Schloss Boitzenburg/ Uckermark

Als mitteralterliche Burganlage wurde Boitzenburg im Jahre 1276 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ritter Dietrich von Kerkow war der erste namentlich bekannte Lehensträger. Von 1429 bis 1439 hatten der Hauptmann und Landvogt Hans von Arnim und sein Bruder Jasper von Arnim hier ihren Sitz. Hans VIII. von Arnim erwarb die Anlage 1528 vom brandenburgischen Kurfürsten durch Tausch gegen sein Schloß Zehdenick. 1537/38 ließ er das Renaissance-Schloß als Oberhaus auf den Grundmauern der Burg nach dem Vorbild des Zehdenicker Schlosses errichten. Ab ca. 1590 fügte Bernd IV. von Arnim den Neubau des Unterhauses, ebenfalls im Renaissance-Stil hinzu. Dieses Unterhaus wurde Mitte des 18. Jahrhunderts zur barocken Dreiflügelanlage umgebaut. Im Seitenflügel richtete er den Bibliothekssaal ein und erweiterte die Büchersammlung der Familie von Arnim.
Friedrich Wilhelm von Arnim ließ durch den Architekten Carl Gotthard Langhans unweit vom Schloss den Marsstall errichten, in dem sich heute eine Schokoladenmanufaktur, eine Kaffeeerösterei und eine Schaubäckerei befinden.
Unter Dietloff Friedrich von Arnim gestaltete der Architekt Carl Doflein in den Jahren 1881 - 1884 das Unterhaus im Stil der Neorenaissance um und passte somit die jüngeren Gebäude dem ältesten, klassischen Renaissance-Schloss harmonisch an.
Im II. Weltkrieg befand sich in dem repräsentativen Gebäude eine Zweigstelle der japanischen Botschaft.
!945 wurde die Adelsfamilie von Arnim enteignet und floh nach Westdeutschland.
Die sowjetische Besatzungsmacht konfiszierte den wertvollen Buchbestand und ließ ihn - in Kisten verpackt - in die Sowjetunion abtransportieren. Der größte Teil der Bücher blieb verschollen. Erst in den letzten Jahren kamen 150 Bände aus Armenien wieder zurück nach Deutschland.
Nach 1945 diente das Schloss als Genesungsheim für Typhus-Kranke - ein vielleicht makabrer Schutz vor Plünderungen ds wertvollen Inventars. Es wurde Lazarett der Roten Armee und auch erste Wohnstätte für Umsiedler.
Ab 1949 nutzte die Kasernierte Volkspolizei das Gebäude. Von 1956 bis 1990 war es Erholungsheim der Nationalen Volksarmee der DDR.
Nach der Wende erwarb der Hamburger Investor Oliver Erbacher das renovierungsbedürftige Schloß und ließ es ab 1999 sanieren und in seinem heutigen Glanz neu erstehen.
Schloss Boitzenburg ist heute ein Kinder-Jugend- und Familienhotel mit einem umfangreichen, attraktiven Angebot, insbesondere für Schulklassen mit Projektwochen, Lehrkabinettsunterricht, Reitkursen und Ferienveranstaltungen. Familien verbringen hier gerne ihren Urlaub.



Anmerkung: Sehr kostbar und wunderschön die Stuckdecke im Jagdzimmer mit dem Motiv "Osmanische Reitjagd". Hans Georg von Arnim ließ sie in der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges einbauen.