Vater, Vater! Der Komet ist da!
Anfang des vorigen Jahrhunderts hatte Julius Steffen in Lychen einen Pferdeomnibus. Damit fuhr er stets im Trab vom Marktplatz zum Bahnhof und retour, um die Urlaubsgäste zu befördern. Steffen war von mittelmäßiger Statur mit mächtigem Kopf und einer leuchtenden, kupferroten Nase. Über die Stadt hinaus kannte man ihn, seinen Humor und sein unersättliches Bedürfnis nach Alkohol.link Er fuhr auch den Leichenwagen. Dabei bemerkte er stets: "Mit Freud' fahr' ich Dich hin!"Weil der Hof seines Grundstücks am Marktplatz sehr klein war, musste er einige Wagen nachts draußen auf dem Platz stehen lassen. Vorsichtshalber schloss er diese Wagen jeden Abend fest an. Aber einmal hatte er es vergessen. Das geschah zudem auch noch in jenem Jahr, als sich alle mit Angst und Schrecken auf den Weltuntergang durch den Halley'schen Kometen vorbereiteten.
Nach einem kräftigen Zechgelage an diesem Abend wollten seine Kumpane gegen Mitternacht den losen Wagen entführen. Als sie jedoch mit dem schweren Gefährt um die Ecke zur abschüssigen Hospitalstraße biegen wollten, sahen sie plötzlich den Polizeisergeanten Karl Stimm link von unten den Berg heraufkommen. Vor Schreck ließen sie die Deichsel los und flüchteten eiligst. Der Wagen machte sich selbständig und rollte mit steigender Geschwindigkeit allein die Straße hinunter. Dabei kam er auf die rechte Seite und zertrümmerte mit der Deichsel die Haustür in der Hospitalstraße 44 (heute Nr. 8) von August Lassahn und eine Stubentür, hinter der ein Schrank stand. Der fiel auf das Bett der schlafenden Frau Fischer. Mit einem Satz sprang die arme Frau aus dem Bett und rief laut ihrem Mann auf plattdeutsch zu: "Vadder, Vadder! De Komet is doa!"
Und so haben wir heutzutage alle nur den Wunsch: "Mögen wir von solchen "kosmischen" Ereignissen verschont bleiben!