Lychen im Dreißigjährigen Krieg

Veröffentlicht auf von anais

Die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg war in der Uckermark allgemein gekennzeichnet durch zunehmende Beunruhigung der Bevölkerung durch kleinere oder größere Gruppen von Landsknechten. Aber auch innerhalb der Zivilbevölkerung stieg die Zahl der Gwalttaten trotz drastischer Bestrafung. Die Scharen der Landsknechte bestanden nie aus "Betschwestern", aber zu Zeiten der Kämpfe in der Uckermark bestanden diese Heere meist nur noch selbst aus verlumpten, verhungerten und von allen Seuchen heimgesuchte Gestalten, die wie Heuschreckenschwärme sich durchs Land fraßen. Die Truppenzahlen sind dabei durch den Tross aus Frauen der Söldner, Handwerker, Händler, Kinder, Mediziner, Prostituierte und Gaukler mindestens immer zu verdoppeln. Deshalb wurde das Gebiet zwischen Ostsee und der Linie Elbe - Kyritz - Neuruppin - Eberswalde - Gorzow (Landsberg) zum flächenmäßig größten Gebiet in Deutschland, in der die Bevölkerung zu über 66% ausgerottet wurde.

Im Gefolge der kaiserlichen Truppen kam vom Herbst 1637 bis Sommer 1638 nach Lychen die Pestwelle. Da flohen selbst die kaiserlichen Truppen aus dieser Stadt des Todes. In den Jahren 1639/40 ist mehrmals im Kirchenbuch eingetragen, dass Menschen vor Hunger umgekommen und heimlich verscharrt wurden, dass viele Einwohner erschossen und andere ins Wasser geworfen worden seien.

Am 03. 02. 1633 wurde ein großer Teil der Stadt ein Raub der Flammen. Lychen hatte am 01. 01. 1637 eine Gesamteinwohnerzahl von 850. An 450 sind an der Pest und Ruhr sowie am Hunger gestorben. Lychen hatte also in einem Jahr über die Hälfte seiner Einwohner verloren.

Ab 1626 wurde Brandenburg in die Auseinandersetzungen des Krieges hineingezogen. Der geschlagene Mansfeld zog 1626 durch Brandenburger Gebiet. Bald danach flohen die bei Lutter am Barenberg besiegten Dänen durch die Prignitz und die Uckermark. !627 setzten sie sich in Zehdenick fest und sandten von hier aus ihre Truppen nach Templin. Gegen Entrichtung einer Kontribution versprachen sie der Stadt Schutz gegen Plünderung. Wenn Lychen auch keine Belege für ähnliche Forderungen vorweisen kann, so ist der Stadt doch sicherlich eine gleiche Abgabe auferlegt worden. Weil Templin den immer höher werdenden Forderungen nicht nachkommen konnte, wurde die Stadt von den Dänen gestürmt und geplündert. Nach der Besetzung von Templin hatten sie auch Lychen mit 50 Reitern angegriffen. Erobert wurde es nicht, doch es bestand die Gefahr, dass die Dänen die Stadt mit größerer Truppenstärke angreifen würden. Am 12. juli 1627 schrieb ein Oberst von Wartenberg von Lychen aus an den Verwalter der Boitzenburgischen Güter, dass er "zur Anlage von Befestigungen und zur stärkeren Sicherung des Passes von Lychen eine größere Menge von Arbeitern benötige, deshalb ordnete er an, dass 100 Arbeiter aus den Arnim'schen Dörfern mit Schippen, Äxten und Beilen sechs Tage hintereinander, alle Tage andere und frische, nach Lychen unfehlbar und unausbleiblich mögen gesandt werden. Sollte dem Befehl nicht nachgekommen werden, so drohte er, dass er so verfahren werde, dass es dem Verwalter und den Untertanen des Amtes Boitzenburg wenig Freude bringen sollte."

1627 war Oberst Hans Georg v. Arnim mit etlichen Regimentern zum Schutz der Uckermark gegen die Dänen angerückt oder besser eingefallen. Dieser Oberst stammte aus der Uckermark, aus Boitzenburg, und war einer der hiesigen 7 Kriegskommissare. Dieser Oberst sagte noch, "er begehre nichts, die Stände sollten nur erst sehen, was er für sie täte." Als die Dänen weg waren, baten ihn die Stände, seine Garnison abzuziehen. aber er wollte selbst mit seinem Stab und zwei Regimentern noch etwas bleiben (Wohl, weil es in der Heimat am schönsten ist). aber das kostete monatlich 50 000 Reichstaler für den Kreis, der schon damals auf dem letzen Loch pfiff. Prenzlau war sein Hauptquartier, wo man nun ihm und seinem Stab eine "ansehnliche Tafel" halten musste. Von Arnim, das wusste man jetzt in der Uckermark, war zuverlässige Hilfe nicht zu erwarten, wie verschiedene Klagen bezeugen.

Es gibt eine Reihe von Aussagen bei der historischen Betrachtung dieses Junkers, die seine militärischen Taten für die Uckermark und sein Bemühen um Schadensbegrenzung hervorheben. Fakt ist jedoch, dass er typisch für die Zeit manchmal jährlich seinen Dienstherren wechselte (Freund/Feind) und der durch profitable Organisation des weitgehend "privatisierten" Regimentswesens versuchte, auch privat zu Reichtum zu kommen. Letzteres hat er wohl nicht geschafft, aber gut gelebt wird er schon haben, wie eine Betrachtung der Stuckdecke im Schloss Boitzenburg zeigt. Die ließ er in der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges einbauen. Link:Schloss Boitzenburg/Uckermark . 

Die Truppen wurden immer dreister und auf ihren "marchen" (Märschen) hausten, plünderten, töteten und vergewaltigten sie. Vor allem die Dörfer hatten darunter zu leiden, uns viele wurden verwüstet.

1643 war Lychen so erledigt, dass die sonst mehrere 100 Taler ausmachende Kontribution auf 78 Taler, 8 Groschen herabgesetzt wurde. "Wegen der 123 Taler, so sie der Leibcompanie geben sollen", bittet der Rat, "es anderen Städten aufzuerlegen", denn in Lychen habe man kein Geld mehr.

Als die Dänen abzogen, folgten ihnen die Kaiserlichen. Und so war das ein ewiges Kommen und Gehen. 1631 waren es die in den Krieg eingreifenden Schweden. Die Artillerie der Schweden kam in Angermünde, Lychen und Templin zu Quartier. In Lychen unterhielten die Schweden noch 1647 unter General Thurn eine Garnison.

Wenn man bedenkt, dass im Dreißjährigen Krieg in Brandenburg 48 Schlösser, 60 Städte und rund 5000 Dörfer zerstört wurden, kann man sagen, die Uckermark hat ihren Beitrag geleistet.

 

Quelle: Auszugsweise aus: Eberhard Kaulich, "Lychen im Zugwind des 20. Jahrhundert", 13. Kapitel: Erfahrungen in Lychen mit Militär, Krieg und Gewalt (Vorgeschichte zum 20.Jahrhundert), Lychen,  erschienen imEigenverlag, 2008. 

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Katharina vomTanneneck 03/23/2011 23:06



Hallo Joachim, zu dieser Zeit hätte ich nicht leben wollen. Allerdings hat sich auch nicht viel geändert. Der Kleine wird immer noch ausgebeutet und muß die Feste der Regierenden bezahlen. Wenn
Ihnen das Geld nicht reicht, weil sie nicht wirtschaften können, erhöhen sie einfach Steuern.


Ich finde es gut, dass Du hier mal einen Rückblick machst. Dann wissen wir doch alle, damals ging es den Menschen noch viel schlechter. Dagegen geht es uns heute sehr gut.


Liebe Grüße, Katharina 



anais 03/25/2011 12:05



Hallo Katharina! So war das in der Vergangenheit, und so ist es noch heute. Die Reichen haben geprasst und die Armen ausgeplündert und abgezockt. Heute könnte es uns noch wesentlich besser gehen,
wenn über Steuern und immer wieder neu erfundene Abgaben dem Volk nicht das Geld aus der Tasche gezogen werden würde.


Liebe Grüße


Joachim