Moais nach dem Vorbild der fernen Osterinsel

Veröffentlicht von anais

Moai-Gruppe auf Rapa Nui unter dem Regenbogen.

Moai-Gruppe auf Rapa Nui unter dem Regenbogen.

Uwe Jähnichen schnitzt die mystischen Skulpturen aus Holzstämmen

Wen der Spaziergang wieder einmal bis zur Lychener Springstraße 10 geführt hat, wird im Naturgarten links neben der Gaststätte Waldfrieden drei übermannshohe, schlanke, dunkelbraun, fast schwarze Gestalten vor den turmhohen dunklen Tannen erspäht haben, die wie Götterstelen Wacht zu halten scheinen. Götterstatuen sind es nicht, aber aus Holz geschnitzte Moais.

Der Lychener Uwe Jähnichen, bekannt durch seine filigranen, surrealistischen Stahlskulpturen, hat sich während seiner Reise zur weit entfernten Osterinsel im Südpazifik, stark beeindruckt von den geheimnisvollen Steinstatuen, den Moais, dazu inspirieren lassen, selbst seine Stelen aus Holz als eigenschöpferische Nachbildung zu schnitzen. „Jeder, der Interesse für Mystik und Geschichte hat, kennt die Moais“, meint Uwe zu Beginn unseres Gesprächs. „Wir wissen nicht, ob sie dunkle oder helle Vergangenheit verkörpern. Als Symbole einstiger pazifischer Hochkultur stehen sie fernab und fast vergessen von der Kaufrausch besessenen heutigen ‚Kultur‘ des Konsums“.

Im Jahre 2010 flog Uwe im November für drei Wochen auf die zu Chile gehörende Osterinsel, Rapa Nui (die Große) in der Sprache seiner Ureinwohner genannt.

Er hatte den Entschluss gefasst, alle Moais zu fotografieren. Gezählt aber hat er sie nicht, wie er mir gesteht.

Vom Hauptort Hangaroa aus, wo er sein Quartier bezogen hatte, startete er seine Erkundungstouren mit dem Fahrrad bis zu 40 Kilometern am Tag. Mit einer Fläche von 118 Quadratkilometern ist die Insel zwar kleiner als Fehmarn, ist aber bis 60 Kilometer lang und misst an ihrer breitesten Stelle ungefähr 14 Kilometer. Sie ist vulkanischen Ursprungs und erhebt sich bis zu 600 Metern über den Meeresspiegel.

Seine Erkundungen führten ihn an den Rand des Kraters Rano Raraku zu den Felsen, wo die gigantischen Statuen mit harten Steinbeilen aus dem porösen Tuffstein geschlagen wurden. Dort fand er an die 30 bis 40 noch halbfertige oder fertige Moais Die Statuen auf der Insel sind von unterschiedlicher Größe, von 1 bis zu 20 Metern hoch. Die Steinkolosse wurden zu Plattformen, den Ahus, rings um die Insel auf Holzrollen transportiert, auf denen sie mittels hoch geschichteter Steinhügel aufgerichtet wurden mit Blick auf das Inselinnere.

Am Rand des Vulkans Rano Raraku allerdings blicken sie auf das Meer. Auf dem Kopf trugen sie einen zylinderförmigen Schmuck aus Rotschlacke.

Viele der Moais sind umgefallen, liegen durchgebrochen mal auf dem Rücken, mal mit der Gesichtsfläche auf dem Erdboden. Uwe Jähnichen vertritt die Auffassung, dass wahrscheinlich nicht Stammesfehden Ursache für ihre Zerstörung waren, sondern Naturgewalt, ein Erdbeben Immer noch ist sich die Wissenschaft im Unklaren, welche Bedeutung die Statuen hatten.Waren sie Machtdemonstrationen rivalisierender Häuptlinge, oder hatten sie religiöse Bedeutung? Gäbe es noch die zahlreichen hölzernen Schrifttafeln, könnten viele Geheimnisse gelöst werden. Aber sie wurden von katholischen Priestern – weil heidnisch – als Feuerholz verbrannt.

Uwe Jähnichen hielt seine Erkundungen auf zahlreichen Fotos fest. Ausgezeichnete Lichtverhältnisse, Naturschönheiten in den zwei Nationalparks und Wetterüberraschungen garantierten für perfekte Aufnahmen. An der Anakena-Bucht nahm er das Regenbogen-Foto auf, hier als Hintergrund des Artikels sichtbar.

Wieder in der Heimat sprach er mit Freunden über seine Idee, Moais aus Holz zu schnitzen. Aus Türkshof brachte ihm Detlef Wegener den ersten großen Kiefernstamm, der weit über ein Jahr lagerte, um abzutrocknen. Von seinem Freund Bernd Plikat erhielt er Eichenholz

2013 wurde eine trockene Wymouthskiefer auf dem Grundstück gefällt. Daraus entstand der erste der drei eingangs erwähnten Moais mit einer Höhe von drei Metern. Die mittlere Skulptur mit vier Metern Höhe besteht aus normalem Kiefernholz. Der dritte Moai, drei Meter hoch, ist aus Eiche. An den Skulpturen wurden von unten Rundstäbe aus Stahl eingesetzt, und der Moai wurde faktisch schwebend auf eine Stahlkonstruktion geschweißt und anschließend mit Findlingen vom Grundstück beschwert.

Noch im selben Jahr schnitzte Uwe Jähnichen den vierten Moai mit der Motorsäge für seine Freunde in Türkshof. Der Fünfte und der Sechste gingen nach Berlin-Karow und Berlin Heinersdorf.

2015, so berichtete er, ging’s weiter mit Robinienholz. Freunde und Bekannte stellten die Statuen auf ihren Grundstücken in Markgraf- Pieske und Wartenberg auf. Die Arbeitskollegin Sandra bekam ihren Moai nach Summt.

Weitere kamen hinzu und werden folgen.

Am Ufer des Stadtsees, im Garten des Artikel-Autors, schauen zwei dunkle Moais bei Wind und Wetter auf das Wasser. Sicherlich werden sie eine neue Attraktion für die Besucher des offenen Gartens im Juni und September sein.

Ich wollte von meinem Freund Uwe gerne wissen, mit welcher Vorstellung er an die Bearbeitung eines Stammes heran geht. Er erklärte es mir so: „Ich schaue hin. Was ist das für ein Stamm? Ist er durchweg gerade, oder hat er einen Ast? Ich möchte nicht zu viel Material abschneiden und lasse deshalb gerne die Auswüchse dran. Dann stellt sich die Frage, wie lang die Nase sein soll. Künstlerisch möchte ich ausarbeiten und bewahren, was der Stamm selbst an Formen und Möglichkeiten bietet. Holz ist wunderschön und jedes Mal anders. Stahl hingegen hat keine Jahresringe, die als optische Schönheit dienen können. Bei gut sichtbaren Jahresringen verzichte ich auf extrem dunkle Beize“.

Wichtig, so betonte er, sei der Ausgleichsschnitt hinten als erstes, damit der vordere Bereich der Skulptur, also die Gesichtsfläche, nicht aufreißt.

Ich schaute mich auf dem Gelände in der Springstraße 10 um und sah dort mehrere dicke Holzstämme liegen – der eine und andere richtige Kolosse. Sie werden noch mehr als ein Jahr brauchen, um richtig auszutrocknen.

„Was hast Du denn weiter vor in Deiner Schnitzerei,“ wollte ich gerne wissen. Uwe meint, es gäbe viele Holzschnitzer. Er werde nichts anderes schnitzen als nur Moais. Das sei seine eigene, kreative Arbeit. Wichtig sei es, anderen Freude zu bereiten. Das könne durch keinen 50-Euro-Schein ausgeglichen werden.

Während der Ausstellung „Fremde Heimat“ in der St.-Johannes-Kirche zum Lychener Kulturfest am 3. September 2016 wird auch ein Moai aus Uwe Jähnichens Schnitzwerkstatt zu besichtigen sein.

Unser Künstler aus Leidenschaft schaute hinüber auf sein „Feld der Träume“ hinter der Springstraße 10: „Ich habe die Absicht, zwei monumentale Moais zu schnitzen. Fünf Meter hoch sollen sie werden und mindestens einen Durchmesser von einem Meter haben. Sie werden hinter dem Tannenwäldchen auf das ‚Feld der Träume‘ mit den surrealistischen Stahlskulpturen schauen. Noch in diesem Jahr bekomme ich dafür die Stämme geliefert.“

Es wird also wieder spannend in der Springstraße. Ich wünschte Uwe für diese Arbeit viel Kraft und Freude.

1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s
1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s
1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s
1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s
1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s
1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s

1.Moai am Hang des Vulkans Rano Raraku mit Blick auf‘ s Meer, 2.Lange, restaurierte Moai-Gruppe, aufgestellt auf einem Ahu, 3 Transport eines fertig geschnitzten Moais, 4. Die ersten drei Statuen vor den hohen Wymoutskiefern, 5. Moai in der Veranda, 6. Zwei Moais blicken auf den Lychener Stadtsee.s