Zuwanderung nach Lychen von den Anfängen bis zur Gegenwart

Veröffentlicht auf von anais

Zuwanderung nach Lychen von den Anfängen bis zur Gegenwart
 
Ein Versuch, deren Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung darzustellen
In der letzten Ausgabe der NLZ vom 8. April 2026 hat mich in dem Beitrag von Herrn Bergsträßer die Anmerkung „…ist Lychen ein Ort, den es ohne Einwanderer gar nicht geben würde“, angeregt, einmal etwas genauer über Einwanderungen in der Lychener Geschichte und Gegenwart zu erfahren, welche Zuwanderer aus welchen Regionen, Kulturen und Religionen sich in der Stadt angesiedelt haben.
Die erste Zuwanderung erfolgte ab1248 nach der Gründung durch die Askanier als deutsche befestigte Stadt im Zuge der Ostkolonisation slawisch besiedelter Gebiete östlich der Elbe. Eigens dazu wurden Lokatoren (Gründer) beauftragt, Siedler aus westlich der Elbe gelegenen Gebieten, vor allem aus der Altmark und dem Harz bis hin zum Rhein zu werben. Das waren landarme Bauern, Handwerker und andere mittellose Personen, denen in Lychen Voraussetzungen für eine sichere Existenz geboten wurden. Sie waren Katholiken und brachten ihre Bräuche und Kulturen mit. Westslawen, die hier bereits lebten, wurden christianisiert. Diese Zuwanderung erfolgte nicht spontan, sondern war von den Herrschenden angeordnet.
Die zweite größere Zuwanderung nach Brandenburg bzw. Preußen erfolgte ab 1685, als Friedrich der Große mit dem Edikt von Potsdam den in Frankreich und Belgien verfolgten protestantischen Hugenotten und Wallonen Zuflucht und Ansiedlung gewährte. Mehr als 2000 von ihnen zogen in die Uckermark, vor allem in dem Raum Schwedt, Garz und Angermünde. Sie waren Christen, bereicherten Brauchtum, Kultur und Sprache und brachten zum Beispiel den Tabakanbau mit.
In Lychen siedelten sich zu der Zeit keine Hugenotten an, weil bis 1732 mehrere Großbrände die Stadt verwüstet hatten. Der Ort hatte wenige Einwohner und war für Ansiedlung nicht attraktiv. Erst 1747/48, mit dem Neuaufbau des Rathauses, wurde auch die Stadt mit Zuschüssen vom Kurfürsten neugestaltet.
Nennenswerte Zuwanderung nach Lychen im 18. Und 19. Jahrhundert ist mir nicht bekannt. Auch die Bürgerrolle (Liber civium) gibt zu Lychen nichts her. Als kleine Ackerbürgerstadt regenerierte sich die Bevölkerung selbst in oft kinderreichen Familien. In Lychen lebten in den vergangenen Jahrhunderten deutsche Bürger jüdischen Glaubens bis zur NS-Zeit. Seit dem 15. Jahrhundert hatten sie an die Stadt Schutzgeld zu zahlen. Lychen erhielt noch 1805 von jedem Juden 6 Taler Schutzgeld.
Erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts mit Verkehrsanbindung durch die Eisenbahn und die Errichtung der Heilstätten ist nennenswerter Zuzug von Fremden nach Lychen zu beobachten. Vor allem Berliner Kaufleute ließen sich hier nieder, gründeten Hotels und Gaststätten oder bauten sich Ferienhäuser für ihre Familien. Die Heilstätten bezogen ihr medizinisches Personal größtenteils von außerhalb über innerdeutscher Zuwanderung mit gleicher Kultur.
Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die Stadt Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufzunehmen. Dafür wurde jeder Hauseigentümer verpflichtet, Wohnraum für Vertriebene bereitzustellen. Nicht wenige von ihnen blieben hier und integrierten sich durch Arbeit und Heirat. Menschen mit gleicher Kultur und Religion. Die Vertreibung war politisch erzwungen und menschenverachtend.
In der DDR-Zeit spielte die von der SED-Führung 1954 initiierte Kampagne „Industriearbeiter aufs Land“ für Lychens Bevölkerungsstruktur eine positive Rolle. Menschen im arbeitsfähigen Alter aus den Industriegebieten bereicherten die örtliche Wirtschaft in zahlreichen Klein- und Zulieferbetrieben, in der Landwirtschaft und im Erholungswesen. Die Stadt hatte damals weit über 4000 Einwohner, allerdings mit absteigender Tendenz, wahrscheinlich durch mehr Abwanderung als Zuwanderung.
Für den Zeitraum nach der Wende bis zur Gegenwart weist die Statistik einen Rückgang von 1990 bis 2020 von 4000 auf etwas mehr als 3000 Einwohner aus ( Wikipedia. Datei: Bevölkerungsentwicklung Lychen. pdf )
Die Zuwanderung Russlanddeutscher in die BRD hatte für die Lychener Bevölkerungsstatistik nur vorübergehende Bedeutung durch staatliche Zuweisung von Personen in das Übergangsheim „Kolbatzer Mühle“ gehabt. Es ist kein Russlanddeutscher auf Dauer in Lychen geblieben. Ebenso ist während der ersten großen Asylbewerber-Welle keine der Personen in Lychen auf Dauer ansässig geworden. Ich habe in jener Zeit in diesen Bereichen gearbeitet.
Laut der Website Admin Stat Germania, Lychen Stadt ergibt sich für die Bevölkerungsstruktur für 2023 folgendes Bild:
Einwohner (N.) 3.135
Familien (N.) 0
Männer (%) 48,2
Frauen (%) 51,8
Ausländer (%) 6,0
Durchschnittsalter (Jahre) 51,9
Durchschnittliche jährliche Abweichung in %
(2019/2023) -0,34
Stand der Einwohnerzahl per 31. 01. 2026: 3179
Zuwanderung ab 01. 01. 2020: 1081
Abwanderungen: 780 (Quelle: NLZ, Ausgabe 239 vom 8. 4. 2026, S. 5)
Bei einem Ausländeranteil von 6 % im Jahr 2023 = 188 ist der Fremdenanteil geringfügig. Zeitweilig durch Zuweisung in Lychen lebende Asylbewerber sollten gesondert in der Statistik aufgeführt werden. Lychen erfährt auch gegenwärtig keinen bemerkenswerten Zuwachs der Einwohnerzahl, weder durch Menschen deutscher Herkunft noch durch Menschen mit Herkunft aus andere Nationen mit anderer Kultur und anderer Religion.
Nachweislich siedeln sich aus dem Millionen zählenden Personenkreis Asylsuchender kaum Menschen in Kleinstädten an. Sie kommen aus heimischen Großstädten und bleiben in deutschen Großstädten. Über Ursachen und Folgen kann sich der Leser selbst informieren.
 
 
 
 
 
 
 
 
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post