Ein seltsamer Förster

Veröffentlicht auf von anais

Am vergangenen Wochenende wollten meine Berliner Freunde mit mir Pilze suchen. Davon gibt es ja in den Lychener Wäldern mehr als genug. Also fuhren wir gleich nach einem Käffchen zur Bredereicher Landstraße an der Tangersdorfer Heide. Den Ford Fiesta parkte ich an der öffentlichen Waldstraße nach Tangersdorf. Um uns nicht gegenseitig ins Gehege zu kommen, liefen Maria, Martin und Mutti und ich jeder in eine andere Richtung. Ich wusste ja, dort gab es viele Maronen. Und plötzlich erlebe ich eine Überraschung.
Ein junger Hund kommt angewedelt, bellt mich an, freut sich und will mit mir spielen. Mir ist das gar nicht so recht, denn er springt immer vor meinen Füßen auf und ab. "Lauf mal zu Deinem  Herrchen, los!" Der Schlingel geht mir nicht von der Pelle. Mal ist er für einen Moment weg, aber da ist er schon wieder da. Das geht mittlerweile schon eine halbe Stunde so. Da ruft mir Maria zu: "Ein Mann ist hier mit dem Auto vorbeigefahren. Du sollst sofort den Ford Fiesta da wegfahren!" "Und weshalb", rufe ich zurück. "Weiß ich nicht, habe ich nicht verstanden!" Stand da vielleicht doch ein Verbotsschild, zweifele ich mit mir. Und der Hund, dieser Quirl, tanzt immer noch um mich herum. Da erscheint auf einmal ein grün gekleideter, älterer Herr in ca. 50 Metern Entfernung in seinem schwarzen VW, steigt aus und ruft mit kräftiger Stimme: "Ist das Ihr Hund?" Und schon führen wir beide einen heftigen Dialog. "Nein, das ist nicht mein Hund." "Warum jagen Sie ihn dann nicht weg?" "Ich hab´s versucht. Er läuft nicht weg." "Na, wem gehört denn dann der Hund?" "Weiß ich doch nicht." "Wenn Sie ihn wegjagen wollen, dann müssen Sie ihn schlagen." "Was", erwidere ich schon ziemlich wütend. "Ich schlage doch den Hund nicht. Ich schlage überhaupt keine Tiere, und schon gar nicht fremde!"  "Doch", eskalierte der stattliche grüne Herr. "Der ist noch jung. Der muss geschlagen werden, wenn er sich an Fremde heranmacht."
Da lässt der kleine Schlingel auf einmal von mir ab und flitzt zum grünen Herrn. Der nimmt ihn auf den Arm und verfrachtet ihn in den Gepäckraum. Dann meint er belehrend zu mir:
"Sie hätten mich bei der Erziehung meines jungen Hundes unterstützen und ihm mit einem Stock eins überziehen sollen."  Mir fiel nichts anderes ein als: "Das kann doch wohl nicht wahr sein!"
Beim Vorbeifahren meint er noch: "Dann ist das wohl auch Ihr Ford Fiesta!" Und schon war er weg mit dem kleinen Schlingel. "Seht Ihr", bekenne ich ironisch zu Martin und Maria: "Immer mache ich etwas in der Erziehung falsch." In Gedanken tröste ich mich jedoch: Zum Glück sind nicht alle Menschen so schrecklich anmaßend. Und - wir haben wirklich kein Verbotsschild gefunden. Aber die Pilze waren lecker. Eine Pfanne mit saurer Sahne und die andere mit Ei.

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Reinhard 07/27/2009 17:55

Förster sollen für Ordnung im Walde sorgen. Heute nacht muss ich deshalb einen Klingelstreich machen, wegen der vielen Stöcker!

anais 07/27/2009 19:05


Dieser Förster wollte sich nur wichtig tun und seine Dominanz zeigen. Herrscher in seinem Revier. Armer kleiner Hund. Danke, dass Du mir einen Kommentar gepostet hast.


Der Falke 01/03/2009 03:33

Mmm?! Ich hätte einen Stock genommen, dem "Förster" eins übergezogen und gesagt. "Ich helfe Ihnen gern bei Ihrer Erziehung."

Burkhard 01/02/2009 14:24

Anais, Du, persische Göttin der Liebe,Dir ist ein Denkmal hier auf diesen Seiten gesetzt.Dass mancher, der sich am Dorn der Geschichte verletzt,doch wenigstens Dir, Unstete, anhänglicher bliebe.Lieber Achim,nimm meinen lyrischen Gruß auf deinen Weg ins virtuelle Zeitalter. Viel Erfolg wünscht Berlin.