bei uns war der Weihnachtsstollen weiblich und hieß „Stolle“. Bis zum Weihachtsfest wurde der in ein Küchentuch gewickelt und weggelegt.

So blieben noch einige Tage bis zum Heiligen Abend. Schneeflocken wirbelten durch den Wind ,und wir konnten auf unseren abschüssigen Straßen in Lychen Schlitten fahren. Besonders beliebt war die Kirchstraße, weil sie am meisten Gefälle hatte. Über dem Kopfsteinpflaster lag eine Schneedecke. Wir rodelten sie glatt. Das Tollste allerdings waren die Abflüsse von zwei Häusern direkt hinein in die Straßenrinne. Das Schmutzwasser gefror sofort und bildete eine lange Eisbahn. Da sausten wir am schnellsten herab. Mussten aber aufpassen, dass wir rechtzeitig die Kurve bekamen, denn sonst wären wir mit Schlitten und Kopf an unserer oder Schmidts Hauswand gelandet.

Früh setzte die Dämmerung ein. Durchnässt kehrte ich nach Hause zurück. Sofort hatte ich mir trockene Sachen anzuziehen. Die Jacke hängte Mutter in den Hausflur, weil sie ganz entsetzlich roch.

Ich nahm mir mein funkelnagelneues Motorrad und fuhr damit auf dem Tisch hin und her. Das hatte Tante Friedel ebenfalls ins Paket gelegt. Es war aus Blech und kam aus Amerika. „Wenn ich groß bin“, dachte ich bei mir, „muss ich ein solches Motorrad haben.“

Zur Zeit hatte ich jedoch nicht einmal ein Fahrrad. Das wünschte ich mir insgeheim von Herzen. Vater hatte sein Vorkriegsrad, das er täglich brauchte, wenn er als Maler zur Arbeit fuhr. Ein Kaputtes und Verrostetes stand im Schuppen. Als ich dort wieder einmal hineinschaute, war es verschwunden.

Endlich war der Heilige Abend da. Mutter hatte den ganzen Vormittag in der Küche zu tun. Vater, mein Bruder und ich stellten den Tannenbaum auf. Wir schmückten ihn mit bunten Kugeln und hingen viel Lametta dran. Brennende Kerzen sollte er haben. Elektrische gab es damals noch nicht.

Nachmittags, gegen 17.00 Uhr, wenn zum ersten Mal die Kirchenglocken läuteten, hatten wir Jungen aus dem Wohnzimmer zu verschwinden. Weihnachtsmann und Christkind bereiteten den Gabentisch vor.

Als die Uhr sechs schlug, durften wir eintreten. Der Weihnachtsbaum leuchtete im festlichen Glanz seiner Kerzen. Ich schaute hin und klatschte in die Hände. Vor dem Tannenbaum stand mein Fahrrad! Funkelnagelneu sah es aus. Mit Gesundheitslenker, Lampe und Gepäckständer. Liebevoll strich ich mit der Hand über das Metall. Dunkelgrün schimmerte es. Vater hatte es mit Meisterhand lackiert, der Lenker war mit Silberbronze gestrichen. Wunderschön!

Bei Kartoffelsalat und Würstchen vom Fleischer erzählte mir Vater, woher er das Fahrrad hatte. Gekauft hatte er es nicht, denn so etwas gab es noch nicht im Handel: „Du kennst doch Hermann Mante. Der repariert alte Fahrräder. Und - er baut auch aus alten Teilen ein Neues zusammen. Ich habe ihm unser kaputtes Rad hingebracht. Die fehlenden Teile hatte er selbst besorgt und das Rad für Dich montiert. Ich musste es vormittags, wenn Du in der Schule warst, abschleifen. Dann habe ich es gestrichen.“

Ganz hinten in seiner Malerwerkstatt hatte er es versteckt. Da ging ich selten rein und konnte es so vorher nicht entdecken.

Trotz Eis und Schnee stieg ich am ersten Feiertag auf mein Rad und fuhr die Vogelgesangstraße auf dem Bürgersteig entlang. Mir schien, als sei die Welt näher an mich heran gerückt und wartete darauf, dass ich sie entdeckte.



Mit dieser kleinen, wahren Weihnachtsgeschichte möchte ich allen meinen Freunden, Bekannten und Besuchern ein frohes und gesundes Weihnachtsfest wünschen!

 

Buch-001.JPG

von anais
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Sunday, 13. june 2010 7 13 /06 /Juni /2010 23:02

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von anais - Community: Sprechen durch Schreiben
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