Lychen-Motive – künstlerisch gemalt und gezeichnet
(Aus der neuesten Asgabe der "Neuen Lychener Zeitung" vom 8. April 2026)
Auf dem Historienstammtisch im Jahre 2010 vorgestellt
Im Januar 2010 hatten wir Teilnehmer des Lychener Historienstammtischs beschlossen, ein weiteres Projekt für die Bereicherung unserer Stadtgeschichte anzugehen. Wir wollten Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und ähnliche Arbeiten von professionellen und Laienkünstlern mit Motiven aus unserer Stadt und der umliegenden Landschaft ausfindig machen. Dafür hofften wir auf Unterstützung aller derjenigen, die damals solche Werke besaßen. Wir waren uns sicher, dass Lychener solche Kunstwerke in ihrem häuslichen Besitz hatten. Eine Umfrage wurde in der „Neuen Lychener Zeitung“ gestartet. Die Arbeiten wurden von uns so weit wie möglich fotografisch erfasst.
In den 1920er Jahren weilten Berliner Künstler in den Sommermonaten am Malerwinkel und machten diesen Platz zum beliebtesten Motiv. Sie verkauften hier bisweilen ihre Aquarelle. Es soll auch ein impressionistisches Gemälde, "Badeszene am Zenssee" aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts existieren. Zu Gesicht bekamen wir es nicht.
Unseren älteren Bürgern waren damals noch Namen wie Erich Eisert, Otto Lohmeyer, Riefstahl, Gustav Adolf und aus jüngerer Zeit der Kunstmaler Winter bekannt.
Selbst unsere Musikerin und Komponistin Erika Bondzio hatte gemalt und gezeichnet. In der Folgezeit haben sich moderne Künstler und Laien Lychener Motiven gewidmet.
Ich beginne meine Auswahl mit einem Originalaquarell von Ernst Haas, „Stargarder Tor um 1860“.
Dieses Aquarell ist eine der ersten bekannten Malereien aus früheren Zeiten. Der Künstler Ernst Haas hat das Lychener Stargarder Tor wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor den Mauern der Stadt am frühen Abend gemalt. Die linke Seite ist im Gegensatz zu heute fast baumlos, so dass der Blick bis weit über den Oberpfuhl reicht.
Eine Zeichnung mit dem gleichen Motiv hatte Erika Bondzio zu jener Zeit angefertigt, als sie noch nicht verheiratet war und Breitzmann hieß.
Das Gemälde "Promenade am Oberpfuhl", Öl, 1989, gezeichnet mit A. T. (?) ist ein schön gewähltes, eher seltenes Motiv. Die Fürstenberger Malerin hatte hier im Vordergrund gesessen und in freier Natur gemalt. Eine sehr schöne Komposition. Links, hinter den alten Kastanien, liegt verdeckt der Judenfriedhof. Der Blick erfasst Villen und Wohnhäuser, die sich am Ufer des Sees entlang bis in den Hintergrund erstrecken. Die Eigentümerin des Bildes hat der Malerin zugeschaut und es für sich nach Fertigstellung erbeten.
Das vierte Bild stellt den Malerwinkel vielleicht etwas ungewohnt mit Blickpunkt auf das Wohnhaus dar, ein Öl von G. Adolph, ein Lychener Handwerker seiner Zeit in den 1950er Jahren.
Das Pastell mit Blick über den Stadtsee auf Lychen von der Kienofenpromenade aus ist eine Arbeit der Malerin Britta Bastian, Hof-Galerie Bebersee. Anfang der 2000er Jahre hatte die Künstlerin eine Ausstellung ihrer Lychen-Pastelle im Fürstenberger Tor.
Und zum Abschluss dieser Auswahl etwas besonders zart und filigran Wirkendes, das erste Bild oben.
Unsere damals sehr aktive Stammtischteilnehmerin Rosemarie Todtenhöfer hatte das Bild von der Wurlflut in früheren Zeiten mitgebracht. Ihr Vater, Walter Beckmann, künstlerisch und musikalisch begabt, hatte neben lyrischen Gedichten und Liedertexten für das große Lychener Mandolinenorchester auch Zeichnungen angefertigt und Bilder gemalt. So entstand aus seinen Händen 1950 diese Öl-Kopie der Wurlflut nach einem alten Foto, das wahrscheinlich aus den Anfangsjahren des vorigen Jahrhunderts stammte. Sollte das Foto schwarz/weiß gewesen sein, so ist erstaunlich, wie er die Ansicht farblich gestaltet hatte. Die Wurlflut verbindet den nahe an der Stadt gelegenen Nesselpfuhl mit dem größeren und tieferen Wurlsee. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, waren die Ufer zu jener Zeit noch freies Wiesengelände. Mit gutem Blick sind im Hintergrund Häuser der Stadt zu erkennen. Heute ist die Wurlflut mit dichtem Erlenbestand umgeben. Aber jederzeit im Sommer eine beliebte Durchfahrt für Paddler, Ruderer und Solarboote.
So verändern sich Stadt und Landschaften. Die Bilder aber bewahren ihre Zeiten.
Joachim Hantke